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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   

Interview: Sebastian Niemann (BGT-Exklusiv)

Details

BGT-Redakteur Kevin Zindler hatte die Gelegenheit mit Sebastian Niemann - einen der wohl wandlungsfähigsten und erfolgreichsten Regisseure Deutschlands – ein Interview zu führen. Der sympathische Filmmacher, der für Filme wie HUI BUH, DAS JESUS VIDEO oder 7 DAYS TO LIVE verantwortlich zeichnete, war zuletzt Regisseur der aufwendigen SAT.1 Event-TV-Verfilmung JACK THE RIPPER, die am 29.11. um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird.

Sebastian Niemann auf IMDb (click)

Homepage von Sebastian Niemann (click)

 


 

 

Du schreibst für viele deiner Regiearbeiten die Drehbücher selbst. Ist das ein großer Vorteil? 

Für mich ist das Drehbuchschreiben einer der wichtigsten Teile der Regiearbeit und ich bin bei allen meinen Projekten in irgendeiner Form am Buch beteiligt. Mal mit und mal ohne Credit – je nachdem, wie das Projekt zu Stande kommt. Meist schreibe ich einfach gemeinsam mit dem Autor das Buch.

Am Ende des Tages geht es beim Regieführen ja um das Erzählen einer Geschichte. Und je früher ich Einfluss auf die Geschichte selbst nehme, desto besser kann ich meinen Job als Regisseur machen. Es hilft natürlich auch sehr, wenn ich das Drehbuch als Autor bereits bis ins kleinste Detail durchdacht habe – jede Figur schon durchleuchtet habe – jedes Element des Plots schon hinterfragt habe. Wenn ich am Set stehe, kenne ich das Buch dann bereits wie meine Westentasche und das gibt mir dann auch wieder die Möglichkeit, offen zu sein, mit den Schauspielern die Szenen zu gestalten und das Buch mit Leben zu füllen.

Ich muss dazu allerdings auch sagen: Ich habe meine Karriere auch als Drehbuchautor und Storyboardzeichner angefangen. Dadurch bin ich über viele Jahre in diesen Prozess hineingewachsen. Das war eine gute Schule.

Mit "Verfolger" - einen Kurzfilm – hast du 1994 dein Regiedebüt abgeliefert. Warum ist es für viele Filmemacher so wichtig, mit Kurzfilmen anzufangen? Was war für dich überhaupt der ausschlaggebende Punkt, als Filmemacher zu arbeiten? 

Ich kann mich genau an den Moment erinnern, als ich beschlossen habe, unbedingt Regisseur werden zu wollen: Es war 1978, als ich im Kino saß und STAR WARS gesehen habe. Ich war damals 10 Jahre alt und so beeindruckt, dass es von diesem Moment an nichts Großartigeres gab als Filme. Natürlich haben mich viele andere Filmemacher auch beeinflusst und geprägt – Spielberg – Carpenter – Romero … die Liste ist wirklich lang. 

Was VERFOLGER angeht. Der Film war für mich die Eintrittskarte als Regisseur. Ich hatte vorher schon als Drehbuchautor meine ersten Schritte gemacht, aber mit dem Kurzfilm konnte ich zeigen, dass ich nicht nur auf dem Papier, sondern auch auf der Leinwand erzählen konnte. Der Kurzfilm war eine Visitenkarte, die mir viele Türen geöffnet hat.

"Das Jesus Video" war 2002 ein echter Quotenhit (5,5 Mio. Zuschauer). Zudem konntest du mit "Hui Buh" 2006 (2 Millionen Kinobesucher) einen Kinohit landen. Worin liegen die größten Unterschiede zwischen TV und Kino-Arbeiten?

Ich persönlich mache da keine Unterschiede, und die Entwicklung der letzten Jahre zeigt ja auch, dass die Grenze zunehmend verschwimmt. Für mich als Regisseur muss es immer das Ziel sein, den bestmöglichen Film zu machen und ich gebe immer 100%. Ich sage nie „Das ist jetzt nur ein TV Film“ oder ähnliches. Die Zuschauer investieren zwei Stunden ihres Lebens und ich will, dass sie das nicht bereuen. Okay, nicht jedem können meine Filme gefallen. Das ist absolut in Ordnung. Aber ich will mir am Ende des Tages nicht selbst vorwerfen müssen, dass ich nicht hart genug gearbeitet habe.

Trailer: Das Jesus Video

Der aufwendige und international besetzte Horror-Thriller "7 Days to Live" (2000) funktionierte damals nicht beim deutschen Publikum (180.000 Besucher). Woran lag es deiner Meinung nach?  

Interessanterweise ist genau das Gegenteil der Fall: Der Film war ein großer Erfolg. Der Film war damals als internationale Produktion für den Weltmarkt geplant. Als er fertig war, gingen Produzenten und Weltvertrieb damit nach Cannes, um ihn dort auf dem Markt zu verkaufen. Bereits nach drei Screenings hatte sich „7 Days To Live“ in fast alle Territorien weltweit verkauft und riesige Gewinne für die Produzenten eingefahren. Das war weit vor dem Deutschen Kinostart. Der Start in Deutschland war – wie für Horrorfilme hierzulande ja leider üblich – eher klein. Die Kopienzahl war überschaubar und dementsprechend auch der Aufwand, der im Marketing betrieben wurde. Dafür war das auch kein so schlechtes Einspielergebnis und damit hat der Film auch in Deutschland noch mal Gewinn gemacht. Man muss solche Zahlen ja immer in Relation zu der Größe des Starts und auch Filmen vergleichbarer Größe sehen. Ich denke, es würde für viele deutsche Produktionen ganz neue Chancen eröffnen, wenn man im Genrebereich internationaler produziert und ich entwickle zurzeit einige Projekte, die in diese Richtung gehen.

Trailer: 7 Days to Live

Bei "Mord ist mein Geschäft, Liebling" (2009) hattest du die Gelegenheit, nicht nur mit einem tollen Cast, sondern mit einem meiner (und dem vieler anderer Fans auch) Kindheitsidole zu arbeiten: Bud Spencer! Leider ist er vor kurzem von uns gegangen. Was verbindest du mit ihm und gibt es eine besonders schöne Anekdote außerhalb oder während des Drehs über ihn zu berichten?



Ja, ich bin immer noch sehr traurig. Und ich denke, das Beste, was man über Bud – oder Carlo – sagen kann, ist keine Anekdote im eigentlichen Sinne. Es ist vielmehr das, wie ich ihn erlebt habe – in der Zusammenarbeit und abseits des Filmsets: Ich war immer ein extrem großer Bud Spencer Fan. Für mich war und ist er einer der ganz großen Volkshelden, wie es sie selten gibt. Und wie das so ist mit Kindheitshelden. Oft wird man ja enttäuscht, wenn man sie näher kennenlernt. Bei Bud Spencer ist das genaue Gegenteil der Fall: Bud löste alles ein, was man sich als Fan wünscht, und er war noch viel mehr. Er war nicht nur der große, bärige, ehrliche Kerl mit dem Herzen am richtigen Fleck und einer unglaublichen physischen Präsenz. Er war ein hochintelligenter, sensibler und loyaler Mann und Partner in der Zusammenarbeit. Er war auch im hohen Alter noch sehr wach und weltoffen und hatte einen tollen Humor sowie extrem viel Charme. Ich kann nur sagen: Ich war nach unserer Zusammenarbeit ein noch größerer Fan als vorher und bin extrem stolz auf die gemeinsame Zeit.

Trailer: Mord ist mein Geschäft, Liebling

Nach "Mord ist mein Geschäft, Liebling" war es lange ruhig um dich. Jetzt hast du dich  mit der SAT.1 Verfilmung von "Jack the Ripper" (AT) zurückgemeldet. Warum die lange Regie-Abstinenz und was hat dich gereizt, gerade für diese Produktion zurückzukehren? 

Das ist richtig - es ist schon eine Weile her, dass es etwas von mir zu sehen gab, aber ich habe die ganze Zeit an verschiedenen Projekten gearbeitet. Nach "Mord ist mein Geschäft, Liebling" steckte ich einige Jahre in einem Development-Deal. Das war auf der einen Seite toll, da ich an zwei großartigen Projekten arbeiten konnte, doch leider wurden die Filme bis heute nicht realisiert. Erst nach Beendigung dieses exklusiven Deals konnte ich dann neue Projekte angehen und entwickeln. Ich habe die Zeit danach genutzt, viel anzuschieben, was jetzt in den Startlöchern steht. Darunter sind sowohl Drehbücher, die ich selber geschrieben habe, als auch Stoffe, die ich mit anderen Autoren entwickelt habe.

Auch „Jack the Ripper“ (AT) war schon länger dabei. Ich hatte bereits vor über zwei Jahren die ersten Gespräche zu konkret diesem Projekt geführt. Doch die mysteriösen Ereignisse um die Morde von „Jack The Ripper“ waren schon viel länger ein Thema bei mir. Es hat mich schon viele Jahre beschäftigt und ich habe schon oft darüber nachgedacht, einen Stoff um den geheimnisvollen Killer zu entwickeln. Als mir dann der Produzent Marian Redmann gemeinsam mit dem Ideengeber Thomas Gaschler das tolle Drehbuch von Holger Karsten Schmidt vorlegte, brauchten die beiden nicht lange, um mich zu überzeugen, in das Projekt einzusteigen.

Wir haben uns daraufhin sehr bald mit Yvonne Weber von SAT.1 getroffen und uns sofort sehr konkret über die Umsetzung des Stoffes unterhalten. Yvonne und ich haben uns von der ersten Minute an verstanden und es hat sich über die Produktion eine wirklich tolle und sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt. Für mich als Regisseur ist es besonders wichtig, dass man mit den Verantwortlichen beim Sender auf einer Wellenlänge ist. Und hier hat sofort alles gestimmt:  Die Zusammenarbeit mit Yvonne Weber und Stefan Gärtner war eine extrem positive Erfahrung. Man merkte, dass mit „Jack The Ripper“ (AT) beim Sender viel bewegt werden und Neues entstehen sollte . Und zum selben Zeitpunkt sind auch meine alten Freunde und Weggefährten Dan Maag und Simon Happ von der Pantaleon in das Projekt eingestiegen. Damit waren wir dann produktionsseitig komplett und super aufgestellt, um das tolle Drehbuch umzusetzen.

Trailer: Jack the Ripper

Wie wolltest du den klassischen Stoff umsetzen?

Die Geschichte spielt 1888 und es geht „ganz klassisch“ um die mysteriösen Ripper-Morde. Dabei handelt es sich ja im eigentlichen Sinne nicht um einen Roman oder einen Filmstoff, sondern um eine reale, historische Begebenheit: Die unheimliche Mordserie, die 1888 die Menschen im Londoner Eastend, Whitechapel, in Angst und Schrecken versetzte. Und vor diesem Hintergrund erzählen wir eine ganz neue Geschichte.

Das Besondere für mich dabei ist, dass wir zum ersten Mal keinen klassischen Krimi erzählen. Wir folgen nicht – wie sonst üblich - einem Kommissar, der in dem Fall ermittelt und eigentlich nie persönlich betroffen ist. Wir folgen einer Heldin, bei der es um Leben und Tod geht und die von dem unheimlichen Killer selbst bedroht wird. 

Noch dazu erzählen wir die Geschichte aus der Perspektive einer jungen Deutschen. Das ist insofern interessant, da es historisch auch Hinweise gab, der Ripper könnte ein Deutscher gewesen sein. Aber ich will nicht zu viel verraten – hier nur kurz zum Inhalt: 

Anna Kosminski (Sonja Gerhardt) reist nach London, um dort bei ihrem Bruder Jakob (Vladimir Burlakov) ein neues Leben anzufangen. Dort muss sie erfahren, dass Jakob in einer Nervenheilanstalt sitzt und beschuldigt wird, der berühmte Serienmörder Jack the Ripper zu sein. Anna will mithilfe des ermittelnden Kommissars Frederick Abberline (Falk Hentschel) und Jakobs Freund David Cohen (Sabin Tambrea) die Unschuld ihres Bruders beweisen. Dabei gerät sie selber in das Visier des Killers und weiß schon bald nicht mehr, wem sie trauen kann ...

Vielleicht kann man hier schon erahnen: Unser „Jack the Ripper“ (AT) ist also schon von der Prämisse und Erzählperspektive anders aufgesetzt als viele Filme, die sich mit dem Thema beschäftigt haben: Es ist weniger ein Krimi - mehr ein unheimlicher und emotional packender Thriller. Wir erzählen die Geschichte um die Ripper-Morde und wir drücken uns natürlich auch nicht darum, diese authentisch darzustellen. Ich glaube, jedem ist klar, dass bei einem TV-Event, das um 20:15 Uhr ausgestrahlt wird „Blut und Gore“ nicht im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Und selbst wenn das zur Prime-Time gar kein Problem gewesen wäre, hätte ich diesen Film nicht einen Frame anders gemacht. Ich bin ja selbst großer Fan des Genres, aber bei meinen eigenen Filmen steht das Blut praktisch nie im Zentrum. Das heißt natürlich nicht, dass es überhaupt nichts zu sehen gibt, aber mir geht es immer mehr um Spannung und Emotionen. Ich will, dass der Zuschauer von der ersten Minute an gefesselt ist und mit der Heldin mitfiebert. „Jack The Ripper“ (AT) setzt vor allem auf Spannung und das Geheimnis um die Identität des Killers. Das war auch das, was mich immer an dem Stoff interessiert hat.

Als einer der Produzenten war mit Matthias Schweighöfer jemand an Bord, für den das Genre sehr untypisch ist. Was waren seine Beweg-Gründe an dieser Produktion mitzuwirken und inwieweit war er involviert? 

Matthias Schweighöfer war über seine Produktionsfirma Pantaleon involviert, die „Jack The Ripper“ (AT) durchführend produziert hat. Damit war er gemeinsam mit Dan Maag und Marco Beckmann, mit denen ihm die Firma gehört, Produzent des Films und wir kennen uns bereits seit einigen Jahren. 

Durchführender Producer auf dem Projekt war Simon Happ, der fast alle meine Filme produktionsseitig betreut hat und bereits seit einiger Zeit fest bei der Pantaleon arbeitet. Dan Maag, Simon Happ und ich haben bereits bei meinem ersten langen Film „Biikenbrennen“ und dann auch bei „7 Days To Live“ zusammengearbeitet und sind sozusagen ein eingespieltes Team. Wir sind seit vielen Jahren befreundet und haben schon lange nach einem neuen, gemeinsamen Projekt gesucht. „Jack The Ripper“ (AT) war da perfekt und es ist sicher nicht das letzte Projekt, bei dem wir zusammenarbeiten. Für mich als Regisseur ist es besonders wichtig, Produzenten im Hintergrund zu haben, die mir vertrauen und mit denen man gemeinsam an derselben Vision arbeitet. Nur so kommt man auf optimale Ergebnisse, und ohne das wäre „Jack The Ripper“ (AT) nicht möglich gewesen.

Mit der momentanen TV-Zuschauerschaft wird ja  - gerade bei amerikanischen Produktionen (Game of Thrones, American Horror Story) - nicht gerade zimperlich umgegangen, was die Gewaltdarstellung angeht. Sollten die deutschen Sender - gerade im Bezug auf Filme wie "Jack The Ripper" (AT) - etwas "lockerer" werden?

Na ja, das ist ja immer so eine Sache mit dem Jugendschutz. Obwohl ich selber des Öfteren Filme schaue, bei denen es alles andere als zimperlich zugeht, bin ich trotzdem der Ansicht, dass man nicht „jedem Fünfjährigen“ sofort alles zugänglich machen muss. Insofern ist es natürlich gar nicht verkehrt, überhaupt Regeln zu haben. Wie diese genau aussehen und wie diese angewendet werden – darüber kann man sich ja streiten. 

Ganz prinzipiell freue ich mich, dass es im Fernsehen auch Stoffe zu sehen gibt, die eher für ein erwachsenes Publikum konzipiert sind. Oft sind dies ja auch Pay-TV-Produktionen, bei denen der Jugendschutz über die Eingabe eines PINs oder ähnlichem geregelt ist. 

In unserem Fall – bei „Jack The Ripper“ (AT) – ging es allen Beteiligten darum, einen möglichst packenden, spannenden und emotionalen Thriller zu machen. Es war auch nicht so, dass hier vom Sender irgendwie darauf hingewirkt wurde, den Film „weichzuspülen“ oder ähnliches. Ganz im Gegenteil: Alle wollten einen guten Film machen, haben hart daran gearbeitet und hatten nicht die klassische „Schere im Kopf“. Im Vordergrund standen aber von Anfang an Plot und Figuren. Damit hat sich das Thema ohnehin einen wenig relativiert.

Stehen schon neue Projekte in den Startlöchern? 

Ich habe in letzter Zeit Einiges entwickelt – darunter einen Haunted-House-Thriller, einen sehr spannenden Action-Stoff und einen Abenteuerfilm. Mehr darf ich allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht verraten …

Danke für das Gespräch. Das BGT- Team wünscht Dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg.

   

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