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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   
Aug30

Evil

Evil

Originaltitel: The Girl next Door
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 
2007
Genre: Thriller, Drama
Freigabe: FSK-18
Regie: 
Gregory M. Wilson
Darsteller: Blanche Baker, Daniel Manche, Blythe Auffahrt u.a.


 

Sommer 1958: In einer beschaulichen amerikanischen Vorstadt lebt der 12-jährige David. Die Nachbarin Ruth, selbst dreifache Mutter, hat gerade zwei junge Mädchen in ihre Obhut genommen – die 16-jährige Megan und ihre etwas jüngere Schwester Susan. David freundet sich mit Megan an und entwickelt ein starkes Gefühl der Zuneigung für sie. Doch schon sehr bald findet Ruth Vorwände, die beiden Mädchen, insbesondere Megan, zu bestrafen. Dies entgeht auch David nicht. Als die Misshandlungen brutaler und häufiger werden, gerät die Situation bald vollständig außer Kontrolle: Nicht nur Ruth quält Megan, sämtliche Nachbarskinder sind in das brutale Folterspiel involviert. Für Megan beginnt ein auswegloses Martyrium…

 


 

 


 

- Kritik -

„Evil“ ist ein schockierender Film, ein Schlag in die Magengrube. Umso mehr schockiert es, das die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht: Sylvia Likens und ihre Schwester Jenny waren Schaustellerkinder, die aufgrund der Kinderlähmung Jennys in die Obhut von Getrude Baniszewski – die Mutter einer Freundin Sylvias - gegeben wurden. Getrude hatte schwere psychische Probleme und war von ihrem Mann verlassen worden. Sylvia war ihr aufgrund ihrer aufkeimenden Sexualität von Beginn an ein Dorn im Auge und bestrafte sie bereits für Kleinigkeiten, die sich zu Misshandlungen ausweiteten, in der dann nicht nur Baniszewskis Nachwuchs, sondern auch die Nachbarschaftskinder eingebunden wurden. Als Sylvia nach einer Misshandlung inkontinent wurde, schleppte man sie in den Keller, wo aus den Misshandlungen Folter wurde: Man übergoss sie beispielsweise mit kochend heißem Wasser und rieb ihr Salz in die Wunden. Am 24.10.1965 starb Sylvia Liskes nach einer weiteren Misshandlung als Gertrude Baniszewski und ein Nachbarschaftskind mit Besen und Stühlen auf sie einschlugen. Erst durch die Nachforschungen einer älteren Schwester wurde man auf den Fall aufmerksam, schlussendlich vertraute sich Jenny einem Polizisten an. Getrude Baniszewski wurde zu 18 Jahren Haft verurteilt, 1985 jedoch wegen guter Führung entlassen und starb 1990 an Lungenkrebs. Auch die Kinder erhielten Haftstrafen zwischen 2-7 Jahren. Der Film „An american crime“ mit Ellen Page („Juno“) in der Hauptrolle erzählt diese Geschichte weitestgehend auf Faktenbasis, während „Evil“ die Buchverfilmung von Jack Ketchums Roman (Originaltitel: The Girl next door) ist. Das Buch beruht zwar auf dem Likens Fall, ist aber fiktiv. So änderte Ketchum beispielsweise den Zeitpunkt der Tragödie oder veränderte Namen.


Den Film sollte man sich nur anschauen, wenn man starke Nerven hat. Denn das Gezeigte macht betroffen, wütend, nachdenklich und ist alles andere als leichte Kost. Mit Unterhaltung hat das wenig zu tun, es ist eigentlich ausgeschlossen, das irgendjemand Gefallen an dem findet, was er sieht. Manche werden gar den Blick abwenden möchten, so verstörend ist das Gezeigte. Mit Splatter und Gore hat das jedoch gar nichts zu tun. Die meisten Misshandlungen werden nicht gezeigt, eher angedeutet oder spielen gänzlich im Off; teilweise werden sie auch durch die Reaktionen in den Gesichtern aller Beteiligten verdeutlicht. Keine Musik, kein Humor lockert den Stoff auf. Das es Regisseur Gregory Wilson und seinen Drehbuchautoren Daniel Farrands und Philip Nutman trotz dieser optischen Zurückhaltung gelingt, den Betrachter dermaßen zu fesseln und die gezeigten Gräueltaten quasi miterleiden lässt, verdeutlicht nur die Klasse von „Evil“ und verweigert sich damit auch jeglichem Vorwurf der plakativen Effekthascherei a´la „Hostel“. Man verzichtete sogar auf einige Passagen aus Ketchums Buch, die besonders grausam waren. „The Girl next door“ fängt recht harmlos an und erinnert optisch, nicht zuletzt durch den Zeitrahmen, recht stark an die Stephen King Verfilmung „Stand by me“ von Rob Reiner. An der Oberfläche ist alles bestens, überall zufriedene Familien; dieses wird durch eine besonders helle und intensive Farbgestaltung akzentuiert. Im Keller hingegen ist alles grau in grau, sehr düster, bei jeder Szene scheint noch mehr Licht zu entweichen. Dieser Kontrast ist sehr schön gelungen, und deutet schon jeweils im Vorfeld an, in welche Richtung es geht. Diese schnellen Wechsel können dabei, besonders zu Beginn, recht verstörend sein, erfüllen aber ihren Zweck.


Die einzige Figur die auch nur ansatzweise als Identifikationsfigur taugt, ist David, ein Nachbarschaftsjunge. Er ist zu Beginn hin und her gerissen zwischen einer gewissen voyeuristischen Faszination, absoluter Hilflosigkeit und Abscheu. Er weiß nicht wie er sich verhalten soll, wie er Megan helfen kann. Man möchte ihn am liebsten durchschütteln, damit er endlich etwas unternimmt. Doch als er sich Rat bei seinem Vater holen will, bekommt er den Hinweis, das er sich lieber um seine Dinge kümmern solle. Dieses Gespräch zwischen Vater und Sohn ist zugleich ein interessanter Spiegel über das ambivalente Familienbild in den 50/60er Jahren. Daniel Manche, der David spielt, meistert seine Rolle überraschend gut, und transportiert diese innere Verzweiflung sehr glaubwürdig. Schauspielerisch überragend ist jedoch sicherlich Blanche Baker, die Ruth spielt: Eiskalt, grausam, fast ohne jegliche Regung überzeugt sie durchgehend als kranke Frau die nur ihrer eigenen, perfiden Logik folgt und einerseits ein guter Kumpel der Jungs, andererseits auch eine absolute Tyrannin ist. Die Gefahr des Overactings, des zu dick Auftragens, ist sicherlich sehr groß, doch statt dessen überzeugt sie mit minimalistischen Gesten und einer fast schon starren Mimik. Trotzdem sitzt jeder Blick, jede Geste und macht sie zu einer der hassenswertesten Figuren der letzten Jahre. Schauspielerisch ist das ganz groß. Blythe Auffahrt als Megan überzeugt auch weitestgehend, wirkt zu Beginn noch wütend, wird jedoch von Szene zu Szene verängstigter und verletzlicher.


„The girl next door“ ist eine Parabel über den Verlust der Kindheit, Gruppendruck, Moral und verlogene, unterdrückte Sexualität. Es ist wirklich erschreckend zu sehen, wie schnell Ruths Kinder sämtliche Hemmungen verlieren, und sich gegenseitig zu immer grausameren Dingen anstacheln. Es werden unangenehme Fragen aufgeworfen: Was ist Moral eigentlich? Wie würde ich mich selbst verhalten? Wie kann es zu solchen Taten kommen? Das ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, evtl. will sich der eine oder andere auch gar nicht damit beschäftigen. Allerdings ändert es nichts an der Tatsache, das der unbequeme Film jeden Zuschauer damit konfrontiert, und daher sicher nicht jedem gefallen wird. Man wird faktisch Zeuge einer vollkommenen Enthumanisierung, einer Entmenschlichung, des Opfers: Das ist schmerzhaft und unangenehm, allerdings – gerade wenn man Interviews mit Regisseur Wilson kennt – absolut gewollt und im Gesamtkontext des Films auch nötig. Leider konzentriert sich der Film zu sehr auf den eigentlichen Vorfall. Warum Ruth so ist wie sie ist, bleibt völlig offen. Baker spielt zwar hervorragend, aber der Charakter an sich bleibt völlig außen vor. Das ist schade, da auch ihre Geschichte interessant ist und es dem Gesamtbild gut täte, wenn man diese Figur nicht so eindimensional belassen hätte. Des weiteren fallen die nicht immer souveränen Auftritte der Kinderdarsteller auf; das wirkt teilweise schon sehr gestellt und ruft dadurch auch nicht dauerhaft dieses Entsetzen hervor, das es eigentlich sollte. Das Ende kommt dann auch ein wenig zu schnell, wobei die letzte Szene mit Megan und David hingegen wunderbar schlicht ist und gerade dadurch zu Tränen rührt.

 
- Fazit -

„Evil“ ist ein denkbar unbequemer Film, der zu kontroversen Diskussionen führen wird. Zu grausam und zu konsequent, als das es den meisten gefallen könnte, schildert der Film schonungslos offen, was unter der scheinbar schönen Oberfläche alles passieren kann. Es werden Fragen aufgeworfen, die nachdenklich machen. Unterhaltsam ist das alles sicher nicht, wichtig jedoch schon. 

Wertung: 8 | 10

Durchschnittliche Userbewertung

6.3/10 Bewertung (7 Stimmen)

 


 

- DVD FACTS UND EXTRAS -

 

DVD-Verleihstart:  24.04.2008
DVD-Verkaufstart: 16.05.2008
 
Label: Galileo Medien
Verpackung: Keep Case
 
Ton:
1. Deutsch Dolby Digital 5.1
2. Englisch Dolby Digital 2.0
 
Untertitel:
- Deutsch
 
Bild: 1.78:1 (16:9) 
Laufzeit: ca. 91 Min.
Uncut: Ja 
 
Extras:

  • Trailershow
  • Pure
  • Johnny was
  • Confessions of Pain
  • Der Unhold 

Review Extras:
„Evil wird zweimal veröffentlicht: Einmal in der Steelbookaufmachung, die auch einige Extras enthält (z.B. Making of) und als normale Amarayverpackung, die identisch mit dem Verleihrelease ist. Uns lag zur Ansicht (leider) nur die Amarayverpackung ohne die Extras vor. Es befinden sich lediglich vier Trailer auf der DVD. Das ist natürlich eindeutig viel zu wenig; das hat der Film nicht verdient. 

Wertung: 1|10

Durchschnittliche Besucher-Wertung

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Tobias Hohmann

Tobias Hohmann

   

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