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Filmtipp  

   

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Interview: Carolina Rath (BGT-Exklusiv)

Details

Carolina Rath hat bei diversen Film-Produktionen bereits sämtliche Funktionen übernommen. Ob als Schauspielerin – wie zuletzt in Nico Sentner´s ATOMIC EDEN – oder Regisseurin ambitionierter Kurzfilme wie CARPE NOCTEM. Zudem verfasst sie Drehbücher und koordiniert als Produzentin ihre eigenen Projekte. Ihr neuer Film WEISS BLUT SHAKESPEARE – welcher noch in der Produktions-Phase steckt  – macht ersten Bildern nach zu urteilen einen überaus experimentellen und interessanten Eindruck. BGT-Redakteur Kevin Zindler hatte die Gelegenheit, sich mit der charmanten, flexiblen und talentierten Filmemacherin zu unterhalten. In dem Interview dreht sich alles um Filme, Schauspielerei, zukünftige Produktionen und ein weißes Kaninchen.

Carolina Rath auf IMDb


 

Wovon handelt deine neue - sehr ambitionierte Regie-Arbeit „Weiss Blut Shakespeare“? 

WEISS ist eine Adaption von William Shakespeares blutigem Rachedrama "Titus Andronicus". Es ist die Geschichte vom erfolgsverwöhnten Feldherrn Titus und seiner Kriegsgefangenen, der Königin Tamora, die durch ihre Schönheit den römischen Kaiser als Gemahl gewinnt und ihre neue gesellschaftliche Stellung dazu benutzt, Titus alle Gräueltaten heimzuzahlen, die er ihr und ihrer Familie im Krieg angetan hat. Beide verstricken sich in einen Strudel aus Rache, Hass, Gewalt und Mord, aus dem es keinen Ausweg mehr gibt. 

Wir nehmen diese Geschichte und erzählen sie neu - statt im alten Rom sind wir in einem Krankenhaus. Tamora liegt im Sterben und wir begleiten sie auf ihrer letzten Alptraumreise ins blutige Reich ihrer Fantasie, in eine weiße Welt zwischen Leben und Tod. In ihren Träumen übt sie grausame Rache an allen die sie betrogen haben. Bis sich dem Zuschauer die Frage stellt - was ist der Traum? Was ist echt?

Facebook-Seite von WEISS BLUT SHAKESPEARE

Was fasziniert dich an der Geschichte?

Was mich immer schon fasziniert hat war die Frage - was passiert wenn ein Mensch stirbt? Was sieht er, was nimmt er wahr? Wo geht er hin? Viele Menschen fangen an zu fantasieren wenn sie im Sterben liegen, sprechen von und mit Dingen oder Personen die nicht da sind, manche sehen das klassische "Licht". Ist es nur ein Fiebertraum? Warum gleichen sich dann so viele Erzählungen von Menschen die wieder "ins Leben zurückgekommen" sind? Oder sind die Sterbenden schon Teil einer anderen Welt? Einer Welt, die genauso real ist wie die unsrige? Nur eben - anders?

Trailer WEISS BLUT SHAKESPEARE

Erste bewegte Bilder (die du mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hast) beflügeln zweifellos meine Neugier auf das, was da kommen mag. Viel Weiss, viel Blut, eine bedrückende Atmosphäre und doch ist da ein Gefühl von „Schönheit“. Was willst du dem Zuschauer für ein Gefühl vermitteln?

Es geht um die Macht der Träume. Der Film soll ein Fest sein der düsteren, morbiden Fantasie. Ganz im Stil der literarischen Romantiker von Brentano bis Tieck, deren Themen Traum, Natur, Gefühl, Tod und Wahnsinn waren. Ich nenne das "dekoratives Sterben" - schlimme Dinge passieren. Aber sie passieren schön. 

Was hat es mit dem Kaninchen auf sich? 

Ich mag Blut und Horror. Ich mag Gegensätze. Und es gibt kaum was Süßeres als ein winziges, wuscheliges Babykaninchen. Außer vielleicht ein winziges, wuscheliges Babykaninchen, das in einer Blutlache sitzt. Außerdem sind die weißen Kaninchen doch immer die Boten welche ins Reich der Fantasie führen.

Was kannst du uns über deinen Cast erzählen?

Ich konnte ganz wunderbare und talentierte Schauspieler gewinnen und es war eine sehr intensive Reise mit viel Emotion und Leidenschaft. Wir hatte eine ganz tolle Stimmung am Set und irgendwie wurden alle, Crew und Schauspieler, davon getragen und beflügelt. So ist WEISS nicht nur durch die Darsteller lebendig geworden, sondern hat sich erst durch die Darsteller zu dem entwickelt was es jetzt ist - die ursprüngliche Geschichte war nämlich kürzer. Es hat sich während den ersten drei Drehtagen aber so eine Energie entwickelt, so eine leidenschaftliche Kraft, dass die Schauspieler manche Szenen nachdem sie im Drehbuch schon zu Ende waren, einfach weitergespielt haben - und ich musste während dem Dreh die Geschichte anpassen, um dem Raum zu geben, denn es wäre ein Verbrechen gewesen, da "cut" zu rufen. Wir hatten alle Bilder im Vorfeld geplant, gestoryboardet und akribisch vorbereitet - und jetzt haben wir noch viel, viel mehr bekommen. Das ist ein ganz wunderbares Geschenk für das ich meinen besten Schauspielern aller Zeiten sehr dankbar bin und ich freu mich riesig auf die restlichen Drehtage!

Genre-Filmen mit neuen, innovativen Ideen werden zu wenig Chancen eingeräumt, was dazu führt, dass sie selten Förderung erhalten. Frustriert das nicht auf Dauer, gerade im Bezug auf die Finanzierung derartiger Projekte wie „Weiss Blut Shakespeare“? 

Ich glaube, dass man es sich zu einfach macht, wenn man sagt, es gibt keine Förderung für Genre, daher kein Genre im Kino. Es gibt Länder, da gibt es gar keine Filmförderung, und dennoch machen sie gute Filme, Genre oder nicht Genre. Es fehlt hier sicherlich seitens der Förderanstalten oft der Mut, Neues zu wagen, ein Risiko einzugehen, das bezieht sich aber nicht nur auf das Genre, sondern allgemein auf den Film, und es werden oft die immer gleichen Stoffe gefördert. 

Das Problem des deutschen Genrefilms besteht aber woanders, denke ich - einerseits ist es die typisch deutsche Trennung von "Kunst" und "Kommerz", also die Trennung zwischen "künstlerisch anspruchsvollem Arthousekino"  auf der einen Seite und "oberflächlichem Popcornkino" auf der anderen Seite, die dem Genre das Genick bricht, denn Horror und Science Fiction sind hierzulande im Ansehen ganz, ganz tief unten und ein deutsches Publikum mit Niveau "guckt sowas nicht". Andererseits haben die auch hierzulande ansässigen "Blockbuster- und Kommerz-Fans" eine grundsätzlich schlechte Meinung vom deutschen Film und speziell vom deutschen Genrefilm und wollen, wenn auch aus anderen Gründen, genauso wenig deutsches Genre ansehen - ein Beispiel ist "Hell", eine hochkarätige besetzte, gut gemachte, Science-Fiction-Endzeit-Fantasie aus deutschen Landen, durchaus anständig mit Filmförderung finanziert. Der Film fiel beim Publikum gnadenlos durch, im Internet wurde gehetzt "Genre aus Deutschland? So einen Scheiß schau ich mir nicht an, das können die Amis besser" und das "Arthouse-Publikum" rümpfte per se die Nase. So funktioniert es halt dann auch nicht. Und daran sind nicht die Förderinstitute schuld. Es muss ein Umdenken her. Und das muss beim Publikum beginnen. Dann spielt auch die Förderung mit.

Um den Film fertig zu stellen, wurde nun eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen. Welches Ziel soll damit erreicht werden?

Der erste Teil war weiß, der zweite Teil wird schwarz. Unser Traum muß weitergehen, die Reise und die Rache vollendet werden. Wir brauchen noch circa vier Drehtage und auch wenn alle Beteiligten aus Leidenschaft und Lust fürs Projekt dabei sind und wir wirklich viel Unterstützung erhalten haben, gibt es manche Dinge, für die uns momentan einfach das Geld fehlt: vom Transportauto bis zum Catering für die Crew - Kostüme, SFX-Material, Filmblut, Kamera und Lichtequipment - all das kostet Geld. Wir haben die Geschichte, wir haben die Fantasie, für den Rest brauchen wir Unterstützung...

Hier könnt ihr WEISS BLUT SHAKESPEARE unterstützen

Kommen wir zu deiner Person. Du bist leidenschaftliche Schauspielerin / Regisseurin und außerdem ein sehr talentierte Cutterin. Warum kein „bodenständiger“ Job (zwinker)?

Ich hab´s versucht, ich kann sonst nichts!

Einer deiner letzten Filme war der Krautploitation Action-Streifen „Atomic Eden“ vom deutschen Regisseur Nico Sentner, in dem unter anderem Blaxploitation-Legende Fred Williamson und Action-Ikone Lorenzo Lamas zu sehen sind. In welcher Funktion warst du in dem Projekt involviert und wie waren die Dreharbeiten?

Beim Dreh war ich in einer kleinen, aber feinen Rolle als Dominatrix mit dabei und das hat natürlich viel Spaß gemacht, weil ich sowas vorher noch nie gespielt hatte und einfach mal so richtig eiskalt, durchtrieben und sexy sein durfte. Und es war natürlich ein tolles Gefühl am gleichen Set wie Fred Williamson zu sein, den ich aus zahlreichen Kinofilmen kenne, auch wenn wir leider nicht zusammen gedreht haben. Mittlerweile ist mir Mr. Williamson jedoch extrem vertraut, weil ich ihn monatelang jeden Tag gesehen habe - auf dem Monitor im Schnittraum. "Atomic Eden" war auch mein erster Langspielfilm als Cutterin und mein erster persönlicher Ausflug ins Action-Kampf-Stuntkino wo ich auch immer schon hin wollte.

BGT-Interview Fred „The Hammer“ Williamson

Facebook-Seite ATOMIC EDEN

Trailer ATOMIC EDEN

BGT-Interview Nico Sentner

Anmerkung der Redaktion:
Nico Sentner´s „Atomic Eden“ hat mittlerweile einige große Erfolge zu vermelden: er hielt sich 2 Wochen lang erfolgreich auf Platz 4 der Kinocharts in Kuwait und wird noch in diesem Jahr in den USA im Kino starten.

Gibt es Rollen, die du prinzipiell nicht spielen würdest?

Nein. Ich würde jede interessante Rolle spielen die mich reizt. Aber ich würde in keinem Film mitspielen, in dem echte Tiere gequält oder getötet werden, auch keine Werbung zum Beispiel für Wurst oder Pelz drehen.

Was sind deine zukünftigen Projekte bzw. in welcher Produktion kann man dich als nächstes sehen?

Meine ganz große Leidenschaft ist die Reiterei, und ich freue mich sehr, dass einige meiner nächsten Projekte sehr pferdeaffin sein werden. Geplant ist zum Beispiel ein Pferde-Dokumentar-Format in Zusammenarbeit mit „Atomic Eden“-Regisseur Nico Sentner und ich schreibe an einem Spielfilmskript, welches auf einem Ponyhof spielt.  

Aber auch dem romantischen Horror, meiner blutrünstigen Fantasie und meiner Faszination von Sterben und Tod will und muss ich treu bleiben und es soll, angeregt durch den Dreh von WEISS, ein sehr düsterer und blutiger Märchenfilm für Erwachsene entstehen mit Hexen, Prinzessinnen und Einhörnern, mit Mord, Sex und Gewalt. 

Ohne Rücksicht auf das Budget: Was wäre dein absolutes Traumprojekt und mit wem würdest du es umsetzen wollen?

Ich würde gern einen James Bond Film drehen. Mit Daniel Craig in der Hauptrolle. Oder alternativ irgendwas zwischen "The Fast and Furious" und "Stirb langsam".  

Homepage von Carolina Rath


Vielen Dank für das Gespräch. Die BGT-Redaktion wünscht dir für die Zukunft weiterhin viel Erfolg.
 

   

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