!

Bereitsgetestet.de verwendet Cookies, um Ihnen bestimmte Funktionen zu ermöglichen und die Website dem Nutzungsverhalten der Besucher besser anpassen zu können. Wenn Sie die Website weiter nutzten, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus. Datenschutzerklärung

OK

Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   

Interview: Michael Effenberger (BGT-Exklusiv)

Details

Der deutsche Independent-Film hat zuletzt einige sehenswerte Werke hervorgebracht. Um erfolgreiche Ergebnisse liefern zu können, braucht es einerseits filmisches Talent und andererseits einen gewissen Sinn für das Geschäft. Michael Effenberger ist einer dieser talentierten Filmemacher, welcher zudem ein gutes Gespür für das hat, wonach der Markt gerade verlangt. Seine letzten Filme SURVIVAL und SEEKERS belegen dies nachhaltig. BGT-Redakteur Kevin Zindler hatte die Gelegenheit, den sympathischen Regisseur, Produzenten und Drehbuchautor einige Fragen zu stellen.

Michael Effenberger auf IMDb


 

  

Was hat dich ursprünglich dazu bewogen, selbst Filme zu machen? 

Ich denke es war ähnlich wie bei vielen Filmemachern. Ich war schon immer ein großer Filmfan und besonders von Horrorfilmen. Daraus hat sich dann der Wunsch entwickelt, selber mal einen Film zu drehen. Und irgendwann habe ich es einfach mal riskiert.

 

Du bist dem Horror-Genre ja besonders zugeneigt? Was fasziniert dich daran?

Schon in meiner Jugend war ich von der Thematik Horror sehr angetan, angefangen mit Gespenstercomics, den Hörspielkassetten von H.G. Francis, falls die noch jemand kennt, John Sinclair Romanen und später eben auch Horrorfilmen. An Splatter-Filmen gefallen mir die Spezialeffekte, am meisten mag ich aber immer noch den subtilen Horror, kombiniert mit Schock-Effekten, die den Zuschauer so richtig vom Hocker reißen. Es ist die emotionale Achterbahnfahrt aus Mitfühlen, die Anspannung und das Erschrecken, die mir sehr gut gefällt. 

 

Gab es für dich besondere Vorbilder, insbesondere im Horror-Genre?

Es gibt einige Regisseure, die ich für deren Filme bewundere, wie beispielsweise die früheren Werke von Dario Argento, Lucio Fulci und George A. Romero, die eine Stimmung und Atmosphäre aufgebaut haben, die es so in heutigen Filmen leider nicht mehr gibt. Aus Deutschland waren es im Horrorbereich vor allem die Filme von Olaf Ittenbach. Direkte Vorbilder habe ich aber keine. 

 

Könntest du dir vorstellen, dich filmisch auch mal außerhalb blutiger Gefilde auszuprobieren?

Das kommt darauf an, vorstellen kann ich mir das schon. Komödien und Dramen kann ich eher ausschließen, das sind einfach nicht meine Genres, obwohl es durchaus Komödien gibt, die mir gefallen. Aber einen Psychothriller, Kampfsportactionfilm oder ein Endzeitepos kann ich mir sehr gut vorstellen. Generell will ich aber nur Filme drehen, die mir auch Spaß machen. 

 

Deine ersten Produktionen als Regisseur waren TORTURA, INFEKT und LA ISLA. Worin liegen bei diesen Produktionen die ganz großen Unterschiede im Vergleich zu dem, was du in jüngerer Vergangenheit gemacht hast?

"Infekt" den Du angesprochen hast, war mein erster Film überhaupt. Ich hatte damals eigentlich keine Ahnung wie man so ein Projekt aufzieht. Ich habe auch niemals Kurzfilme gedreht, so wie es wohl die meisten angehenden Filmemacher zu Anfang machen. Trotz alledem wollte ich unbedingt einen Film machen und habe mir eine Crew, Kameraleute und Darsteller gesucht, zum größten Teil aus dem Bekanntenkreis. Wir haben über ein Jahr an dem Film gedreht, mit einfachsten Mitteln und natürlich massig Fehler dabei gemacht J Bei jedem weiteren Projekt lernt man dazu, man wählt die Schauspieler sorgfältiger aus, holt sich bessere Technik, achtet viel mehr auf Details, lernt besser alles zu organisieren, damit später am Set keine Störungen entstehen. Außerdem drehe ich Filme nur noch am Stück oder zumindest in größeren Drehblöcken. Aber vor allem braucht man jetzt wesentlich mehr Geld um einen Film umzusetzen im Vergleich zu früher, weil ja auch die eigenen Ansprüche steigen.

 

2013 hast du SURVIVAL abgedreht, welcher ziemlich aufwendig daherkommt. Erzähl uns doch mal etwas von dieser Produktion. Wie nahm das Publikum SURVIVAL auf?

Bei SURVIVAL habe ich zusammen mit dem Frank Raffel Regie geführt, der auch die Rolle des Elitekämpfers Frank Mitchell spielt. Für mich war besonders die Arbeit mit den zahlreichen Kampfsportlern und Stuntleuten höchst interessant. Durch das für den Indie-Bereich relativ hohe Budget hatten wir auch in technischer Hinsicht sehr gute Möglichkeiten und ich glaube das sieht man dem Film auch an. Es war übrigens der erste Film den ich in Englisch gedreht habe, was den internationalen Verkauf doch sehr erleichtert hat. Mittlerweile ist der Film neben den deutschsprachigen Ländern z.B. in England, Italien, den USA und demnächst auch in Asien erhältlich. SURVIVAL kam beim Publikum größtenteils sehr gut an und kann meiner Meinung nach mit amerikanischen B-Produktionen gut mithalten. 

Trailer SURVIVAL

 

Gerade für Filmemacher, die Produktionen zum Teil selbst stemmen und ein großes Risiko tragen, sieht der Markt im Moment nicht rosig aus. Filme unter 10 Millionen Dollar Budget haben immer weniger Chancen verkauft zu werden. Der Märkte scheinen übersättigt zu sein, die Nachfrage ist geringer als das Angebot. Dazu kommt, dass DVD und Blu-Ray Umsätze immer geringer ausfallen und physische Medien durch Netflix etc. ersetzt werden. Zudem machen die illegalen Downloads gerade die kleinen Filmfirmen kaputt. Wie siehst du diese bedrohliche Entwicklung? Zu viel Schwarzmalerei?

Nein, leider nicht. Immer mehr Regisseure hören auf, weil die Risiken relativ groß sind und die Zukunftsaussichten eher schlecht. Ende letzten Jahres habe ich den Uwe Boll auf dem American Film Market getroffen und er hat mir auch von dieser ganzen Problematik berichtet und den massiven Preisverfall beklagt. Er ist ja nicht nur Filmemacher, sondern betreibt auch einen Weltvertrieb für internationale Produktionen. In den USA findet man immer weniger DVDs und Blu-Rays, Videotheken gibt es noch seltener als in Deutschland. Es hat den Anschein dass der DVD und Blu-Ray Markt langsam stirbt, die Entwicklung geht stark in Richtung Video on Demand, also Filme quasi nur noch als Download. Für mich als Filmesammler eine unschöne Vorstellung. Die illegalen Downloads tun ihr Übriges, es ist schade dass diese Leute nicht verstehen wie sehr sie damit besonders den kleineren Filmfirmen schaden. 

BGT+Entertainment-Blog Audio Interview (geführt von Kevin Zindler und Florian Wurfbaum) mit Filmemacher Uwe Boll

 

SURVIVAL erschien Anfang März in Amerika. Gratulation an dieser Stelle. Viele Leute stellen sich derartige Deals so einfach vor, doch das Gegenteil ist der Fall. Gerade in der Independent Szene denken doch viele, Gottes Werk in den Händen zu halten und wenn es an die Vermarktung geht, stoßen diese Personen schnell an ihre Grenzen. Was würdest Du diesen Leuten raten?

Da hast Du schon recht, das ist meistens alles andere als leicht. Es ist leider keinesfalls so dass die Publisher nur darauf warten, dass man einen Film dreht um uns diesen dann aus den Händen zu reißen und einen dann mit Geld zu überschütten. Das gilt ganz besonders für die USA. Zudem sind die Verträge der US-Labels meist unglaublich komplex, eine Unterschrift kann ein Risiko sein. Filme mit ausschließlich deutscher Tonspur haben es dort generell verdammt schwer. „Nur“ einen guten Film gemacht zu haben, damit ist es leider oft nicht getan, die Vermarktung und entsprechende Kontakte sind fast noch wichtiger als der Film selbst. Hier sind vor allem kaufmännische Fähigkeiten gefragt. Wenn man diese nicht hat, ist es sicher sinnvoll sich Hilfe zu suchen oder sich direkt an einen guten Weltvertrieb zu wenden, der die Vermarktung gegen eine entsprechende prozentuale Beteiligung übernimmt. 

Außerdem haben einige völlig unrealistische Vorstellungen, kommen auf Dich zu und sagen sie hätten eine tolle Film-Idee, fragen ob man einen Produzenten bzw. Geldgeber wüsste. Sie bräuchten auch „nur“ so um die 500.000 Euro für die Umsetzung... Das es allerdings Ihr erster Film ist, scheint dabei auch keine Rolle zu spielen.

 

Der Independent Film in Deutschland bringt oft gute Ansätze/Beiträge hervor, doch die Szene zerfleischt sich lieber selbst, als darauf aufzubauen und zusammen zu halten. Wie schätzt du die Lage ein?

Ich finde es gibt richtig gute Indie-Filme und Filmemacher, viele Projekte finden aber leider zu wenig Beachtung, obwohl sie viel Potential haben. Die Filmszene im Allgemeinen hat mir persönlich viel gegeben, durch sie habe ich viele interessante Leute kennen gelernt und auch etliche Freunde gefunden, die leider größtenteils in ganzDeutschland und teilweise auf der ganzen Welt verteilt sind. Es ist nicht generell so, dass sich diese Szene zerfleischt, es gibt durchaus viele Filmemacher, die sich tatkräftig gegenseitig unterstützen, das habe ich oft genug miterleben dürfen.  

Aber leider gibt es auch diese andere Seite, wo man immer wieder mitbekommt dass sich Regisseure und auch Darsteller untereinander schlecht machen, hetzen, dem anderen anscheinend nichts gönnen. Ich versuche solche Menschen zu meiden und möchte nur mit ehrlichen Leuten zusammenarbeiten, halte mich deshalb auch größtenteils aus diesen ganzen Streitereien raus. Ich mache mein eigenes Ding, drehe Filme vor allem weil es mir Spaß macht. Gefühle wie Neid auf Andere oder Konkurrenzdenken sind mir völlig fremd. Ich freue mich immer wenn jemand einen tollen Film macht. Jeder Film, egal wie hochwertig oder einfach er auch produziert ist hat unseren Respekt verdient. Insgesamt habe ich aber weitaus mehr positive Erfahrungen mit der Indie-Szene gemacht als negative, ganz klar.

 

Kommen wir zu deinem aktuellen Film SEEKERS, welcher Mitte März auf DVD und Blu-Ray erschienen ist. Du hast für diesen Film selbst das Drehbuch verfasst und Regie geführt. Worum geht es bei SEEKERS?

SEEKERS ist ein Oldschool Found-Footage Film, den ich unbedingt machen wollte, da ich selber ein großer Found-Footage Fan bin, seit es dieses Untergenre gibt. SEEKERS handelt von einer Gruppe von Freunden, die ein gemeinsames Hobby haben, das Geocaching, eine moderne Form der Schatzsuche. Gemeinsam mit einem Kameramann fahren Sie nach Polen, um eine Dokumentation über Ihre Leidenschaft zu drehen. Dabei stoßen sie in den tiefen Wäldern des nördlichen Riesengebirges auf ein verlassenes Hotel in welchem sie die Nacht verbringen. Als dann ein Gruppenmitglied mitten in der Nacht verschwindet, beginnt ein schrecklicher Alptraum.

Trailer SEEKERS

 

Vielerorts fallen die Kritiken für SEEKERS  sehr gut aus. Macht einen das  auf gewisse Weise Stolz, gerade in Anbetracht der ganzen Strapazen, die so eine Produktion mit sich bringt? 

Es freut mich natürlich sehr, dass unser Film bei vielen Leuten so gut ankommt und es macht mich auch schon ein wenig stolz. Für mich ist das die Belohnung für die Strapazen die so ein Dreh mit sich bringt. Allerdings merke ich dass SEEKERS sehr stark polarisiert, was größtenteils vielleicht auch am Subgenre Found-Footage liegt. 

BGT-Kritik zu SEEKERS

 

Hast du eine besondere Anekdote auf Lager, die du mit den Dreharbeiten zu SEEKERS verbindest?

Es gab immer wieder mal witzige oder unheimliche Begebenheiten beim Dreh, besonders in dem riesigen, verlassenen Sanatorium in dem wir uns häufiger verlaufen haben. Es war schon merkwürdig, als während einer Szene plötzlich die Haussprechanlage im Keller anging und gruslige Geräusche zu hören waren. Außerdem hatten wir keine Ahnung, dass auf dem Gebäude eine große Mobilfunkantenne installiert war. Als wir den Strom abgestellt hatten,haben wir uns gewundert warum es keinen Handyempfang mehr gab. Wir hatten in der ganzen Umgebung eine Zeit lang das Handynetz komplett abgeschaltet. 

 

Hast du Pläne für zukünftige Projekte?

Es gibt ein paar Pläne, viele Gedankenspiele, aber noch nichts Konkretes. Das kommt ja immer auch auf mögliche Geldgeber an. Im Moment konzentriere ich mich noch auf die aktuelle Vermarktung, danach bin ich für fast alles offen.

 

Ohne Rücksicht auf das Budget: Was wäre dein absolutes Traumprojekt?

Ein aufwändiger Endzeitfilm würde mich reizen, aber eben nur mit dem entsprechenden Budget.

 

Vielen Dank für das Gespräch. Die BGT-Redaktion wünscht dir für die Zukunft weiterhin viel Erfolg. 

   

Spieltipp  

   

Statistik  

Filme: 1.440
Videospiele: 88
Specials: 105
Interviews: 62
Hardware: 9

Besuche Juli: 114.336
Belege können angefordert werden