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Mai02

Das grosse Asylum-Special

Das grosse Asylum-Special

The Asylum – dieser Begriff dürfte dem regelmäßigen bereitsgetestet.de Besucher nicht mehr unbekannt sein, nachdem wir Produktionen des Hauses immer wieder aufgreifen, z.B. Moby DickTitanic 2Mega Piranha, Transmorphers oder Sherlock Holmes, um nur ein paar aufzuzählen. Doch wer steckt hinter diesem von vielen belächelten Independent-Studio? Wie und unter welchen Umständen entstehen diese Produktionen?Um das Phänomen des Asylum-Erfolgs mal ein wenig näher zu betrachten, unterhielt sich bereitsgetestet.de Redakteur Tobias Hohmann nicht nur mit den beiden Asylum-Regisseuren Eric Forsberg und Trey Stokes, sondern auch mit Frank Thies, dem Category Manager des Verleihers dtp-Entertainment, das den Großteil der Asylum-Produktionen in Deutschland vertreibt. Obwohl The Asylum im Allgemeinen erst durch ihre Mockbuster-Produktionen – auf die Definition dieses Begriffs wird später eingegangen - ab 2005 weltweite Aufmerksamkeit erlangten, hielt sich das Studio bereits seit 1997 im Geschäft. Gegründet wurde es von David Michael Latt, David Rimawi und Sherri Strain, die zuvor für Village Roadshow Pictures arbeiteten. Strain schied nach einer Neustrukturierung des Studios aus und wurde durch Paul Bales ersetzt, der wichtig für die Außendarstellung ist: Er betreibt auf der offiziellen Asylum-Seite einen Blog, auf dem er nicht nur auf aktuelle Projekte eingeht, sondern auch Stellung zu Kritiken bezieht und den Kontakt zu den Fans pflegt. Die Zentrale des Independent Studios liegt in einem unscheinbaren Industrieviertel am Rande von Los Angeles, von hier aus steuern die Asylum-Partner ihre überraschend effizient laufende Produktions-Maschinerie: Bis zu 15 Filme pro Jahr werfen die Produzenten auf den Markt, der komplette Entstehungsprozess von der ersten Idee bis zur Fertigstellung des finalen Produkts ist in der Regel innerhalb von vier Monaten abgeschlossen. Egal, wie man zu dem Ergebnis steht: Dieser Produktionsoutput steht für einen exzellent koordinierten Ablauf und eine von vorne bis hinten effiziente Arbeitsaufteilung, wofür auch die nackten Zahlen sprechen. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

    David Michael    -      Latt Paul Bales    -      David Rimawi
 
Bis auf wenige Ausnahmen, so versuchte man sich auch an – von Kritikern mitunter gelobten - Dramen, konzentrierte man sich auf günstig zu produzierende Horror- und Thrillerfilme, die direkt für eine DVD-Auswertung produziert wurden. Dieses Konzept ging mehr oder minder auf, zumindest schafften es die Macher im Hintergrund, ihre Filme am Markt zu platzieren und teilweise auch ins Ausland zu verkaufen, so dass es zum Überleben reichte. Nachdem jedoch die großen Studios begriffen, welches Potential der Direct-to-DVD-Markt (DtD) bot, stiegen sie auch in das Boot, so dass die Luft für Asylum dünner wurde. Mittlerweile hat fast jedes größere Studio, z.B. Universal oder Paramount, eine Tochtergesellschaft gegründet, die ganz gezielt diesen Markt bedient, u.a. durch die Auswertung von Sequels bekannter Titel. Auch diese Produktionen werden mit verhältnismäßig geringen Budgets - die jedoch weit, weit über dem finanziellen Asylum-Rahmen liegen - umgesetzt, können jedoch nicht selten einen „Star“ in der Hauptrolle oder eben einen bekannten Titel vorweisen, so dass es für Asylum immer schwerer wurde, sich am Markt zu behaupten. Der Wechsel des Geschäftsmodells ab dem Jahr 2005 war indes, zumindest laut David Michael Latt, nicht geplant, sondern eher ein Unfall. In diesem Jahr veröffentlichte Steven Spielberg seine Interpretation des H.G.-Wells-Klassikers Krieg der Welten mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Da die Rechte an der Vorlage bereits lange ausgelaufen waren, konnte sich jeder an der grundsätzlichen Geschichte bedienen. David Michael Latt gefiel die Idee, hoffte natürlich darauf, dass der zugkräftige Titel den einen oder anderen neugierig machte und schickte die Asylum-Variante ins Rennen, bei der er selbst auch Regie führte. Hoffte man im Hauptquartier auf einen kleinen Gewinn, war man völlig überrascht, als die amerikanische Videothekenkette Blockbuster auf einen Schlag 100.000 Exemplare bestellte – diese Order bedeutete gleichzeitig den größten Erfolg der Firmengeschichte.
 
Wer will es Latt, Bales und Rimawi verdenken, dass sie ihr Geschäftskonzept aufgrund dieses Erfolgs und der schwierigen Situation, in der ihre Firma zu diesem Zeitpunkt steckte, überdachten? Als Ergebnis dieser Überlegungen folgten sehr schnellKing of the Lost World, der sich natürlich an King Kong von Peter Jackson hängte, The Da Vinci Treasure, der sich an der Dan-Brown-Adaption The Da Vinci Code mit Tom Hanks orientierte, Pirates of Treasure Island, der hoffte, von dem Boom rund umFluch der Karibik (Pirates of the Caribbean) zu profitieren, und Snakes on a Train, der natürlich auf der Welle mitreiten wollte, die durch Snakes on a Plane mit Samuel L. Jackson los getreten wurde. Schnell wurden die Asylum-Produktionen den so genannten Mockbustern zugeordnet, die weiß Gott keine neue Entdeckung der Trashproduzenten waren, sondern seit den 60er Jahren fast schon zum guten Ton der US-Filmindustrie gehörten. B-Movie-Papst Roger Corman macht seit den 60er Jahren nichts anderes und wurde vor gar nicht allzu langer Zeit mit dem Ehren-Oscar geehrt. Doch einstweilen zurück zum Begriff Mockbuster: Dies ist die Abkürzung von Mock-up-Blockbuster und steht für Filme, die sich parodistisch und/oder bewusst trashig an große Kassenerfolge hängen. In erster Instanz durchaus nachvollziehbar, dass Asylum-Produktionen den „Makel Mockbuster“ tragen, bei genauerer Überlegung passt diese Definition jedoch nur zu einem geringen Teil des Asylum-Outputs. Denn bewusst trashig und parodistisch gehen nur wenige Regisseure ihre Filme an, auch wenn einiges unfreiwillig in den Trashbereich abwandert. David Michael Latt favorisiert für seine Produktionen eher die Bezeichnung „Tie-Ins“ – also Geschichten die sich an den Vorbildern orientieren oder dort anknüpfen. Bei genauerer Überlegung passt diese Definition auch bedeutend besser, da man den Asylum-Filmen vieles vorwerfen kann: Doch bloße Nacherzählungen bzw. Kopien sind es in der Regel nicht, da gibt es auf dem Markt weiß Gott deutlichere Beispiele und auch Latt selbst wird nicht müde, zu betonen, dass er niemanden kopieren will.
 
Woher kommt also dieser mitunter agressive, öffentliche Spott bei nahezu jeder Asylum-Neuankündigung? Ist es die Qualität der Filme? Jein. Natürlich gibt es da bedeutend mehr Schatten als Licht, wenn man sich einmal durch das Asylum-Archiv wühlt, aber vergleicht man einmal verhältnismäßig objektiv, wird man fest stellen, dass sich das Independent-Studio da qualitativ in „bester“ Gesellschaft befindet. Dass man die Filme von einem qualitativen Standpunkt aus betrachtet nicht ernst nehmen kann,dürfte jedem klar sein. Und das es den meisten Produktionen schadet, sich selbst viel zu wichtig und ernst zu nehmen, ist sicherlich einer der größten Negativpunkte. Die häufig jungen, unerfahrenen Regisseure versuchen zu häufig, aus den quasi nicht existenten Möglichkeiten ernsthafte Filme zu kreieren, was den Asylum-Produktionen häufig schadet, da eine gewisse Leichtigkeit fehlt. "Mega Piranha" macht da vor, wie es funktionieren könnte.  Trotzdem: Auch das trifft nicht nur auf die Filme des Hauses zu, sondern ist auch bei anderen B- und C-Movies ein weit verbreitetes Problem. Ist es der grundsätzliche Ansatz, sich an den Erfolg von großen Kinoerfolgen anzuhängen und von diesem zu profitieren? Schwer vorstellbar, gerade der DtD-Markt quillt nahezu über von Kopien bekannter Vorbilder.

Es dürfte eher an der offenen Art und Weise liegen, mit der Latt, Rimawi und Bales ihre Produktionen bewerben und die Firma nach außen vertreten. Ihr Ansatz ist im Gesamtpaket durchaus dreist: Abgesehen von den recht identischen Titeln (Trasmorphers, The Terminators usw) ist es insbesondere die Covergestaltung, die jedem ins Auge springt. Orientiert sich diese doch sehr extrem an den Vorbildern und kann durchaus als schamlose Kopie angesehen werden. Latt bestreitet auch gar nicht, dass die Cover-Gestaltung gewollte Erinnerungen und Erweckungen wecken soll, sieht dies jedoch als legitimes Marketing-Werkzeug.
 
„Wir sind ein kleines Studio mit sehr begrenzten Mitteln, können nicht viel Geld für Werbung ausgeben. Ich will, dass man meine Filme sieht. Welche Möglichkeiten bleiben uns? Wir müssen auffallen und alle Möglichkeiten nutzen, die uns zur Verfügung stehen.“
 

Drei typische Asylum-Cover: Die Vorbilder sind sowohl vom Artwork, als auch vom Titel her unübersehbar
 
Diese Praxis mag nachvollziehbar sein, macht Asylum jedoch angreifbar, eventuell auch aus rechtlicher Sicht. Während man das Studio wegen der Titelähnlichkeiten und Parallelen zum Plot vergleichbarer Vorbilder nicht belangen kann, sehen Medienrechtler durchaus Klage-Ansätze bzgl. der Covergestaltung – aber, und das bleibt fest zu halten, auch nur da. So halten sich auch die großen Studios mit Klagen zurück. Einzig 20th Century Fox wagte sich aufgrund der Asylum-Variante von Der Tag, an dem die Erde still stand aus der Deckung. Bis heute ist aber nichts weiter passiert. Entweder man einigte sich hinter verschlossenen Türen, oder Fox musste einsehen, dass sie rechtlich einen höchst unvorhersehbaren Weg einschlugen. Wie auch immer: Rechtlich ist Asylum scheinbar nicht wirklich beizukommen. Bliebe der Umstand des bewussten Kundenbetrugs, wird den Produzenten doch immer wieder vorgeworfen, dass die Ähnlichkeiten des Covers in Verbindung mit dem passenden Titel dafür sorge, dass Videotheken- und Kaufkunden quasi versehentlich zu den Asylum-Filmen griffen, obwohl sie eigentlich das Original sehen wollten. Ein Punkt über den man streiten kann, schließlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein „Gelegenheitsgucker“ versehentlich auf diese Strategie rein fällt. Da darf man aber beruhigt die Frage stellen: Na und? Einerseits gibt es genug Beispiele für Coverähnlichkeiten anderer B-Movies und zudem dürfte der prozentuale Anteil der Fehlgriffe auch eher vernachlässigbar sein. Zahlen der US-Videothekenkette Blockbuster geben an, dass lediglich 1% aller Asylum-Kunden bei Rückgabe ihr Geld zurück verlangen – was deutlich unter den Forderungen bei den „normalen“ Ausleihvorgängen liegt. Zudem erklärt die dreiste Covergestaltung auch nicht den Umstand, dass neue Asylum-Filme weltweit eine gewisse Aufmerksamkeit erlangen und Trailer auf alle relevanten Websites online gestellt werden – sogar auf MTV wurden die neuesten Trailer auf die Hauptseite verlinkt. Aus der Sicht der Verantwortlichen müssen sie also so ziemlich alles richtig machen – warum also das bewährte Erfolgsprinzip ändern?
 
Asylum geht mit seinem Ruf sehr locker und selbstironisch um. Paul Bales betreibt - wie schon erwähnt – einen Blog, in dem er die Produktionen seiner Firma zwar verteidigt, aber gar nicht erst den Versuch macht, sie als etwas anderes darzustellen als sie sind. So zieht er auch das Image der Mockbuster-Schmiede gerne mit einem Lächeln durch den Kakao, und nimmt damit etwaigen Kritikern zumindest in dieser Hinsicht schnell den Wind aus den Segeln. Latt, Rimawi und Bales wissen sehr genau, wofür sie und Asylum stehen. Doch statt dagegen anzugehen, machen sie daraus eine Tugend und profilieren sich als Stachel im Hintern der Hollywood-Mächtigen.
 
„Natürlich könnt ihr unsere Filme auch illegal downloaden – aber dann seid ihr auch nicht besser als wir. (…)
Unsere Filme sind so ähnlich wie die großen Studio-Filme, nur billiger. Und beschissener. Falls das möglich ist.“
 
Doch so locker sich die drei Verantwortlichen auch geben: Ihr Studio ist eine höchst effizient arbeitende Film-Maschinerie: Konzeption, Casting, Dreh, Post Production, Special Effects, Verleih (Bis auf wenige Ausnahmen), Vermarktung und weltweiter Verkauf wird in Eigenregie von der Firmenzentrale aus geleitet und koordiniert, was natürlich auch den Gewinn am Ende des Tages vergrößert. So steht das Independent-Studio finanziell auf gesunden Beinen und konnte sich in den letzten Jahren konsequent in einem ansonsten eher stagnierenden Markt verbessern, woran ein Deal mit dem TV-Sender SyFy, auf dem nun ein Teil der Asylum-Produktionen vor der DVD-Auswertung ausgestrahlt werden, sicher nicht „schuldlos“ ist. Und das kommt nicht von ungefähr: Asylum arbeitet nicht nur effizient, sondern äußerst kosten- und risikobewusst. Nicht ohne Stolz sagt man, dass man noch nie Verluste durch eine Produktion hinnehmen musste, mindestens die Investitionskosten wieder in die Kasse kamen. Die Budgets als überschaubar zu bezeichnen, wäre eine glatte Übertreibung. Zwischen 100.000 Dollar, die die günstigeren Comedy-Filme kosten, bis zu 2 Millionen Dollar (Mega Python vs. Gatoroid) kosten die Filme des Studios.
 
Man vertritt konsequent die Meinung, dass mehr Geld nicht zwangsläufig dafür sorgt, dass ein Film besser wird. Zudem könnte ein höherer Investitionsbetrag auch dafür sorgen, dass sich die höheren Kosten nicht wieder amortisieren. Warum also sollten sie ihr erfolgreiches Konzept  ändern? Schließlich funktioniert es ja. Nach eigenen Angaben machen sie an jedem Film etwa 20% Gewinn, wobei der Gewinn steigt, je günstiger die Produktionskosten liegen, was dann auch wiederum erklärt, warum man in letzter Zeit nicht nur diverse Monster vs. Monster Produktionen anschob, sondern auch Sex-Comedies auf den Weg brachte, die Gewinne bis zu 50% abwerfen. Doch abgesehen von den geringen Produktionskosten bedient Asylum konsequent die Kundenwünsche weltweit. Bevor eine neue Produktion grünes Licht erhält, greifen internationale Verleiher alleine schon aufgrund des zugkräftigen Titels zu, was die anfänglichen Investitionen des Studios so auf fast Null herunter fährt. Produktionen, die im Vorfeld nicht genügen Interessenten finden, werden kurzerhand abgesagt. Man behält auch die Quoten bei SyFy sehr genau im Auge und zieht daraus die entsprechenden Schlüsse. Wenn zwei Produktionen, die jeweils etwa eine Millionen Dollar kosteten bei ihrer Ausstrahlung genauso viele Einschaltquoten einfahren, wie eine Zwei-Millionen-Dollar-Produktion, werden interne Entscheidungen durchaus kritisch hinterfragt. Asylum handelt schnell, denkt pragmatisch und fährt somit die risikolose Schiene. Manche Filme wurden sogar nur angegangen, weil ausländische Verleiher gezielt nach bestimmten Genres fragten, so entstand z.B. Mega Shark vs. Giant Octopus nur, weil der asiatische Markt danach verlangte. Asylum ist keine Kreativschmiede, sondern ein Dienstleiter, der den Markt einfach bedient, weil die Nachfrage da ist. In diesem Zusammenhang darf man Bales, Rimawi und Latt auch durchaus vorwerfen, dass sie die nackten Zahlen, über ihre eigentlichen Ambitionen stellen. Es mögen Filmbesessene sein, Ambitionen verfolgen sie jedoch nicht mehr. Sie wollen nur, dass ihre Filme gesehen werden.
 
Dass Asylum den eigenen Firmenoutput seit Jahren aufrecht erhält ist erstaunlich, denn das Tempo ist mörderisch. Selten mehr als 12 Drehtage, Veröffentlichung vier Monate nach ersten Konzeptionsphasen: Diesen Druck kann man nicht so lange aushalten, ohne professionell zu arbeiten. Womit wir bei den sichtbaren Verantwortlichen wären, sprich den Schauspielern und den Regisseuren.Natürlich ist der Einwand berechtigt, dass in der Regel eher zweit- und drittklassige Akteure vor und hinter der Kamera agieren. Wer arbeitet sonst schon unter diesen Umständen? Doch dieses Schicksal trifft auf fast 100% des DtD-Marktes zu: Asylum arbeitet nur effizienter, so dass die Kosten weiter gedrückt werden konnten. Doch unbekannte Schauspieler und Regisseure müssen kein Makel sein, so entsprangen aus der Roger-Corman-Schule Regisseure wie Joe Dante oder Martin Scorsese, Schauspieler wie Jack Nicholson. Asylum gibt unbekannten Newcomern, auch und besonders aus eigennützigen Gründen, die Chance, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Es handelt sich eher selten um reine Auftragsarbeiten, da  nicht wenige Regisseure auch für das Drehbuch verantwortlich sind und somit– unter bestimmten Voraussetzungen - eine Freiheit genießen, die sie bei anderen Produktionen nicht haben. Bei aller berechtigter Kritik: Da steckt häufig sicherlich neben viel Kalkül auch Herzblut in den obskuren Filmen. Auch das nicht die Regel im DtD-Bereich, wenngleich vielleicht sogar häufiger anzutreffen, als im Kino-Mainstream. Außerdem findet man auch immer wieder mal Namen auf der Castliste, die für eine Asylum-Produktion schon recht prominent sind: Lorenzo Lamas, Mark Dacascos oder Lance Henriksen haben sicherlich eine gewisse Popularität, der sich auch andere Studios gerne bedienen. Und auch hinter der Kamera findet man immer häufiger Namen, die das eine oder andere Erfolgsprojekt vorweisen können, aktuell z.B. Mary Lambert (Friedhof der Kuscheltiere). Das soll nicht von dem durchwachsenen Endergebnis des überwiegenden Asylum-Ouputs ablenken, sondern lediglich die Verhältnisse ein wenig gerade rücken. Asylum ist im Grunde nur aufgrund ihrer Effizienz, ihrer geschäftlichen Professionalität, ihrer Respektlosig- und Dreisstigkeit etwas besonders, ansonsten ergeben sich wenige Unterschiede zu anderen B- und C-Movie-Studios.
 
 
Vielleicht muss man sich an den Gedanken gewöhnen, aber durch den Einstieg der großen Studios in den DtD-Markt fand ein Verdrängungswettbewerb statt, den nur wenige so gut überlebten wie Asylum. Abseits von kreativen Gesichtspunkten, die für einen B-Film immer schon nicht die ausschlaggebenden Faktoren waren: Steht Asylum tatsächlich für das neue B-Movie? Und wenn ja: Wäre das schlimm? Die Frage muss jeder für sich selbst beantworten, doch dabei ist Asylum weder Ursprung noch Lösung des Problems. Vielmehr ist es eine Verbildlichung eines generellen Markproblems, da dieser immer stärker von nur wenigen Studios bedient wird und kleinere Anbieter somit systematisch verdrängt werden. Betrachtet man die Situation einmal von dieser Position aus, sollte man fast schon dankbar sein, dass Asylum da so erfolgreich Gegenwehr leistet. Allerdings müssten sich die Verantwortlich auch darüber im Klaren sein, dass sie – wenn sie ihre Erfahrung wirklich und sinnvoll nutzen wollen – sich ernsthaft darüber Gedanken machen müssen, wie lange sie noch in dieser Form weiter machen wollen. Vielleicht wäre jetzt auch die Zeit gekommen, mehr als nur schlechten bis guten Trash zu bieten und sich mit geringen finanziellen Einsätzen auch an andere, anspruchsvollere Themen zu wagen. Asylum hat sich mittlerweile eine weltweite Vertriebsstruktur aufgebaut, wertvolle Kontakte geknüpft, so dass ihnen alle Möglichkeiten offen stehen, ohne viel Risiko den nächsten Schritt zu gehen: Qualitativ besssere Produktionen abzuliefern - sowohl im bewährten Metier, als auch darüber hinaus. Wie man es nicht macht, machten Menahem Golan und Yoram Globus vor, die sich seinerzeit mit preisgünstigen B-Movies a laAmerican Fighter, einem überbordenden Selbstbewusstsein und Sprüchen einen Namen im Filmgeschäft machten.
 
„Jeder, der einen fünf Millionen Dollar teuren amerikanischen Film mit einem Anfang, einen Mittelteil und einem Ende dreht, muss ein Idiot sein, wenn er Geld verliert.“ (Menahem Golan)
 
Cannon ging es so lange prächtig, wie man selbst gesetzte Grenzen nicht überschritt. Doch nachdem Golan/Globus größenwahnsinnig wurden, Topstars wie Stallone, oder Franchises wie Superman aufkauften, sich zudem teure Regisseure gönnten, um auch bei den Kritikern Renomme zu erhalten, standen sie sehr schnell vor dem Aus. Sie kannten nicht den Markt und verbrannten förmlich Geld. Diesen Fehler sollten Rimawi, Latt und Bales nicht begehen, wobei die Gefahr da auch recht gering ist, da sie den US-Markt wesentlich besser kennen und vorsichtiger agieren  als Golan/Globus damals. Doch was spricht dagegen, junge und ambitionierte Filmemacher mit einem geringen Budget eben nicht die neueste Monsterhatz drehen zu lassen, sondern einen ungewöhnlichen Thriller, oder ein lupenreines Drama? Ideen gibt es genug, gute Leute auch und Asylum kann für den einen oder anderen sicherlich zum Sprungbrett werden, wenn sie es schaffen, sich aus dieser reinen Mockbuster-Ecke zu befreien und ihre Erfahrung – abseits aller nachvollziehbaren geschäftlichen Standpunkte – ihr Know How und das weltweite Vertriebsnetz in die richtige Richtung zu lenken. Zuzutrauen ist es den Jungs, es bleibt nur die Frage, ob sie das auch wollen. Denn Strukturen a la Asylum findet man im Independent Bereich kaum noch. Sucht man einen passenden Vergleich, so ist Asylum in der Tat das weltberühmte kleine, gallische Dorf, dass sich vehement und ausdauernd gegen einen schier übermächtigen Gegner behauptet - auf ihre Weise. Und das sollte man zumindest auf dieser Ebene honorieren. Jetzt müssen nur noch die Filme besser werden.
 

DURCHSCHNITTLICHE BESUCHER-WERTUNG

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Tobias Hohmann

Tobias Hohmann

   

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