!

Bereitsgetestet.de verwendet Cookies, um Ihnen bestimmte Funktionen zu ermöglichen und die Website dem Nutzungsverhalten der Besucher besser anpassen zu können. Wenn Sie die Website weiter nutzten, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus. Datenschutzerklärung

OK

Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   

Interview: Trey Stokes (BGT Exklusiv)

Details

Trey Stokes ist ein neues Regie-Gesicht beim Asylum-Studio und führte bislang nur bei Moby Dick Regie. Er ist jedoch schon lange im Geschäft und arbeitete als SFX-Künstler an Produktionen wieStarship Troopers mit. Da er sowohl Einblicke in die Arbeitsweise der großen Studios hat, nun aber auch die Produktionen der Asylum-Titel beurteilen kann, gab das Gespräch mit Tobias Hohmann einige interessante Einblicke.

 

 

Sie studierten an der Universität von Kalifornien. Wussten sie zu diesem Zeitpunkt schon in welchem Bereich des Filmgeschäfts sie arbeiten wollten?

Auf dem College konzentrierte ich mich am meisten auf die Arbeit eines Regisseurs. Ich interessierte mich auch für visuelle Effekte, dachte damals jedoch nicht daran, in diesem Bereich Karriere zu machen. Das ich in diesen Bereich tätig wurde, passierte später eher zufällig.


Sie wurden für die Star-Wars-Parodie  PINK FIVE ausgezeichnet und von George Lucas persönlich ausgesucht. Hatten sie ihm so viel Humor zugetraut? Hatten sie jemals persönlichen Kontakt zu ihm?
Ich hatte nie einen direkten Kontakt zu ihm, weiß aber, dass er sich tatsächlich alle Pink-Five-Videos angeschaut hat – er muss also einen großartigen Comedy-Geschmack  haben.                               
 
Sie machten sich schnell einen Namen und konnten an einigen Big-Budget-Produktionen wie SPECIES, STARSHIP TROOPERS oder THE ABYSS mitwirken. Warum haben sie diese Tätigkeit nicht fortgesetzt?
Nun ja, ich arbeite ja immer noch in dem Bereich der visuellen Effekte, aber wenn du mich fragst, warum ich nicht weiter bei solch großen Produktionen mitwirkte: Es gibt keinen speziellen Grund. Es ist einfach nur so, dass sich die Filmindustrie geändert hat, sehr viele Effektfirmen sind nicht mehr im Geschäft, und die meisten die es noch gibt, sind entweder sehr groß oder sehr klein. Die großen Firmen haben ihre Mitarbeiter, so dass es nicht viele Möglichkeiten für einen Außenseiter wie mich gibt, um einen Fuß in die Tür zu bekommen. Ich werde bei einer kleinen Firma sicherlich wieder an einem Projekt beteiligt sein, aber diese arbeiten nur selten an den wirklich großen Filmen.


Sie konnten mit einigen hervorragenden Regisseuren zusammen arbeiten? Haben sie sich von Leuten wie Verhoeven etwas abgeschaut?
Cameron und Verhoeven sind natürlich gute Beispiele, denn ich startete als Fan und konnte dann mit ihnen arbeiten. Aber das trifft auch auf Mary Lambert, William Friedkin, Donald Petrie und andere zu – sie alle machten Filme die mir gefielen, und dann konnte ich beobachten, wie sie ihren Job machen. Regisseure gehen ihre Arbeit immer anders an, aber ich von allen irgend etwas gelernt. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es, auf einem Set zu sein, um den Regisseur zu beobachten, unabhängig davon, ob ich nun am Projekt beteiligt oder nur ein Gast bin. Meine derzeitigen Favoriten? Da fallen mir zuerst Edgar Wright, die Coen-Brüder und Christopher Nolan ein. Aber auch Paul Thomas Anderson oder Frank Darabont. Ich könnte noch so viele aufzählen!


Wenn man sich PINK FIVE und ihre späteren Filme anschaut, bekommt man schnell den Eindruck es mit einem Nerd im positiven Sinne zu tun haben. Können sie sich mit dieser Bezeichnung anfreunden?
Absolut, das ist völlig okay. Ich bin ein Science-Fiction-Fan seitdem ich denken kann. Als ich jung war, produzierte Hollywood keine Genre-Filme oder Serie wie sie es heute tun – sie machten „ernsthafte“ Filme. Allenfalls zufällig rutschte ein Science-Fiction-Film durch das System. Das Genre wurde erwachsen, so dass genug Leute einen Fantasy- oder Science-Fiction-Film als „ernsthafte“ Unterhaltung akzeptieren können. Aber ich war definitiv ein Nerd, wenn das Wort irgendetwas bedeutet.

Mit MOBY DICK gaben sie nicht ihr Regiedebüt, sondern bei der Internetserie ARK, die sie auch konzipierten. Rutschten sie eher zufällig auf den Regiestuhl, oder war das ein lang gehegter Wunsch?
Als ich die Filmschule verließ, beschloss ich, dass Regie führen nicht das ist, was ich machen wollte und ging in den Bereich der visuellen Effekte. Doch vor etwa zehn Jahren, als der Boom rund um DV Video und Computereffekten so richtig begann, startete ich eigene Projekte, weil es plötzlich so einfach war, eigene Ideen zu verwirklichen. So wurde ich Regisseur, ohne wirklich darüber nachzudenken. Zudem konnte ich meine Erfahrungen, die ich bei den ganzen Filmprojekten sammelte, einbringen und wusste nun viel mehr über das Handwerk als zuvor.


Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Asylum bei MOBY DICK?
Mein Freund Mark Kochinski, ein SFX-Künstler und Filmemacher, arbeitete zu diesem Zeitpunkt in der Special-Effects-Abteilung von Asylum und legte mir nahe, dass ich mich mit den Verantwortlichen einmal unterhalten sollte. Also traf ich mich mit David Latt, einem der drei Besitzer des Studios. Es war nur ein Gespräch über meinen Background, welche Art von Filmen mich interessierten und so weiter. Ein paar Monate später riefen sie mich an und boten mir die Regie bei MOBY DICK an. Der Drehstart war in weniger als eine Woche, so dass ich mich schnell entscheiden musste. 


Wussten sie zu diesem Zeitpunkt bereits über die Asylum-Arbeitsweise Bescheid, oder wurden sie ins kalte Wasser geworfen?
Naja, ich wusste, dass der Budget- und Zeitrahmen sehr eng waren. Aber alles, was ich bis dahin drehte, bezahlte ich aus eigener Tasche, außer der Ark-Webserie. Und die hatte ein schmaleres Budget als die meisten Sachen, die ich selbst zahlte! Die Arbeit mit einem kleinen Budget war also nichts Neues für mich. Außerdem hatte ich auch an einem 28-Stunden-Film-Wettbewerb teilgenommen, so dass ich auch Erfahrungen darin hatte, Dinge schnell in den Kasten zu bekommen. Es half mir auch, dass ich üblicherweise selbst als Cutter arbeite – wenn zeit also ein Problem ist, weiß ich vorher, wie viel ich drehen muss, um die Szenen später zusammen setzen zu können. Der größte Unterschied bestand darin, dass ich bei meinen Produktionen fast immer mit den gleichen Leuten zusammen arbeite. Doch bei MOBY DICK traf ich die meisten aus dem Cast und der Crew am Tag des Drehstarts. Und fast jeder von denen hatte bereits für Asylum gearbeitet – im Grunde war ich derjenige mit der geringsten Erfahrung. Aber Asylum hat ein unglaubliches Team, die wissen, wie sie ihre Filme in den Kasten bekommen. Mein Job war es, den Drehplan einzuhalten, das Team kümmerte sich um den Rest.


Wie läuft die Vorbereitung eines Asylum-Films ab? Können sie selbst Vorschläge machen, oder werden ihnen Projekte angeboten?
Asylum selbst entscheidet in der Regel, welche Filme sie machen wollen und heuert dann Autoren und Regisseure an. Ich denke, dass es hin und wieder auch so läuft, dass ein Autor seine Ideen vorstellt und das Studio beschließt, diesen Film zu machen. Bei MOBY DICK existierten jedoch bereits ein Skript und ein Zeitrahmen. Selbst der Hauptdarsteller war bereits verpflichtet, als sie mir den Film anboten.

Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass sie an einigen Big-Budget-Filmen mitgewirkt haben und wissen, welche technischen Möglichkeiten es mit einem entsprechenden Budget gäbe: Ist es nicht frustrierend mit den Möglichkeiten zu arbeiten, die ihnen Asylum bietet?
Klar: bei einem Big-Budget-Film hast du offensichtliche Vorteile. Aber einen Micro-Budget-Film zu drehen gibt dir in anderer Hinsucht eine gewisse Freiheit. Jeder muss in seinem Bereich sehr kreativ sein, denn du musst den Film mit den gegebenen Möglichkeiten und dem knappen Zeitrahmen hin bekommen. Ich denke, wenn du einen Asylum-Streifen schaffst, bist du auch für alles andere bereit.


Verstehen sie Kritiker und Film-Studios, die sich daran stören, dass Asylum ihre Produktionen an große Produktionen anlehnt und diese zeitnah veröffentlich? Mockbuster-Company ist ja nun nicht zwangsläufig ein Lob.
Ich denke, dass Asylum es mit gemischten Gefühlen sieht, wie ihre Filme aufgenommen werden. Aber sie haben Spaß an dem was sie tun, und viele ihrer Mitarbeiter kommen immer wieder. Und: Egal, was die Kritiken auch sagen: Das Studio macht Filme und macht mit diesen Filmen Geld. Viele Leute können das nicht von sich behaupten!


Würden sie mir zustimmen, dass die Asylum-Filme immer dann am besten sind, wenn sie sich selbst nicht zu ernst nehmen? In dem Zusammenhang war es übrigens überraschend, dass MOBY DICK „so gut“ funktionierte, da ich ihn in erster Linie weder als Parodie, noch als bewussten Trash-Film ansehe.
Es war schwierig heraus zu finden, welchen Weg ich bei  MOBY DICK einschlage. Ich war mir nicht sicher, welchen Film das Studio von mir sehen wollte – war das Drehbuch doch überwiegend als Spannungsfilm geschrieben. Aber dann frisst der Wal einen Helikopter und springt auf eine Insel! Es ist der Job eines Regisseurs, eine Art Master Plan im Kopf zu haben, in welche Richtung der Film gehen soll. Und ich muss zugeben: ich hatte keinen. Das ist der negative Aspekt, wenn man einen Regiejob eine Woche vor Drehstart annimmt. Ich musste einspringen und quasi sofort drehen. ich denke, dass jede Szene für sich genommen okay ist, fügst du sie aber zusammen, weiß der Film nicht, was er sein will. Ich nehme das auf meine Kappe.


Asylum selbst stellt sich gerne als Außenseiter-Studio dar, welches die größeren Studios mit viel Spaß ärgert. Schaut man ein wenig tiefer, ist es ein stetig wachsendes Studio, das in einer schwierigen Phase kontinuierlich wächst. Wie würden sie als Regisseur das Studio beschreiben?
Ich habe eine Menge Respekt für das, was Asylum tut. Wie du schon sagtest: Sie machen Geld in einer zeit, in der andere Studios Verluste machen. Sie kennen ihren Markt, sie produzieren, was der Markt sehen will und sind dabei sehr erfolgreich.

Wie erklären sie sich den weltweiten „Erfolg“ der Asylum-Filme?
Ich denke, dass Leute die Asylum-Filme aus allen möglichen Gründen mögen. Einige lachen sich darüber kaputt, weil sie die Streifen bescheuert finden. Aber nicht jeder ist ein Filmexperte, ein Großteil der Zuschauer ist nicht so kritisch, sondern will nur für 90 Minuten unterhalten werden und Asylum-Produktionen funktionieren in dieser Hinsicht. Und das ist völlig in Ordnung.


Bekommen sie als Regisseur viele Freiheiten oder wird sehr stark überwacht, was sie in welcher Form drehen?
Das Studio gab mir eine Liste mit Dingen, die sie unbedingt in ihrem Film sehen wollten bzw. nicht sehen wollten. Natürlich war der Budget- und Zeitrahmen ebenso vorgegeben, wie der Cast, als ich zu dem Projekt stieß. Auf der anderen Seite wurde mir auch viel Freiraum gewährt, damit ich so arbeiten konnte, wie ich es wollte, daher konnte ich auch kleinere Änderungen am Skript vornehmen. Die Produzenten überwachen den finalen Schnitt, wobei die Regisseure teilnehmen können, wenn sie es wollen. Doch am Ende schließen sie den Film so ab, wie sie es für richtig halten und damit kannst du als Regisseur natürlich nicht zufrieden sein, weil es dann ihr Film ist.


Wie viel Zeit und Budget standen ihnen für MOBY DICK zur Verfügung?
Ich hatte zwei Wochen Drehzeit, was für Asylum-Verhältnisse normal ist. Da ich mir nicht sicher bin, ob Asylum ihre Budgets nennt, sollte ich nicht exakt darüber sprechen, wie hoch es denn nun war. Sagen wir so: Wenn du das Budget schätzen würdest, und diese Schätzung das Wort „Million“ umfassen würde, dann wäre es zu hoch!


Was ist die größte Herausforderung bei einer Asylum-Produktion?
Vermutlich der enge Zeitplan. Jede Phase wird schnell abgehakt, da das Studio jeden Monat einen Film macht, so dass ein Film fertig sein muss, damit sie den nächsten angehen können. Es gibt also keine Extra-Zeit für Planung, Drehzeit, den Cut oder SFX – der Film ist fertig, wenn der Zeitplan sagt, dass er fertig ist. Als Asylum-Regisseur musst du akzeptieren, dass der tag kommt, an dem du aufhören musst, zu arbeiten: Und der Tag kommt eher als dir lieb ist.                                                    
                      

Wie sehen sie das: Kann Asylum ein Sprungbrett für neue Talente sein, oder ist man eher stigmatisiert, wenn man einmal für das Studio gearbeitet hat?
Ich denke, dass die Arbeit an einer Asylum-Produktion eine großartige Möglichkeit für Leute unterschiedlicchster Erfahrung sein kann. Für jemanden, der gerade anfängt, ist es natürlich ein großer Schritt, die Möglichkeit zu erhalten, bei einem Film Regie zu führen. Es gibt da einige junge Regisseure, die derzeit für Asylum arbeiten, die ich für sehr talentiert halte und deren Namen wir in der Zukunft noch hören werden. Wie ich schon sagte: Es gibt kein besseres Training, keine bessere Grundlage als die Mitarbeit an einem Asylum-Film. Danach wird dir die Produktion eines Big-Budget-Streifens im Vergleich unheimlich leicht von der Hand gehen. Das gilt auch für mich: Ich hatte zwar schon eine lange Karriere hinter mir, hatte aber noch nie Regie geführt. MOBY DICK war mein erster Job als Spielfilm/Regisseur. Paramount wird niemanden anrufen und sagen:”Wir drehen nächste Woche einen Film – willst du Regie führen?“ Nachdem ich an einigen Big-Budget-Filmen mitgewirkt habe, ist es sehr aufregend, etwas billig und schnell zu machen. Es fordert dich heraus, du musst kreative Lösungen finden, obwohl du kaum Geld dafür hast. Jede Zeit, die du dafür verwendest praktisch zu arbeiten, ist nicht verschwendet – egal, wie viel Erfahrung du hast. 


Sehen sie ihre Zukunft dauerhaft bei Asylum?
Wenn sie beschließen, mich erneut anzurufen, höre ich mir sicher an, was sie zu sagen haben.
   

Spieltipp  

   

Statistik  

Filme: 1.440
Videospiele: 88
Specials: 105
Interviews: 62
Hardware: 9

Besuche Juli: 114.336
Belege können angefordert werden