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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   

Interview: Saskia Hahn (BGT-Exklusiv)

Details

IN OUR COUNTRY – ein etwa 30 minütiger Kurzfilm von Louisa Wagener - feierte seine Premiere auf den 50. Internationalen Hofer Filmtagen und wird vermutlich im März auch im Fersehen zu sehen sein. Der Film erhielt bereits während seiner Vorproduktion und den Dreharbeiten eine große mediale Aufmerksamkeit durch die Süddeutsche Zeitung und weitere lokale Blätter im Raum Ebersberg. Zu der Besetzung des ambitionierten Films zählen innerdeutsch bekannte Schauspieler wie Michael Altinger, Joseph Hannesschläger, Ferdinand Hofer, Nick Romeo Reimann und Christian Lerch. BGT-Redakteur Kevin Zindler konnte die Produktion bereits vorab in Augenschein nehmen: „IN OUR COUNTRY ist ein Plädoyer für Toleranz. Er verzichtet dabei erfreulicherweise auf gängige Klischees und gezielt melodramatische Elemente. Im Gegenteil: Die Geschichte wird dem Zuschauer realistisch und mit einer unterhaltsamen Lockerheit näher gebracht und ist – trotz der nötigen Ernsthaftigkeit – kein typisches deutsches Betroffenheitsdrama“. Kevin Zindler hatte die Gelegenheit, sich mit Saskia Hahn - der jungen, ehrgeizigen und sympathischen Produzentin von IN OUR COUNTRY-  zu unterhalten.


Story von IN OUR COUNTRY: Teklebrhan hat mit seinen neunzehn Jahren die Flucht aus seiner Heimat Eritrea überlebt. In Deutschland fällt es ihm schwer, aufgrund der Erinnerungen an seine Flucht durch die Wüste Libyens, ein neues Leben zu beginnen. Die Familie steckt seit Tekles Flucht in einer finanziellen Notlage. Um den Eltern zu helfen, bildet sich Tekle ein, der nächste Boateng werden zu müssen. Er tritt einem dörflichen Fußballverein in Bayern bei. Dort lernt er den 17-jährigen Anton kennen, die beiden freunden sich an. Tekle will nicht wahrhaben, dass sein Talent als Fußballer für eine große Karriere nicht ausreichend ist. Anton kann seinen Ehrgeiz nicht nachvollziehen. Die restlichen Teammitglieder, darunter Antons Clique, lehnen Tekle und die anderen Flüchtlinge ab. Die Freundschaft zwischen Tekle und Anton scheint die Gruppe schließlich miteinander zu versöhnen, bis einer der deutschen Jungs seinen Platz in der Mannschaft an Tekle verliert…


 

IN OUR COUNTRY ist bereits dein zweiter Film als Produzentin in Zusammenarbeit mit Regisseurin Louisa Wagener. Zudem habt ihr beide an der Hochschule Macromedia in München studiert. Wie kam es zu den gemeinsamen Projekten?

Wir haben das erste Mal bei "Superpapa" (Kurzfilm, 2015) im vierten Semester zusammengearbeitet. Ich war u.a. als Produktionsleiterin beteiligt, Louisa führte Regie und hatte auch das Drehbuch geliefert. "Superpapa" war unser zweiter Film an der Hochschule. Wie immer galt die Regel: Nur die vom Studiengang abgesegneten Drehbücher werden verfilmt. Ich hatte selbst ein Drehbuch für eine Aktion-Komödie geschrieben, das Buch wurde jedoch von den Professoren abgelehnt. Ich suchte mir einen anderen Film und fand diesen in "Superpapa". Die Zusammenarbeit bei diesem Projekt klappte super. Als Louisa mich zwei Semester später für die Produktion ihres Abschlussfilmes "In Our Counry" anfragte, sagte ich erneut zu. "In Our Country" ist auch der zweite Film in Zusammenarbeit mit der Kamerafrau Ute Bolmer. Wir haben diesen Abschlussfilm als Trio realisiert.

Trailer: SUPERPAPA

IN OUR COUNTRY behandelt ja ein Thema, welches aktueller nicht sein könnte. Was war die genaue Intention, als du gemeinsam mit Louisa Wagener das Drehbuch verfasst hast?

Es war Louisas Idee und ihr Wunsch, einen Film über Geflüchtete zu machen. Ich habe schnell für die Produktion zugesagt, weil ich einen gesellschaftlich relevanten Film machen wollte und wir das Gefühl hatten, dass diese Thematik zunehmend aktueller werden könnte. Als wir vor über zweieinhalb Jahren in die Stoffentwicklung gestartet sind, war sie nämlich längst nicht so aktuell wie heute. Die Entscheidung für Louisas Idee traf ich natürlich auch in Hinblick auf die Fördermöglichkeiten. So richtig überzeugt davon, war ich jedoch erst, als ich "Bilal" - einen Roman des italienischen Enthüllungsjournalisten Fabricio Gatti - gelesen hatte. Gatti hatte sich als Illegaler getarnt in den Senegal begeben, um von dort aus mit den anderen Migranten über die gefährliche Transitroute nach Europa zu flüchten. Je mehr Louisa und ich auch ins Gespräch mit jugendlichen Geflüchteten in Deutschland kamen, desto wichtiger wurde das Thema uns persönlich. Einem von ihnen, Muler, ist der Film nun auch gewidmet.

IN OUR COUNTRY auf Facebook

Wie siehst du die Flüchtlingsproblematik? Der Film ist ja ganz klar ein Plädoyer für Toleranz und gegen Vorverurteilungen.

Genau, der Film ist kein politisches Statement, vertritt aber eine klare Meinung, wie wir Geflüchteten - eigentlich prinzipiell Menschen - begegnen sollten: Tolerant, respektvoll, offen. "In Our Country" beschönigt nicht: Der Film zeigt, dass jeder seine Stärken und Schwächen und meist nachvollziehbare Gründe für sein Handeln und Denken hat (kulturelles Verständnis / Erfahrungen). Der Film vertritt diese Einstellung, weil auch Louisa und ich sie vertreten. Ich bin der Meinung, wie alle können und müssen einen Teil zu einer gelingenden Integration beitragen. Wir (Deutsche) auf der einen Seite für mehr Offenheit und Verständnis, Geflüchtete und Asylbewerber auf der anderen Seite für Bereitschaft, unsere Kultur kennen zu lernen. Ich denke auch, dass Gleichberechtigung heißt, gleiche Chancen zu haben und die gleichen Konsequenzen für das gleiche Handeln zu tragen. Das ist natürlich etwas komplizierter, wenn unterschiedliche Wertevorstellungen vertreten sind. Umso wichtiger ist die Offenheit auf beiden Seiten. Ich finde auch psychologische Betreuung für Menschen, denen in ihrer Heimat oder auf der Flucht etwas traumatisierendes widerfahren ist, unabdingbar. Vieles ist aufgrund von Personalmangel schwierig und ganz bestimmt ist kaum etwas einfach. Auf einander zugehen, zuhören und im Alltag Gemeinsamkeiten entdecken jedoch schon - wie es Tekle und Anton zeigen. 

Das „Making Of“ von IN OUR COUNTRY

Wie schwer war es, den Stoff umzusetzen und gab es die Möglichkeit Fördergelder zu bekommen? 

Es war nicht schwer, die geeigneten Förderpartner für das Projekt zu finden oder Schauspieler und Stabmitglieder für das Vorhaben zu begeistern. Vielen von ihnen war das Thema selbst ein Anliegen, sie waren bereit, trotz des Studentenfilm-Budgets mitzuwirken. Die Stoffentwicklung erwies sich jedoch als schwierig. Louisa und ich wollten einen Film realisieren, der glaubwürdig und damit realitätsnah ist. Wir haben sehr viel Zeit und Kraft in die monatelange Recherche gesteckt. Wir haben bis zu zwölf Treatments (Vorform des Drehbuchs) geschrieben und sie oft wieder komplett über den Haufen geworfen, weil etwas im Buch aber nicht in der Realität funktionierte. Es war auch schwierig, Flüchtlingsheime und Erstaufnahmestationen für die Recherche zu besuchen. Das wurde uns aus Gründen wie "wir sind hier nicht im Zoo!" verweigert. Ins Gespräch mit Geflüchteten kamen wir zwar schnell, die Gespräche waren jedoch oft auch nur oberflächlich. In Eritrea ist es verpönt, offen über seine Gefühle zu sprechen. Muler hat sich uns erst nach über anderthalb Jahren anvertraut und über seine Ängste und Wünsche gesprochen. Zuvor hatte er nur Fakten über seine Heimat und die Flucht geschildert. "In Our Country" ist zu einem erheblichen Teil durch staatlicheFördergelder finanziert - durch den FilmFernsehFonds Bayern (FFF). Darüber hinaus haben wir eine Filmförderung von "Brot für die Welt" erhalten und der DFB Kulturstiftung. Auch zahlreiche Kulturförderungen oder Vereine aus dem Landkreis Ebersberg waren finanziell (und darüber hinaus projektbegleitend) beteiligt. Der Bayerische Rundfunk ebenso durch die Abnahme der Senderechte - aber das fällt nicht unter Filmförderung. 

Der Cast ist ein Mix aus bekannten und etablierten Darstellern wie Joseph Hannesschläger und frischen Gesichtern wie Alexes Feelmo, der den traumatisierten Flüchtling Teklebrhan Gerizgher spielt. Funktionierte das Zusammenspiel auf Anhieb so wie ihr es euch vorgestellt habt?

Ich war nicht jeden Tag am Set, aber sofern ich das beurteilen kann, hat das Zusammenspiel super geklappt. Wir hatten vor dem Drehbeginn mehrere Roundtables und ein großes Reading organisiert, bei denen sich die Schauspieler erstmals kennenlernen konnten. Darüber hinaus gab es dann Feste (z.B. das Warm-up), bei dem man sich auch privat begegnet ist, und natürlich das abendliche Drehschlussbier. In den Drehpausen haben sich die Schauspieler und das Filmteam gegenseitig ordentliche Streiche gespielt und die Fußball-Jungs haben zu jeder freien Minuten zusammen gekickt - sehr zum Bedauern unseres Set-Aufnahmeleiters ("Da steht fucking teure Technik auf dem Rasen!"). 

Du bist ja überwiegend als Produzentin tätig, produzierst unter anderem auch Werbespots. Reizt dich die Arbeit hinter der Kamera nicht?

Ich habe eigentlich an der Hochschule Macromedia ein Studium der Regie begonnen und auch meinen ersten Film als Regisseurin realisiert. Ich habe aber schnell gemerkt, dass mir meine Kommilitonen voraus waren und mein Können vielleicht nicht ausreichend ist. Durch meinen zweiten Kurzfilm "Superpapa" (Regie: Louisa Wagener) bin ich dann unfreiwillig in die Produktionsleitung gerutscht, da der Regieposten schon belegt und die Produktion unterbesetzt war. Ich dachte mir, einfach mal ausprobieren, und habe dann gemerkt, dass das eigentlich viel besser zu mir passt. Sofern ich ein Projekt produziere, versuche ich, trotzdem so oft wie möglich aus dem Büro ans Set zu kommen. Ich möchte mir selbst ein Bild machen, ob alles läuft und ob es Wünsche aus dem Team gibt. Es gibt auch Projekte, in die ich z.B. als Set-Aufnahmeleiterin involviert bin. 

Bei  ONE SHOT LEFT – einen Actionfilm von Manuel Vogel und Konrad Simon – warst du ebenfalls in verschiedenen Funktionen involviert. Was kannst du uns über diesen Film erzählen?

"ONE SHOT LEFT" ist der weltweit erste Action-Langfilm ohne einen Schnitt. Es ist der Debutfilm zweier Macromedia-Absolventen: Manuel Vogel (Regie) und Konrad Simon (Produktion und Kamera). Ich war als Set-Aufnahmeleiterin beteiligt. Der Film feierte nun auf der 5. Genrenale im Februar Premiere. Es war eine coole Erfahrung für mich, einen Genre-Film und einen One-Shot zu machen. Die Dreharbeiten waren mit einer Dauer von zwei Wochen sehr kurz - sogar kürzer als die von "In Our Country", da ein halbes Jahr Proben vorausgingen. Generell ist es kaum mit einem "normalen Filmdreh" zu vergleichen: Die Kamera kommt nur zweimal am Tag zum Einsatz. Wenn sie läuft und irgendjemand irgendetwas versäumt hat, ein Passant sich blöderweise durch das Sicherheitsleck der Set-Aufnahmeleitung schleicht und ins Bild läuft, der inszenierte Faustschlag nicht hundertprozentig sitzt oder der Maskenbildner nicht rechtzeitig an seinem Platz ist, um die Schauspieler zwischen ihren Auftritten zu schminken, muss neu angefangen werden. Komplett neu! Neu kleiden, neu schminken, neu ausstatten. Eine ganz schöne Anspannung liegt da auf allen Beteiligten. Aber beim vierten Versuch hat alles geklappt und ich finde, das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen!

Trailer: ONE SHOT LEFT

BGT-Beitrag zu ONE SHOT LEFT

Gibt es schon neue Projekte/Ideen zu verkünden?

Aktuell nicht. So ein Kurzfilm ("In Our Country") spannt einen auch ganz schön lange ein. Im Herbst 2014 haben wir uns an die Stoffentwicklung gemacht, ich habe eben erst die Abrechnung abgeschlossen und bin noch immer mit der Vermarktung beschäftigt. Jetzt geht es ans Lorbeeren-Einsammeln: Aufführungen auf Filmfestivals, Lizenzverkäufe und so weiter. Zudem sind weitere Image- und Werbefilme geplant, aber noch kein Debutfilm. 

Ohne Rücksicht auf das Budget: Was wäre dein absolutes Traumprojekt und mit wem würdest du es umsetzen wollen?

Ich habe mir noch kein Traumprojekt ausgesponnen - es gibt nicht den EINEN Film den ich machen will. Ich möchte einfach groß denken, viel wagen können und zahlreiche neue Erfahrungen sammeln: einen Film mit viel CGI, drehen in außergewöhnlichen Landschaften, ein Historienfilm, Tiere am Set, ein Auto in die Luft jagen und und und. Als nächstes würde ich gerne einen Genrefilm machen und das am liebsten mit anderen Nachwuchsfilmemachern. 

Saskia Hahn auf IMDb

Vielen Dank für das Gespräch. Die BGT-Redaktion wünscht dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg.

 

 

   

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