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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   

Interview: Nico Sentner (BGT Exklusiv)

Details

Nico Sentner gehört zweifellos zu den erfolgreichsten Independent-Film-Produzenten Deutschlands und gilt als Begründer einer neuen Generation deutschen Independent-Filmemachern, welche direkt für den internationalen Markt produzieren. Zahlreiche andere Filmemacher sind direkt oder indirekt von ihm beeinflusst und viele deutsche Independent-Produktionen hätte es ohne seinen Einfluss wohl nie gegeben. Mit seiner Firma „Generation X Group“ produziert er nicht nur Filme - die er ohne Filmförderung auf die Beine stellt - sondern ua. auch Dokumentationen fürs Fernsehen oder Werbespots fürs Kino. Im Laufe der Jahre hat er mit diversen Stars wie Fred Williamson, Lorenzo Lamas oder Lance Henriksen zusammen gearbeitet und ist auch als Schauspieler für diverse Film-Produktionen tätig. Er schreibt zusätzlich Drehbücher, wie zuletzt für seinen neuen Film „Atomic Eden“, bei dem er auch als Regisseur fungierte. BGT-Redakteur Kevin Zindler bekam die Gelegenheit, dem äußerst sympathischen Filmemacher einige Fragen zu stellen.

Mit dem 2005 gedrehten Short-Movie „Dark Legacy“ – der eine Auszeichnung  bei dem New York International Independent Film & Video Festival in Los Angeles erhielt – hast du dein Debüt als Regisseur gegeben. Wie wichtig war dieser Film für deine spätere Laufbahn?

Er war für mich und meine spätere Karriere der wichtigste Film überhaupt. Ich dachte, mein Debüt-Film muss ein Kurzfilm sein, denn wenn man Erfahrungen sammeln möchte, gute wie schlechte, dann nicht mit einem Spielfilm, was dir ewig nachgetragen werden würde. Im Endeffekt war das meine Prüfung für die dann folgenden Projekte bzw. Filme wie „Atomic Eden“. Ich schickte den Streifen an sämtliche deutsche Festivals, aber überall wurde er abgelehnt. Alle in Deutschland haben mir gesagt, dass das was ich vorhabe, gar nicht gehen würde. Auch Fördergelder bekam ich nicht. Selbst der MDR lehnte den Film für seine Kurzfilm-Nacht ab. Dann kam die Auszeichnung in Hollywood für eben diesen Film, den in Deutschland niemand wollte und öffnete mir plötzlich alle Türen. Firmen kamen nun auf mich zu, um beispielsweise Spots produzieren zu lassen. Selbst die Filmförderung sprang plötzlich aus ihren Löchern, doch als der Presse-Hype abflaute, verflog auch das Interesse der Filmförderung wieder.

Hat dich das Medium Film schon frühzeitig in „Besitz“ genommen und wer/was gab den entscheidenden Anstoß, eigene Erfahrungen im Filmbusiness zu sammeln?

Ich habe schon zur Schulzeit angefangen, mit Freunden sogenannte Garagen-Filme zu drehen. Filme faszinierten mich schon immer. Mit 16 machte ich ein Praktikum bei der Filmproduktionsfirma „Schmitts Katze“. Der Chef war gerade einmal 19. Das gab mir zu denken. Mit 17 gründete ich meine Firma. Da ich noch keine 18 Jahre alt war, mussten meine Eltern für mich bürgen. Ich denke, sie dachten nicht wirklich an ein langfristiges Engagement und hielten das alles für ein Hirngespinst, bis ich zur Vernunft kommen und etwas „anständiges“ lernen würde. Mittlerweile sind seitdem 15 Jahre vergangen und ich mache es immer noch. Wir drehen nicht nur Spielfilme sondern haben u.a. einige hundert Werbespots und zahllose Industrie- und Imagefilme für diverse Global Player produziert.

Welche Filme/Regisseure haben dich besonders geprägt?

Ich war immer ein Fan von John Carpenter. Mein absoluter Lieblingsfilm ist „Assault on Precinct 13“, (dt.Titel: Assault – Anschlag bei Nacht) welcher mich auch für meinen Film „Atomic Eden“ inspirierte.

Was kannst du uns über deinen aktuellen Film, die amerikanische Produktion „Atomic Eden“ erzählen, bei welcher du diesmal auch die Regie übernommen hast?

Der Film ist eigentlich eine Mischung aus „ASSAULT on Precinct 13“ von John Carpenter und „Die glorreichen Sieben“.

Die Idee zu dem Film kam mir, als ich an der Doku „Natter“, welche später auf „NTV“ ausgestrahlt wurde, beteiligt war. Darin ging es um ein Geheimwaffen-Projekt der Nazis. Desweiteren inspirierte mich ein Location-Scouting für den Endzeit-Film „Last Station“, welcher aber nie zustande kam. Für diesen geplanten Endzeit Streifen suchten wir alte Ruinen auf. In einer Location, stand noch alles so da, wie es verlassen wurde: Möbel, Klamotten, vertrocknete Topfpflanzen, selbst ein ungeöffnetes Bier – haltbar bis 1978. Ich dachte, so muss es wohl auch in Tschernobyl ausgesehen haben, als die Menschen über Nacht alles stehen und liegen lassen mussten. Eine bedrückende und beängstigende Atmosphäre. 

Die Story: In einem alten Minenkomplex gefangen, irgendwo in den Ruinen von Tschernobyl, muss sich eine Gruppe von internationalen Söldnern zusammenschließen, um gegen eine ganze Armee zu kämpfen. 8 gegen 800. Ein Kampf um Leben und Tod. Am Anfang beginnt Stoker (gespielt von Fred Williamson) mit der Rekrutierung von Söldnern aus der ganzen Welt. Ihre Mission ist es, in den Untergrund von Tschernobyl zu gehen, um dort eine geheime  Ladung zu bergen. Eigentlich eine einfache Aufgabe, aber als das Team ankommt, werden sie von unbekannten Kräften zu Hunderten in Strahlenanzügen angegriffen. Die Söldner sind gezwungen, Schutz in einem Gebäude zu suchen. Ein „Alamo“ –Szenario (Belagerungsszenario). Sie versuchen am Leben zu bleiben, müssen das Areal aber früher oder später wieder verlassen, weil - wenn sie dort zu lange ausharren - sonst der Radioaktivität zum Opfer fallen. Außerdem müssen sie immer noch ihre Mission erfüllen und diese geheime Ladung finden. Es bleibt ihnen nur übrig sich den Weg frei zu kämpfen! 

Insgesamt bekommt der Action-Fan eine Menge von dem, was er gerne sehen möchte: Viel Action, Shootouts, Martial Arts und einen hohen Bodycount. Ich denke, dass auch die Story beim Zuschauer für die eine oder andere Überraschung sorgen wird.

„Atomic Eden“ ist der größte Film, den ich bisher gemacht habe. Ich habe nicht nur Regie geführt, sondern fungierte zusätzlich als Produzent und habe das Drehbuch geschrieben. Wir haben eine wirklich gute internationale Besetzung: Fred Williamson, über den man nicht viele Worte verlieren muss, Mike Möller, ein gnadenlos genialer deutscher Martial-Artist oder auch die Japanerin Hazuki Kato, welche eine unglaublich liebe, sympathische und talentierte Schauspielerin ist. Mit den Amerikanern Lorenzo Lamas und Everett Ray Aponte – den ich beim American Film Market kennenlernte und dem die Rolle des Texaners „Darwin“ auf dem Leib geschrieben ist - haben wir weitere Acts, mit denen ich mehr als glücklich bin. Auch das Fred Williamson und Lorenzo Lamas bei „Atomic Eden“ als Ausführende Produzenten fungiert haben, kann nur als Bereicherung für das Projekt bezeichnet werden.

Atomic Eden (2014) auf Imdb (click)

Atomic Eden (2014) auf Facebook (click)

Nico Sentner auf Imdb (click)

Neben Lorenzo Lamas konntest du auch die Black-Exploitation-Legende Fred Williamson für den Film gewinnen, der bei Regisseuren wie Enzo G. Castellari äußerst beliebt ist. Wie war die Zusammenarbeit mit ihnen?

Fred ist großartig. Ich kenne ich ihn schon seit einigen Jahren und wir sind sehr gute Freunde. Er ist für mich eine Art Mentor. Durch seine immense Erfahrung bringt er eine gewisse Ruhe und viele Ideen in die Projekte. Natürlich achtet er auch darauf, seinem Image gerecht zu werden und dies auch irgendwie in die Filme mit einfließen zu lassen. Das mag nicht allen Regisseuren schmecken, aber das kann ich von mir nicht behaupten. Im Gegenteil! Übrigens muss man sich nicht bei Fred durch eine Reihe von Beratern, Managern oder sonst wen kämpfen, um ihn ans Telefon zu bekommen. Glaub´ mir, dass ist (leider) nicht selbstverständlich. Er ist immer noch unglaublich Fit, obwohl er sich fast ausschließlich von Junk-Food (Cola und Chips) ernährt. Bei Lorenzo ist es so, dass ich ihn schon zu „Renegade“ – Zeiten mochte und es daher für mich was Besonderes ist, ihn für eine Rolle in „Eden“ bekommen zu haben. Hollywood-Produzentin Leman Cetiner ist eine sehr gute und enge Freundin  von mir und sie hat mit Lamas bereits in der Vergangenheit gearbeitet (Lethal) und so kam der Kontakt zustande. Ich habe selten einen so professionellen Schauspieler wie Lorenzo Lamas erlebt. Ein absoluter Glücksgriff. Mit Fred und ihm würde ich jederzeit wieder arbeiten.

Wann ist der deutsche Release-Termin?

Der Film ist noch in der Postproduktion und ist vorrangig für den US bzw. internationalen Markt konzipiert worden und wir führen dementsprechend Gespräche. Mit deutschen Verleihern stehen wir derzeit noch nicht in Verhandlungen, aber das wird dann sicher später der Fall sein.

Trailer: Atomic Eden (2014) auf Youtube (click)

Du arbeitest mit vielen jungen talentierten Schauspielern zusammen. Bist du der Meinung, dass sich Schauspieler wie Kampfsport-Ass Mike Möller - mit dem du wiederholt zusammengearbeitet hast – auf dem Markt durchsetzen können?

Mike hat ja schon einiges gemacht (Stunt-Koordinator etc.), aber als Hauptdarsteller ist er noch relativ unbekannt. Mit „Arena of the Street Fighter“ hat er deutlich gezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist. Der Film erfreut sich großer weltweiter Beliebtheit in der Martial Arts-Community. Keine Frage: Ich würde gerne noch einige Projekte mit Mike machen, zumal sein Marktwert immer weiter steigen wird. Ihm steht eine große Karriere bevor, davon bin ich überzeugt. Er hat gerade mit Jean-Claude Van Damme „Pound of Flesh“ abgedreht, ist in der französischen Multi Millionen Euro Produktion „Die schöne und das Biest“ von Christoph Gans (Pakt der Wölfe) zu sehen und steckt gerade in der Postproduktion von seinem nächsten Martial Arts Kracher „One Million K(l)icks“. 

Als Produzent bei Filmen wie „Atomic Eden“ (Generation X Group GmbH) musst du die Produktion finanziell stemmen bzw. die „Kohle“ ranschaffen. Uwe Boll sagte kürzlich, dass es gerade für kleinere Produktionen und Low-Budget Filme immer schwieriger wird, insbesondere weil große Studios den DtD-Markt direkt beliefern undTochterfirmen für dieses Segment gründen und den Markt überschwemmen. Außerdem ist für kleinere Produktionsfirmen das Problem der Raubkopien sehr akut und sie haben schwerer damit zu kämpfen als die Großen. Das kann Existenzen zerstören. Was sind deine Erfahrungen bezüglich dieser Problematiken?

Als in den frühen 2000er der DVD Markt boomte, gab es mehr Nachfrage von Verleihern als es Filme auf dem Markt gab. Nun ist es umgekehrt. Wir haben eine Marktübersättigung. Über kurz oder lang wird es wohl nur noch ganz kleine Produktionen unter 200.000 Euro Budget geben, oder große Studio-Produktionen ab 10 Millionen. Nur diese Varianten werden sich noch rechnen. Filme mit einem Budget dazwischen werden es hingegen schwer haben, weil sie zu teuer sind, um sich zu rentieren und zu günstig, um mit großen Special Effects oder Megastars zu punkten, welche ein gutes Einspielergebnis garantieren könnten. Bei den kleineren Filmen geht es daher auch um Namen, die man präsentieren kann, um den Marktwert zu steigern und um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Ein Danny Trejo,Michael Madson oder Tom Sizemore z.b. ist nicht umsonst in gefühlt 100 Produktionen jährlich zu sehen. Und klar ist auch, dass die großen Studios über kleinere Tochter-Firmen auch günstigere Filme auf dem Mark schmeißen, die letztlich die Regale überschwemmen und den unabhängigen Firmen und dessen Produkten immer weniger Platz lassen.

Ein anderes großes Problem, wenn nicht sogar das größte Problem, ist die überdimensionale Piraterie, welche insbesondere den unabhängigen kleinen Film-Firmen zu schaffen macht. Wir waren gesetzlich auf einen guten Weg, das Problem mit härteren Strafen einzudämmen, aber Parteien wie „Die Piraten“ bagatellisieren dieses Problem und fordern unaussprechbare Dinge, die man nur als „Ideologisch“ und wirtschaftlich alarmierend bezeichnen kann. Ein „wunderbares“ Beispiel dafür, welch ein wirtschaftlicher Schaden durch illegale Downloads und Raubkopien entstehen kann, ist „Arena of the Street Fighter“ (dt. Verleihtitel: „Street Gangs“), in dem viel eigenes Kapital von Mike Möller steckt. In der Nacht vor der Leih-Vö in Deutschland, war der Film bereits illegal im Internet und zeitgleich zur deutschen Leih-Vö gab es den Film schon als Booklet in Vietnam zu kaufen. Über 800.000 Mal wurde der Film in den USA illegal nur über Piratebay gedownloadet und das alles noch vor seinem US Kinostart. Im Kino selbst waren dann keine 10.000 Besucher mehr. Wir sind bisher „Gott sei dank“ recht zufrieden mit den internationalen Lizenzverkäufen, aber stell dir vor, wenn nur 10 Prozent von den 800.000 den Film offiziell in den USA im Kino gesehen- oder später die DVD gekauft hätten. Ich verachte die Piraterie - das sind alles Verbrecher. Die Piraten torpedieren ihre eigenen Maxime, weil sie den Leuten, die Außerhalb vom Hollywood-System arbeiten den Lebensunterhalt zerstören.Mit der deutschen VÖ von „Sin Reaper“ sind wir dann den Weg gegangen, ihn vorab öffentlich zu machen, um die illegalen Downloads irgendwie abzufedern. Man kann ihn kostenfrei und legal bei „MyVideo“ sehen. Wir haben damit zwar deutlich weniger Einnahmen, als würde jemand den Film kaufen, aber das ist besser als nichts. Das funktionierte recht gut, bis zu dem Zeitpunkt, als der Film von der Startseite verschwand und man „2 bis 3 Mal“ klicken musste, um ihn zu finden. Das scheint einigen zu aufwendig zu sein und seitdem wird auch bei „Sin Reaper“ munter drauf los kopiert und gestohlen. Sehr bedenklich. 

Komödien von Schweighöfer oder Schweiger bestimmen die deutschsprachige Kinolandschaft. Wie siehst du die momentane Situation des deutschen Films und was muss sich ändern? Fehlt es den deutschen Filmemachern an Mut auch mal etwas anderes zu probieren?

In Deutschland gilt allgemein die Maxime, dass eine Komödie, Dramen, Arthouse oder historische Geschichten mit Nazi und DDR Hintergrund ok sind. Bei anderen Genres – wie Action, Martial Arts, SciFi, Horror oder ähnliches - wird von vorne herein beim Zuschauer ein schlechter Film erwartet, sobald dieser aus Deutschland kommt und bei der staatlichen Filmförderung wird ohnehin Desinteresse bekundet. Der deutsche Film hat einfach diesen schwierigen Ruf, daher ist es nicht einfach, „offiziell“ derartige Filme zu drehen. Daher auch der Eindruck, dass es nur Komödien und Kriegsdramen gäbe. Aber wenn man genau hinschaut, gibt es eine Menge deutscher Produktionen außerhalb der gängigen Muster. Teure Blockbuster wie „Fantastic Four“ oder „Resident Evil“ sind deutsche Filme. Das wissen nur wenige. Bernd Eichinger hat es vorgemacht. Sie werden – verständlicherweise – als internationale oder amerikanische Filme beworben, verkauft und angeboten, eben deshalb, um diesen negativen Ruf zu entgehen. Ein weiterer Nachteil sich als deutscher Film zu „outen“ ist, dass man bei den Händlern und Elektronikmärkten - bzw. dem „Point-of-Sales“ im allgemeinen- allein aufgrund der Herkunft als weniger erfolgsversprechend eingestuft wird, weil diese zum Teil nach Bewertungen von Marktblättern gehen, welche bei deutschen Produktionen automatisch 2 Punkte weniger geben und deshalb bestimmte Titel gar nicht erst ins Sortiment kommen. Und wenn man als Independent-Produzent diese Sparte bedienen will, muss man zusehen wie man klar kommt, denn von der deutschen Filmförderung kann man diesbezüglich keine Hilfe erwarten, man ist schlichtweg unerwünscht. Ich gehe sogar noch weiter:

Von den wenigen kommerziell erfolgreichen „Förderfilmen“- , (welche meist von den gleichen Machern – wie Schweiger & Co abgeliefert werden), einigen wenigen Festivalerfolgen und den paar internationalen Co-Produktionen abgesehen, werden gezielt „künstlerisch“ hochwertige Flops produziert, damit man die Fördergelder gar nicht erst zurück zahlen muss. Es gibt eine ganze Industrie von Produzenten in Deutschland, welche komplett vom Hartz4 für Filmemacher, der Medienförderung leben und davon abhängig sind und deren Intension es ist, dass ihr Film später floppt. Denn die Medienförderung vergibt erfolgsbedingt-rückzahlbare Förderdarlehen, d.h. sollte der Film erfolgreich sein – muss das Fördergeld wieder zurückgezahlt werden und das ist von Seiten des Produzenten NICHT gewollt. Und leider ist der Zustand, dass es gefühlt wenig deutsche Filme außerhalb der gängigen Muster gibt, auch den deutschen Verleihern anzukreiden, die lieber US-Blockbuster vermarkten als sich auch mal an vielversprechenden deutschen Indie-Produktionen zu beteiligen. Viele Indie-Regisseure stehen sich zudem selbst im Weg, die vielleicht einen Film drehen können, aber nicht wissen, wie der Markt funktioniert. Diese Jungs drehen dann mit aller Kraft und all ihren persönlichen Ressourcen und Mitteln ihr eigenes kleines Traumprojekt und wenn der Film dann irgendwann fertig ist, fragen sie sich, was mach ich jetzt eigentlich damit? Weil ihnen schlicht und ergreifend das Hintergrundwissen für die Filmvermarktung und die Kontakte zu den seriösen Filmverleihern fehlen, fliegen die alle mit ihren Projekten finanziell auf die Nase.

 (Anmerkung der Redaktion: Ein „Special“ zum Thema „Filmförderung in Deutschland“ ist angedacht“) 

Was kannst du uns über den Film „Sin Reaper“ erzählen, der mittlerweile auf DVD und Bluray erhältlich ist und in dem auch „Aliens“-Star Lance Henriksen mitgewirkt hat?

„Sin Reaper“, ist ein Slasher im Stile von „Halloween“ und „Freitag der 13.“ Ich denke, dass der Film einige gute Momente hat und mit guten Schauspielern, einer tollen Kulisse und einem interessanten Drehbuch punkten kann, auch wenn ich mit der Umsetzung letztendlich nicht ganz zufrieden sein kann, was insbesondere dem Mangel am Tempo geschuldet ist. Henriksen war von vorne herein unsere Wunschbesetzung. Helen Mutch hatte ich bereits 2005 eine Rolle versprochen,als ich sie in Los Angeles bei dem Festival, auf welchem auch „Dark Legacy“ lief, kennen lernte. Sie hatte im Hotel das Zimmer neben mir. Viele Jahre später habe ich Wort gehalten. 

Die Idee zum Film entstand, als ich vor Jahren in Cannes meinen späteren Produktionspartner Matthias Haag kennenlernte. Wir philosophierten über Film-Ideen und heraus kam „Sin Reaper“.

BGT-Kritik: Sin Reaper (2012) (click)

Trailer: Sin Reaper (2012) auf Youtube (click)

Der Streifen „Iron Wolf“ ist bereits überaus erfolgreich in Japan aufgenommen wurden. Wann bekommt der deutsche Fan den Film zu Gesicht?

Der Film erscheint am 14 Juli (2014) in Großbritannien und wird dort von „Anchor Bay“ vertrieben. Ein deutscher Start-Termin steht noch nicht fest, aber wir stehen in Verhandlungen mit diversen Verleih-Firmen.

Zwischen „Dark Legacy“ und „Atomic Eden“ liegen fast 10 Jahre. Warum die lange Regie-Abstinenz?

Ich war ja nie weg. Ich habe produziert und geschrieben: Spielfilme, Werbespots oder Dokumentationen. Darüberhinaus habe ich bei über 200 Werbespots Regie geführt. Außerdem gab es auch mehrere Spielfilm-Projekte, die ich abgelehnt habe. Desweiteren kommt es bei größeren Produktionen, wenn man sich um die Regie bewirbt, auch auf die bereits vorhandenden Regie-Credits an, die man vorweisen muss, um überhaupt eine Chance zu haben. Und da werden einem auch viele Regisseure vor die Nase gesetzt, von denen die Geldgeber glauben, dass sie gut oder besser geeignet sind.

Kannst du uns etwas über zukünftige Projekte verraten?

Als nächstes werden wir die Arbeit an „Dark Stories“ – einer Anthology mit 3 Kurzgeschichten und einer Rahmenhandlung – beenden. Dann wird es definitiv einen neuen Action-Kracher mit Mike Möller geben, dessen Titel aber noch nicht feststeht. Zusätzlich liegen quasi die Storylines für ein Prequel und ein Sequel meines Films „Atomic Eden“ in der Schublade, aber da muss man erst einmal die Resonanz für den ersten Film abwarten. Ich habe außerdem eine Nebenrolle in der 10 Millionen Dollar Produktion „Kickback“ ergattern können, in dem u.a. John Cusack, Famke Janssen, Misha Barton, Michael Biehn und Rutger Hauer mitspielen.

Ohne Rücksicht auf das Budget oder anderen Faktoren: Was wäre dein Traumprojekt, deine Traumrolle und mit welchem Regisseur/Schauspieler/in würdest du den Film realisieren?

„Atomic Eden 2+3“ wären natürlich toll. Ich würde zusätzlich gerne einen historischen Film machen, welcher ein Stück meiner eigenen Familien-Geschichte bzw. der meiner Großeltern erzählt und aufarbeitet, die wirklich sehr spannend ist. Außerdem wäre eine Art „Pakt der Wölfe“ Ableger hoch interessant. Meine persönliche Traumrolle? In einem Bond-Film den Bösewicht zu mimen. Da mein Lieblingsregisseur John Carpenter ist, wäre ein Film mit ihm natürlich phänomenal. Ich könnte mir auch gut eine Zusammenarbeit mit einigen meiner Lieblingsdarsteller vorstellen, zu denen Gary Oldman, Bruce Dern, Michael Ironside, Dolph Lundgren oder Sarah Michelle Gellar gehören und besonders erstrebenswert wäre ein Projekt mit Christopher Walken, der spätestens seit „God´s Army“ ganz weit oben bei meinen All Time Favorites rangiert.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

   

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