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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   

Interview: Matthias Olof Eich (BGT-Exklusiv)

Details

BGT-Redakteur Kevin Zindler im Gespräch mit Matthias Olof Eich, welcher mit BUNKER OF THE DEAD derzeit die Nazi-Zombies loslässt. 

Matthias Olof Eich auf IMDb


 

 

Wie bist du ins “Haifischbecken” Filmbusiness geraten? 

Wohl grösstenteils über meine Arbeit als Kulissen- und Maskenbildner. Da hier in Deutschland in der Branche nicht viel interessantes passiert, ging es rüber zu den kleinen Indifilmern und da haben wir dann bemerkt, dass wir das eigentlich auch können und haben es getan. Aber ich versuche da nur ab und an ins Wasser zu gehen... und auch nur in flache Uferbereiche. Da ich als Autodidakt in die Branche rein bin - ohne Studium & Co - bin ich in diesem Land sowieso in der Ketzer-Schublade und kann mir den Luxus leisten nicht mit jedem im Business zu tun haben zu müssen. Desweiteren sind wir mit "Praetoria-Productions" in jedem Bereich des Filmemachens aufgestellt und können somit ziemlich selbstständig und unter dem Radar Filme verwirklichen.

 

Praetoria-Productions? 

Die Firma habe ich gegründet um mit meinen Freunden zusammen unter einem gemeinsamen Namen Filme, Kulissen und Effekte zu machen. Productions erklärt sich ja von selbst. Praetoria, weil wir wie die Prätorianer (Leibgarde der Cäsaren) voraus gehen - ohne Rücksicht auf eigene Verluste, nur das Projekt zählt. Na ja und es ist auch ein Synonym für Vergangenes. Das ist uns allen sehr wichtig. Wir sind alle Kinder der 80er. Wir lieben nicht nur diese alten Filme, wir lieben diese alte Art Filme zu machen. Noch mit der Hand.  Filmemachen ist Handwerk, das haben wir in der Zeit vergessen, in der Film gefühlt vom Bürotisch aus gemacht wird. Klar benutzen wir auch PC´s, aber echte handgemachte Effekte sind unschlagbar.  Über einen schlecht gemachten Splatter Effekt lacht man und freut sich Schenkelklopfend, über einen schlecht gemachten CGI-Effekt bleibt einem das lachen im Hals stecken. 

Facebook-Seite von "Preatoria-Productions

 

Dein erster Ausflug ins Regie-Fach war der Fantasy-Short-Movie „Vous“.

Mein erster eigener Ausflug, ja. Angefangen habe ich aber mit "Star Wars" Fanfilmen. Erst habe ich sie mit Kostümen und Kulissen versorgt, dann bin ich selbst hinter die Kamera. Ich habe aber schnell gemerkt das mich das nachäffen anderer nicht wirklich fordert. Dann gings los mit „Vous“ und „Locker“. Ein paar Musikvideos und Werbeclips, dann kam schon "Break".

 

Würdest du jedem angehenden Filmemacher empfehlen, mit Kurzfilmen anzufangen?

Ich kann jedem nur empfehlen anzufangen und Kurzfilme sind dafür einfach am besten geeignet. Aber nach 2-3 Filmen sollte es doch mal an die 80 min. rangehen. Sonst wird das auf die Dauer nichts. Und man powert sich selbst und die Crew ziemlich aus. Lieber ein kleines feines Drehbuch mit wenig Cast und wenig Locationwechsel. Das bringt mehr als der 15 min. Kurzfilm. Als Indifilmer muss man in jedem Fall eines können: „VERZICHTEN“. Nicht an Bildern festhängen, auch wenn sie unglaublich toll geschrieben wurden. Einfach das Script an die Situation anpassen und abdrehen. Fire & Forget! 

 

Dein Langfilm-Debüt war der Splatter-Streifen „Break“. Konntest du deine eigenen Erwartungen an die Produktion letzten Endes auch verwirklichen? 

Nun "Break" hab ich genau nach dem Prinzip vollzogen, das ich ständig vor meiner Gemeinde predige. Wenig Cast, kleine Story und nutzt die Umgebung vor Ort. Lebt ihr am Meer, schreibt was übers Meer, lebt ihr in den Bergen, dreht in den Bergen. Anders rum kostet es zu viel und wird dir am Ende der Produktion das Genick brechen. Und was meine Erwartungen angeht, ganz ehrlich, es ist mir egal. Die drehen ja bei den Multimillionen Dollar Produktionen immer noch mal nach. Was soll das bei uns? Als Indifilmer muß man einfach mal abschließen und mit dem zufrieden sein was man nun in dieser Situation Zustande gebracht hat. Ich lese zum Beispiel grundsätzlich nur Kritiken in Blogs und Zeitschriften und auch nur wenn sie sich wirklich mit dem Film beschäftigen und nicht zwei Sätze kurz sind. Ich halte mich komplett fern von allen Kommentaren und Userkritiken zu meinen Filmen. Das ist einfach besser für die Gesundheit. Ich komme klar damit wenn man meine Filme  kritisiert, negativ wie positiv. Ich komme nur nicht klar damit, wenn jemand meine Filme dazu benutzt um seinen Meinungsmüll abzuladen. Papier ist ja bekanntlich geduldig, aber das Internet ist in dem Bereich komplett senil.

Trailer: BREAK

 

Erzähl uns von „Bunker of the Dead“, welcher kürzlich auf DVD/Blu-Ray erschienen ist und teilweise an einen Ego-Shooter erinnert. 

"Bunker", haben wir 2013 fertiggestellt, da war der Titel des Filmes noch „Cerusit“. Wir haben ihn von Anfang an als technische Revolution gesehen und nicht als Meilenstein in der Geschichtsentwicklung. Wir wollten den ersten Virtual-Reality 3D Horror Langfilm der Welt drehen. Un das haben wir auch. Hat sich nur keiner dafür Interessiert. Vielleicht waren wir zu fortschrittlich, zu Independent, sind ja Ketzer in den Augen der "Wahren-Film-Industrie"...oder wir waren einfach zu DEUTSCH. Na ega! Nun haben sich ja ein paar Verleiher gefunden. Vor allem "Koch-Media" hängt sich echt ins Zeug und unterstützt uns. Jetzt hoffen wir das er das selbe treue Publikum findet wie schon "Break". Dann sind wir zufrieden.

Trailer: Bunker of the Dead
Review: Bunker of the Dead

 

Ist es schwerer, in Ego-Perspektive zu drehen? Wie kann man sich die Umsetzung vorstellen?

Ja das war es. Ich bin aktuell richtig froh, dass unser neues Projekt „normal“ gedreht wird. Es darf am Set niemals eine Crew zu sehen sein, keine Scheinwerfer, nichts, und alles muß per Funk rein und raus. Ebenso waren die 3D Kameras ganz schön zeitraubend. Unser Supervisor Meinolf Amekudzi hat da super Arbeit geleistet und immer ein Auge darauf gehabt, dass wir es nicht übertreiben mit den Tiefen. Gelöst haben wir es in dem wir alles aufgebaut haben, geprobt und dann habe ich Action geschrien und alle Darsteller sich selbst überlassen. 

 

Ist eine Fortsetzung geplant?

Wir haben das Buch dazu schon fertig. Aber ganz ehrlich: Ich glaube selbst nicht dran. Ich bin zu sehr damit beschäftigt, ständig zu erklären was mir einfällt, überhaupt die Frechheit zu besitzen Filme zu machen, da kommt keiner und will einen zweiten Teil finanzieren. Und für uns selbst? Nein. Da drehen wir lieber was neues. Das ist auch viel interessanter und befriedigender. "Bunke"r ist jetzt raus, den lassen wir mal alleine fliegen und sehen was er in der großen Welt so alles anstellt. Vielleicht holen wir das Buch in ein paar Jahren raus und machen was damit. Jetzt heißt es erst mal was anderes anzupacken.

 

Reizen dich nur Produktionen dieses Genres (Splatter/Horror)? 

Ganz und Gar nicht. Ich habe 2015 sage und schreibe 4 Bücher entwickelt und 3 Pitches gedreht für ein Drama, Familienfilm und sogar eine Herz erweichende Lovestory.  Mir hätte jeder dieser Filme riesen Freude bereitet. Ich Liebe Splatter und Horror, vor allem ist es einfach ein unglaublicher Spaß so etwas zu drehen. Nur darauf festgelegt? Nein, das bin ich nicht! Wäre ja auch echt schnell abgelutscht. Unser aktueller Film ist da so eine kleine, wie soll ich sagen, Ausnahme. Wir bleiben dem Splatter Grundsätzlich treu, verpacken es aber mal in was neues, auch um unsere eigenen Grenzen auszuloten und letzten Endes einzureisen und zu überschreiten.

 

Wie siehst du die Zukunft des DVD/Blu-ray Marktes? Wird sich bald alles nur noch im Internet abspielen? Und wenn, welche Vorteile/Nachteile siehst du darin? 

Über kurz oder lang verschwindet der Hardcopy Markt und wird das was früher die kleinen VHS-Börsen waren. Nachteil: So ein Booklet ist schon was feines und handfestes. Schade wenn das nur noch Virtuell da ist. Ich liebe meine DVD und Blu-ray Sammlung an der Wand. Vorteil: Wir Indi-Filmemacher sind gerade auf dem Weg Indi-Verleiher zu werden. Ist der natürliche Schritt. Spannend wird es, wenn die Industrie den Hebel ansetzt und uns ausbremst. Sei es über die FSK oder Download-raten ect. ect. Da fällt denen schon etwas ein, nur zusehen werden sie nicht. Aber jetzt am Anfang, jetzt ist gerade Goldgräberstimmung und alle Satteln ihre Pferde und Reiten in den VOD Sonnenuntergang. Wir natürlich auch.  

 

Was hältst du von der deutschen Filmförderung, welche Genre-Filme ja eher ignoriert?

Ganz ehrlich: Das dieses System krank ist, ist jedem klar.  Aber das dies nur gegen ein Genre geht ist falsch. Dieses System zerstört ja auch alle anderen Genres. Horror- und Splattergenres scheitern natürlich als Erstes und diese betreffen den Indifilm ja am meisten. Aber egal ob Drama, History oder Sportgenre, alles wird schön Weichgespült bis der Einheitsbrei rauskommt den wir ja alle kennen und lieben...nicht wahr?  Anfangs dachte ich auch es wäre möglich diese Krankheit zu bekämpfen, haben wir ja auch alle oft genug versucht. Ich nenne jetzt keine Namen und keine Zusammenschlüsse, denn wer sich damit beschäftigt, kennt diese sowieso. Aber letzten Endes musste ich schnell feststellen, das jeder dort eingeschleuste treue GENREFILMER und jede GENRE-GRUPPE, sobald sie endlich mit an der Macht war, mutierte und noch schlimmer wurde als alle anderen vorher. Wer einmal an der Zitze dieser fetten Milchsau hängt, der nimmt ihre Gedanken und ihre Handlungen an und stößt alle anderen von sich. Ausnahmslos. Deshalb halten wir uns da in Zukunft einfach fern. Wir brauchen Sie eh nicht. Warten wir einfach ab bis sie uns brauchen.

 

Ohne Rücksicht auf das Budget: Was wäre dein absolutes Traumprojekt und mit wem würdest du es umsetzen wollen?

Das klingt jetzt pathetisch, aber das ist immer mein aktueller Film, zusammen mit meinen genialen Freunden, Kollegen und der ausnahmslos genialen Crew. 

 

Vielen Dank für das Gespräch. Das BGT-Team wünscht dir zukünftig weiterhin alles Gute und viel Erfolg.

 

   

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