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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   

Interview: Manuel Vogel (BGT-Exklusiv)

Details

Manuel Vogel gehört einer neuen Generation hochtalentierter deutscher Filmemacher an, für die der Genre-Film im Mittelpunkt steht.Während seines Regiestudiums an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in München arbeitete er bereits bei der Produktionsfirma Nomis GmbH (www.nomis.tv), wo er an neuen Projekten arbeitet. Mittlerweile arbeitet er bei der Sendergruppe als verantwortlicher Redakteur für Sendungen wie „Talk Soup“ oder „Unnützes Wissen“. Parallel zu seinem Studium drehte er 2012 den Action-Kurzfilm „Uberstein“. Mit seinen zweiten Kurzfilm „Schnee in Rio“ – eine „James Bond“ Hommage, welche mit etlichen Preisen ausgezeichnet wurde – erlangte er 2014 seinen Abschluss im Fach Regie. Zudem hat der sympathische Münchner mit dieser Produktion eine beeindruckende Visitenkarte abgegeben und sich für größere Aufgaben empfohlen. BGT-Redakteur Kevin Zindler hatte die Gelegenheit, sich mit dem jungen Regisseur und Drehbuchautor zu unterhalten.

Manuel Vogel auf IMDb



 

Wann fiel bei dir der Entschluss, selbst Filme zu drehen? 

Ich habe eigentlich schon während meiner Schulzeit Filme gemacht. Mit Freunden und Bekannten. Ich habe zu der Zeit aber nie ernsthaft darüber nachgedacht, dies später beruflich auszuüben. Der Gedanke kam erst während meines Abiturs, da mich bekannte deutsche Regisseure wie Roland Emmerich und auch Uwe Boll inspiriert haben, weil sie es insbesondere international so weit gebracht haben. Nach dem Motto: Wenn die das schaffen, dann schaffe ich es auch. Als ich mich dafür entschieden habe Film zu studieren, starteten gerade Produktionen wie „Far Cry“ im Kino. Der wurde zwar von Publikum und Kritiker gleichermaßen niedergemacht, aber ich fand´ es einfach geil, das jemand wie Boll fette Action machte.

 

Roland Emmerich hat ja auch an der filmischen Hochschule studiert. Ist er für dich schon eine Art Vorbild, was deinen eigenen filmischen Werdegang angeht? 

Auf jeden Fall. Vor allem aber Uwe Boll. Er hat es eben auch mit überwiegend mittelmäßigen Filmen soweit geschafft - mit meist geringeren Mitteln. Und bezüglich Emmerich ist es doch verdammt cool, dass er als deutscher Filmemacher in Hollywood so auf die Kacke haut.

 

Bei der diesjährigen Ausgabe der „Shockings Shorts“ ist mir dein filmischer Beitrag „Schnee in Rio“ besonders ins Auge gefallen. Die geniale James Bond Hommage - welche auch an Filme wie „Mord im Orient-Express“ erinnert – ist gespickt mit vielen innovativen Ideen und einer guten Portion Fun. Was kannst du uns darüber erzählen? 

Kurz zum Inhalt: 1960. Nacht. Ein Zug auf dem Weg durch den Eisernen Vorhang. Darin Sebastian (Andreas Thiele) – ein Mann wie Sie und ich. Eigentlich sollte er ein Gemälde auf seinem Weg nach Prag begleiten. Doch als er einen der Wächter (Norman B. Graue) tot auf der Toilette findet, steckt Sebastian bereits mitten in der skurrilen Agentenwelt der 60er Jahre. Wer ist der Schotte im perfekt sitzenden Anzug (Erol Sander), der ihm mit einer schallgedämpften Waffe nach dem Leben trachtet? Ist die hübsche Zugbegleiterin (Jil Funke) wirklich das, wofür sie sich ausgibt? Um sein Leben und das Gemälde zu retten, muss Sebastian über seinen eigenen Schatten springen und kann sich so vielleicht auch aus den Fängen seiner kratzbürstigen Verlobten (Finja Martens) befreien.

Es war die Stofffindungsphase in meinem letzen Schuljahr an der Macromedia. In der Filmhochschule wird einem ja immer empfohlen, mach etwas aus deinem Leben, was Sozialkritisches, was mit Krebs oder so einem Mist. Da hatte ich aber keine Lust drauf. Ich wollte einen Actionfilm drehen, der in einem begrenzten Raum spielt. So eine Art „Stirb Langsam“. Das Konzept ist einfach toll. Hinzu kam, dass ich ein Mega „James Bond“ Fan bin und ich  jeden einzelnen Teil der Reihe schon mindestens 20 Mal gesehen habe. Ich habe das einfach kombiniert, weil viele Bond Filme zum Teil in Zügen spielen. Es sollte klassisch sein, eine echte Hommage. Es gibt ja viele lustige Bond Parodien, aber diese sind überwiegend sehr albern. Wir wollten einen Film machen, der sich anfühlt wie ein richtiger Bond Film aus den 60ern, aber trotzdem mit den Klischees spielt. Es ist übrigens ein neues Projekt in Planung, der so eine Art „Schnee in Rio“ als Langfilm sein wird. Allerdings mit Rennautos in den 60ern. 

Trailer: SCHNEE IN RIO

 

Was war die Intention, „Schnee in Rio“ in Schwarz/Weiß zu drehen?

Ich bin kein Freund davon, Filme in Schwarz/Weiß zu drehen, nur weil es cool aussieht. Mit dem Schwarz/Weiß Effekt wird man direkt in diese Zeit katapultiert, ohne dass man überhaupt erklären muss, dass der Film in den 50ern oder 60ern angesiedelt ist. Man sieht die Leute in ihren Kostümen, die alte Dampflok etc. Außerdem haben mich die „Jerry Cotton“ und „Edgar Wallace“ Filme inspiriert. 

 

Hattet ihr die Möglichkeit, für dieses Projekt Fördergelder zu bekommen? 

Entgegen aller Erwartungen haben wir Fördergelder vom FFF Bayern erhalten, für die ich sehr Dankbar bin. Ohne dieses Geld hätten wir den Film nicht drehen können. 

 

Wie lange habt ihr insgesamt an dem Film gearbeitet?

Gut 1,5 Jahre.

 

Mit welchen Erwartungen seid ihr an das Projekt herangegangen? 

Wir wollten einfach einen geilen Film machen. Das dieser natürlich auch eine Visitenkarte (Werbung) sein musste, war uns klar. Man will sich ja empfehlen. Dass der Film aber so gut ankommt und auf so vielen Festivals läuft, konnten wir nicht ahnen. „Schnee in Rio“ ging ein Jahr lang um die Welt. 

 

Gab es Probleme einen Vertrieb zu finden?

Wir hatten den Film bei der Festival-Agentur „Aug&Ohr“, die den Film bei sämtlichen Festivals eingereicht hat. Dadurch lief er halt rund um die Welt. Von der Genrenale bis nach Peking usw. Darüber hinaus haben wir die TV-Rechte an den Bayrischen Rundfunk verkauft. Somit wurde „Rio“ zum Beispiel im Bayrischen Fernsehen und dem NDR gezeigt.

 

Dein erster Kurzfilm trägt den Titel „Uberstein – Operation Wunderwaffe“. Worum geht es in den Film und wie kam er zustande?

Kurz zum Inhalt: 1944:  Nazi-Deutschland ist fast geschlagen. Doch in der Alpenfestung Burg Uberstein bauen die Nazis die kriegsentscheidende Wunderwaffe: Ein UFO. Nur ein Mann kann sie stoppen: John Parker. Müsste er sich nicht mit einem hochnäsigen Briten und einer heißen, aber kommunistischen Russin herumschlagen. Und er hat noch eine alte Rechnung offen...

Den Film haben wir ziemlich am Anfang der Studienzeit gedreht, 2,3 Semester. Produziert wurde „Uberstein“ – wie auch „Rio“ - von Konrad Simon. Wir haben die Projekte als Team umgesetzt, er als Produzent, ich als Regisseur. Die Geschichten haben wir gemeinsam entwickelt. Wir wollten einfach mal einen Film drehen, der knallt und cool ist, im Gegensatz zu den typischen Hochschul-Filmen, Betroffenheits-Dramen usw. Die Geschichte schwebte mir schon länger im Kopf herum, weil ich großer Fan von „Wolfenstein“ bin sowie von „Agenten sterben Einsam“. Letztendlich war der Streifen für uns die beste Übung die wir je hatten. Wir haben während des Drehs mehr gelernt als im kompletten Studium. Wir haben uns komplett ausgelebt mit Green-Screen und 3D Effekten. Ich denke, es ist ein cooler kleiner Film geworden, der auf eine trashige Art und Weise Spaß macht. Vor allem konnten wir Erfahrungen sammeln, die uns für den „Rio“ Dreh zugute kamen. 

Trailer: UBERSTEIN – OPERATION WUNDERWAFFE

 

Welches Genre favorisierst du?

Ich bin ein großer Actionfilm Fan, ob es nun die „James Bond“ Filme sind oder die klassischen Helden der 80er Jahre. Für mich die absolute Königsklasse im Kino. Das Horror-Genre ist zum Beispiel nicht mein Fall. Ich würde mich aber nicht nur auf das Action-Genre festlegen. Wichtig ist, dass der Zuschauer unterhalten wird und mit einem guten Gefühl aus dem Kino kommt.

 

Ohne Rücksichtnahme auf das Budget: Was wäre dein Traumprojekt?

Wenn ich einmal in meinem Leben einen „James Bond“ Film gedreht habe, kann ich eigentlich aufhören.

 

Wie fandest du eigentlich die letzten „James Bond“ Filme?

Mir hat „Casino Royal“ sehr gut gefallen, die Action war relativ realistisch – im Gegensatz zu „Die Another Day“ davor, wo es am Ende des Films ja katastrophal wurde. Man darf aber jetzt gerne wieder eine andere Richtung einschlagen. Mir fehlte beim letzten Teil der Stil und der Charme der alten Teile.

 

Wie bewertest du die Entwicklung der heutigen Kinoproduktionen? Wird zu sehr auf die optischen Eindrücke Wert gelegt?

Ich finde das ist ein ganz großes Problem des Kinos. Die Effekte sind die Hauptfiguren der Filme und die Menschen und Charaktere agieren nur noch im Hintergrund. Die Handlung verliert sich im Bombast. Dinge die man real machen kann, sollte man real machen. CGI dann, wenn es notwendig oder als Ergänzung sinnvoll ist.

 

Den physischen Medien (DVD, Blu-ray) geht langsam die Luft aus. Das digitale Zeitalter (Internet etc.) mit Netflix und Co bricht an. Schwere Zeiten für neue Produktionen?

Ich glaube nicht unbedingt an eine Gefahr, eher für diejenigen, die sich nicht anpassen können/wollen. Ich glaube es ist eine Chance, auch für Webserien. Aber egal wo die Sachen veröffentlicht werden, es werden immer Inhalte benötigt - für alle Zielgruppen. Das Internet ist nicht mehr nur eine Domäne für Raubkopierer, sondern auch ein neuer Markt für Filmemacher.

 

Serien sind auf dem Vormarsch. Sind sie mittlerweile besser als Kinofilme?

Nein, auf gar keinen Fall. Ich schaue mir immer noch zu 90 % Spielfilme an. Die Serien sind auf einem sehr hohen Niveau, keine Frage. Aber eine Serie kann noch immer nicht das leisten, was ein Kinofilm kann. Zuschauer innerhalb von 90 Minuten in eine andere Welt zu entführen, in eine Geschichte, die dann auch abgeschlossen ist. Es muss dann eben auch gut geschrieben sein. Klar, Serien haben die Chance, tiefer zu gehen. Das kann aber auch zu Wiederholungen führen. Gewisse Stoffe brauchen nicht länger als 90 Minuten.

 

Was sind deine neuen Projekte?

Wir haben vor kurzem meinen ersten Langfilm abgedreht - wieder in Zusammenarbeit mit Konrad Simon. Wir sind mitten in der Post-Produktion, ein klassischer Actionfilm, aber mit einem Kniff, der Einzigartig sein dürfte. Mehr kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht verraten.

 

Vielen Dank für das Gespräch. Das BGT-Team wünscht dir zukünftig weiterhin alles Gute und viel Erfolg.

   

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