!

Bereitsgetestet.de verwendet Cookies, um Ihnen bestimmte Funktionen zu ermöglichen und die Website dem Nutzungsverhalten der Besucher besser anpassen zu können. Wenn Sie die Website weiter nutzten, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus. Datenschutzerklärung

OK

Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   
Nov23

M - Eine Stadt sucht ihren Mörder

M - Eine Stadt sucht ihren Mörder

Originaltitel: M
Herstellungsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 1931
Genre: Krimi, Thriller
Freigabe: FSK-16
Regie: Fritz Lang
Darsteller: Peter Lorre, Ellen Widmann, Inge Landgut, Otto Wernicke, Theodor Loos u.a.

Der unbekannte Mörder, der Schrecken unserer Stadt, hat ein neues Opfer gefordert, verkündet das Plakat und bietet für die Ergreifung 10.000 Mark Belohnung. Berlin um 1930: Ein buchstäblich unfassbarer Serienkiller beschäftigt nicht nur die Kripo, sondern auch Berlins Gangster. Auf der Suche nach dem Triebtäter behindert die Polizei nämlich "normale" Kriminelle bei der Arbeit. Der "Schränker", König der Unterwelt, mobilisiert alle Genossen, um das Phantom zu fangen...

- Kritik -

Fritz Lang – Selbst wer sich nicht sonderlich für die deutsche Filmgeschichte interessiert, wird diesen Namen schon einmal gehört haben. Lang gilt nicht umsonst als einer der revolutionärsten Regisseure der Filmgeschichte, schuf mit Dr. Mabuse (1922), Die Nibelungen (1924) oder Metropolis (1927) Meilensteine der Stummfilm-Ära, schaffte jedoch auch den Übergang zum Tonfilm spielend. In dieser Hinsicht nimmt M – Eine Stadt such ihren Mörder einen gewissen Sonderstatus in Langs Filmographie ein, da es sich um seinen ersten Beitrag dieser damals noch jungen Technik handelte. wird zu den wichtigsten deutschen Filmen überhaupt gezählt und erscheint nun in einer restaurierten und kompletten Fassung. Wie wirkt der Streifen heute, über 80 Jahre nach seiner Aufführung?

M hält all das, was sein Ruf im Vorfeld versprach. Die größte Überraschung ist jedoch die Zeitlosigkeit der Inszenierung. Der Film ist wesentlich besser gealtert, als ein Großteil der Produktionen aus den 50er und 60er Jahren, wirkt bei weitem nicht so betulich und technisch schlicht, wie man es aufgrund des Produktionsalters erwarten dürfte. Im Gegenteil: Lang legte ein handwerkliches und filmisches Verständnis an den Tag, von dem sich selbst heutige Filmemacher mit all ihren Möglichkeiten eine Scheibe abschneiden können. Lang arbeitete mit intelligenten Schnittfolgen, verzichtete völlig auf Musik und setzte auch das neue Medium Ton nur äußerst behutsam und durchdacht ein, verzichtete gar hin und wieder völlig darauf. Das mag für den Zuschauer etwas ungewohnt sein, wird jedoch so clever in Szene gesetzt, dass es nie störend wirkt und im Gesamtpaket ohne jegliche Einschränkung funktioniert – wenn man sich auf solche Experimente einlassen kann und will.

Abseits der unbestrittenen Fähigkeiten von Lang glänzt jedoch auch durch wunderbaren Cast, aus dem insbesondere Peter Lorre als Mörder und Gustaf Gründgens als Anführer und Verfolger des Serienkiller heraus stechen. Lorre beeindruckt insbesondere im Finale, welches in einem absurden Scheinprozess mündet, mit einem denkwürdigen Monolog, zeigt die Zerrissenheit seiner Figur aber auch in anderen Szenen, wenn er etwa erschreckt, als ihm bewusst wird, dass er seinen Trieb nicht kontrollieren kann. Lorre´s Spiel ist zwar in Nuancen noch im Stummfilm verwurzelt, da er bisweilen mimisch ein wenig über das Ziel hinaus schießt, diese „Schwäche“ jedoch durch sein emotionales und sensibles Spiel wieder aus. Gründgens hingegen brilliert als kühler Kopf, der eine Eiseskälte ausstrahlt, mimisch bewusst zurückhaltend spielt, jedoch mit der Stimme alle Facetten seiner Figur transportiert. Sein Charakter fungiert als eine Art Aufpeitscher und erinnert optisch sicherlich nicht umsonst an Figuren aus dem 3. Reich, insbesondere an Goebbels werden Erinnerungen wach –und das fraglos nicht ohne Grund, gilt Lang doch als erklärter Gegner des Regimes, schlug Angebote aus und verließ – übrigens ebenso wie Lorre, der später in den USA Karriere machte – seine Heimat und kehrte erst Jahrzehnte später wieder zurück.

Lang inszeniert zwar sehr realistisch, mitunter fast schon dokumentarisch, baut aber dennoch eine enorme Emotionalität und Spannung auf. Auch wenn es häufig anders interpretiert wird: M ist ein sehr eindeutiges Plädoyer gegen Lynch- und Selbstjustiz, das Thema aktuell wie eh und je. Mit skalpellartiger Präzision beschreibt der Regisseur, wie normale Menschen ihre Fassung und Menschlichkeit verlieren, eine ganze Stadt in einen Jagdrausch verfällt und sich die Wut ihrer Bewohner immer weiter aufstachelt, bis der Mörder am Ende von den eigentlichen Verbrechern vor ein Tribunal gestellt wird. Dass Lang dabei die Grenzen verschiedener Genres nicht nur streift, sondern fast schon mit spielerischer Leichtigkeit durch- und unterläuft, ist ein weiterer Beweis seiner Souveränität.ist Drama, Kriminalfilm, Satire, Thriller, Charakterstudie und noch viel mehr: In einigen Sequenzen prangert Lang durchaus offen und unverhohlen das Nazi-Regime an und ist somit auch ein zeitgeschichtliches Zeugnis.

 

- Fazit -

Es ließe sich viel über sagen – begrenzen wir es darauf: Ein Meisterwerk, das jeder gesehen haben sollte: Nach wie vor überraschend frisch und modern, exzellent gespielt, herausragend inszeniert.

Bewertung: 9.5 | 10

Durchschnittliche Userbewertung

8.2/10 Bewertung (5 Stimmen)

- DVD FACTS UND EXTRAS -

 

DVD Verleihstart: -
DVD Verkaufstart: 28.10.2002

Label: Universum

Verpackung: Keepcase
Wendecover: Kein FSK-Logo auf dem Cover

Bild: 1,18:1
Laufzeit: ca. 105 Minuten
Uncut: Ja

Ton:
1. Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: 
Keine

Extras
    •    Kapitelanwahl: 17 Kapitel
    •    Portrait von Fritz Lang aus 'Kino, Kino' (2:26 Min.)
    •    Über die Nero Film (2 Texttafeln)
    •    Filmentstehung und Restauration (4 Texttafeln)
    •    Architekturskizzen - Gegenüberstellung Zeichnung/Filmausschnitt (9 Tafeln)
    •    Werksfotos (6 Bilder)
    •    Szenenphotos (10 Bilder)
    •    Historisches Werbematerial (3 Bilder)
    •    Bio-/Filmographien:
       ◦    Fritz Lang (10 Texttafeln)
       ◦    Peter Lorre (7 Texttafeln)
       ◦    Gustaf Gründgens (7 Texttafeln)
       ◦    Theo Lingen (7 Texttafeln)

Review Extras
Hut ab, mehr kann man da nicht sagen. Nicht nur, dass das alte Filmmaterial in fast schon erschreckend guter Qualität daher kommt: Auch bei den Bonusmaterialien wurden keine Mühen gescheut. Jedes Segment ist eine Sichtung wert. Besonders erfreulich ist jedoch ein Fritz-Lang-Interview aus den 60er Jahren, das deutlich zeigt, welches Charisma der eigenwillige Filmemacher besaß. Diese Bonusmaterial ist für einen Film dieses Jahrgangs sicherlich derzeit die absolute Referenz.

Bewertung: 10 | 10

Durchschnittliche Besucher-Wertung

0.0/10 Bewertung (0 Stimmen)
Tobias Hohmann

Tobias Hohmann

   

Spieltipp  

   

Statistik  

Filme: 1.442
Videospiele: 89
Specials: 105
Interviews: 62
Hardware: 9

Besuche Juli: 114.336
Belege können angefordert werden