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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   

Interview: Eric Forsberg (BGT Exklusiv)

Details

Eric Forsberg ist eine Art Urgestein innerhalb der Asylum-Historie: Bereits seit 2005 ist er immer wieder für das Studio tätig geworden, sowohl als Regisseur, als auch als Drehbuchautor. Seine bislang letzte Asylum-Regiearbeit ist gleichzeitig auch sein bekanntester Film, war er doch für Mega Piranha verantwortlich, der sowohl bei der TV-Ausstrahlung auf dem SyFy-Channel, als auch im Verkauf ein großer Hit wurde. Tobias Hohmann konnte sich mit dem sympathischen Filmemacher insbesondere über sein Verhältnis zum Mockbuster Studio Asylum unterhalten.

 

 

 



Wie kamen sie ins Filmgeschäft und wie begannen sie ihre Karriere?

Ich komme vom Theater. Ich wuchs quasi in einer Theatergruppe in Chicago auf, so dass ich früh Kontakt zu den Schauspielern und der Bühne hatte. Als Kind spielte ich in Stücken und Musicals mit, als junger Erwachsener führte ich auch Regie bei einer Comedy Revue. Mein erstes Stück produzierte ich mit 17 Jahren. Ich ging zur Filmschule, schaute über den eigenen Tellerrand hinaus und kreierte "coole Kunst". Doch das meiste meines praktischen Filmwissens lernte ich von meinem Vater, Rolf Forsberg, der in den 60er, 70er und frühen 80er Jahren als Independent-Regisseur arbeitete. Er holte mich an Bord als ich ein junger Mann war, das Medium Film liebte ich jedoch schon davor. Schlussendlich kam ich 1997 nach Los Angeles und startete meine Laufbahn als Autor und Regisseur.


Wie kam es zu ihrem ersten Engagement (Alien Abduction) bei Asylum?

Der Beginn meiner Filmkarriere 1997 war hart. Nachdem ich mehrere Jahre als Autor und Associate Producer einer Natur-Show gearbeitet hatte, nahm ich an einem Workshop teil, bei dem man seine Scripts vorstellen konnte. Einer der Anwesenden war ein Asylum-Partner und er mochte mein Script zu einem Monsterfilm mit dem Titel CROAK. Asylum sicherte sich daran eine Option und ich hatte meinen Fuß in der Tür, das war 2002. Ich verbrachte das nächste Jahr damit, Scripte zu schreiben und präsentierte sie David Latt und David Rimawi, so dass sie mitbekamen, dass ich schreiben konnte und gute Idee hatte. Ende 2003 erhielt ich von David Latt einen Anruf, in dem er nach einem Skript für einen Alien-Horror-Film fragte. Ich war so aufgeregt, dass ich das Skript innerhalb von zwei Wochen schrieb – das war ALIEN ABDUCTION. Das nächste Jahr verbrachte ich damit, es umzuschreiben und zu verbessern, bis schließlich der Anruf von Latt kam, dass der Drehstart in drei Wochen war. Zu dem Zeitpunkt besuchte ich meine Familie in Schweden, kürzte meinen Aufenthalt dort ab, reiste zurück und bereitete die Produktion vor. Wir drehten den Film in 11 Tagen ab. Es war eine sehr ernüchternde Erfahrung, wie limitiert die Möglichkeiten solch eines Ultra-Low-Budget-Films sind. Doch der Cast mochte die Story und das machte die Erfahrung gleichzeitig auch angenehm. Als der erste Cut kam, war ich dann sehr zufrieden.

War ihnen von Beginn an klar, wie Asylum arbeitet, oder wurden sie quasi ins kalte Wasser geworfen?
Mir wurde das erst beim Dreh bewusst. Ich schrieb ALIEN ABDUCTION als wäre es ein epischer Science-Fiction-Film mit vielen Darstellern, Spezialeffekten und Sets. Am ersten Drehtag kam ich an das Set des Alien-Schiffes und sah, dass es nur die leere Halle eines alten Hauses war – ein paar Müllssäcke lagen da herum, aber das war´s. Das war, als ob man mich in Eiswasser werfen würde. Mein Art Department bestand aus vier Leuten und einem leeren Truck. Weder gab es Alien-Kostüme, noch waren die Effekte vorbereitet. Ich war aber lange genug in dem Geschäft, um zu wissen, dass „the show must go on“. So suchte mein Second Unit Director Charles Schneider in seinen Schränken nach Monsterkostümen und Masken, und meine Frau brachte Flaschen mit künstlichem Blut, Schleim und anderem Zeugs. Wir besserten die Dinge in dem Gebäude so gut es ging aus, suchten dort die widerlichsten Orte, so dass alles verfallen und baufällig wirkte. Das funktionierte recht gut. Doch nachdem der Dreh beendet war, ging ich nach hause und schrieb NIGHT OF THE DEAD, der diese ganzen Szenen in verlassenen Häusern mit viel Blut enthielt, weil Kunstblut billiger als SFX ist. Man sollte mich nicht noch einmal mit herunter gelassenen Hosen erwischen.

Die Asylum-Macher stellen ihre Firma gerne als kleine Mockbuster-Schmieder da, die außerhalb dem Systems steht und für die großen Studios wie ein Stachel im Hintern ist. Schaut man ein wenig tiefer, ist Asylum eine recht erfolgreiche, wachsende Firma. Wie würden sie Asylum als Regisseur/Autor beschreiben?
Das sind drei Kerle, die unbedingt Filme machen wollen und dafür alles tun, was sie nur können. Dafür suchen sie insbesondere angehende Filmemacher und Schauspieler die auf einen dicken Gehaltscheck verzichten, um die Chance zu bekommen, an einem Spielfilm mitzuwirken. Jeder macht das aus Leidenschaft. Und so dämlich der eine oder andere Film auch wirken mag: In jedem steckt eine Menge Herzblut von allen Beteiligten, auch von den Produzenten.
 
Wie erklären sie sich den weltweiten "Erfolg" der Asylum-Produktionen?
Leute schauen aus allen möglichen Gründen Filme, aber einer der wichtigsten Gründe ist, dass sie unterhalten werden wollen – und Asylum-Filme unterhalten. Und es ist erfrischend, in einem von Mega-Blockbustern wie AVATAR geprägten Umfeld, groß angelegte, jedoch nicht so teure Filme zu sehen, in denen eine Menge Ambitionen stecken. Wenn du die Art von Filmen magst, die von Asylum produziert werden, magst du natürlich alles, was sie auf den Markt bringen.
 
Wie kommt es zu der Zusammenarbeit mit Asylum? Machen sie selbst Vorschläge, oder arbeiten sie nur mit Ideen, die ihnen von dem Studio als Auftrag gegeben werden?
Ich arbeite ja auch mit anderen Studios zusammen, und da sieht es so aus, dass ich mehrere Vorschläge mache und sich die Produzenten einen davon aussuchen. Bei Asylum läuft es eher so, dass sie sich einen Titel raus picken, dann den Ansatz ansehen und mir den Auftrag geben, ein Skript zu schreiben.

Erhalten sie genaue Angaben, z.B. bzgl. des Budgets oder der Frage, wo etwas spielen soll? Oder läuft es eher so ab, dass ihnen gesagt wird, sie sollen mal etwas mit großen Piranhas machen?
Defintiv das letztere: Mache etwas mit riesigen Piranhas und sorge dafür, dass sie wirklich groß sind – das ist so ziemlich mein Ausgangspunkt. Wenn ich dann anfange, und mit verschiedenen Ideen spiele, geben sie ihre Anregungen hinzu und weiten ihre Angaben aus. Aber manchmal, z.B. bei SNAKES ON A TRAIN, habe ich nur den Titel.
 
Haben sie als Regisseur viele Freiheiten, oder werden sie vom Studio während des Drehs stark kontrolliert?
Meine grundsätzlichen Beschränkungen sind Geld und Zeit. Das Studio diktiert das und gibt so im Grunde auch vor, was möglich ist. Ich bekomme ebenfalls gesagt, wie viele SFX Szenen enthalten sein müssen, wie viele heiße Girls zu sehen sein sollten und wie hoch der Body Count ist. Abgesehen von diesen Dingen und dem abgesegneten Skript habe ich als Regisseur sehr viele Freiheiten. SEXPOT war der Film, bei dem ich am meisten Freiheiten hatte. Und es war auch der Film, bei dessen Dreh ich am meisten Spaß hatte – zudem ist es auch einer meiner besten Filme.
 
Steht bereits recht früh fest, ob sie als Autor und Regisseur eingesetzt werden, oder ist das eher eine kurzfristige Entscheidung?
Ich versuche immer, bei den Filmen Regie zu führen, für die ich das Drehbuch schreibe. Aber das steht vorher nie fest, doch bislang führte ich etwa bei der Hälfte der von mir abgegebenen Drehbüchern auch Regie.                 

Wieviel Budget steht ihnen im Durchschnitt zur Verfügung?
Es ist mehr als der Preis einer billigen Eigentumswohnung und weniger als ein nettes Haus kostet. Ich fühle mich nicht wohl dabei, über Budgets zu sprechen, abgesehen von dem Statement, dass die Budgets sehr niedrig sind im Vergleich dazu, was wir mit dem Geld machen. Die Filme sehen teurer aus, als sie es sind.

Was sind die größten Herausforderungen als Autor aber auch als Regisseur bei einer Asylum-Produktion?
Wie ich schon erwähnte, sind die Budgets äußerst gering, was kurze Drehzeiten und Einschränkungen im Bezug auf Kostüme, Sets, Darsteller, Extras und SFX mit sich bringt. Wenn ich ein Drehbuch schreibe, muss ich bereits im Vorfeld darauf achten, dass ich mit dem Budget klar komme und die exakte Anzahl von SFX einbaue. Die ersten drei Seiten müssen „große“ Actionszenen haben und die ersten zehn Seiten müssen temporeich sein. Als Regisseur muss ich eine bestimmte Anzahl von Szenen pro Tag schaffen (Was mir nicht immer gelingt) und ich muss den Film in meinem Kopf bereits zusammen gesetzt haben, so dass ich auf kurzfristige Änderungen entsprechend reagieren kann. Ich habe aufgrund meiner Vergangenheit Erfahrungen mit Improvisationen, daher mag ich es, mir Zeit zu nehmen, um mit den Schauspielern zu arbeiten, damit sie ihren Charakter kennen lernen. Ich finde es toll, wenn sie dadurch inspiriert werden und sagen: „Ich denke, mein Charakter würde jetzt das sagen.“ Das kostet aber Zeit, die wir nicht haben. Aber bei meinen Filmen versuche ich, sie episch aussehen zu lassen, Überraschungen einzubauen, damit sie frisch und witzig sind.
 
Auf ihrer Homepage schreiben sie sehr offen über ihre Filmprojekte und damit verbundene Schwierigkeiten, die sich auch in ihr Privatleben ziehen. Gab es da mal Schwierigkeiten mit einem der Asylum-Produzenten?
Ich nenne es das Journal meines Lebens. Ich fing damit an, als ich etwa 11 Jahre alt war, und nun umfasst es knapp 4000 Seiten. Ich habe jedes Lebensalter detailliert fest gehalten. Ich lese gerne Autobiographien und Geschichtliches. Ich hoffe, dass mein Journal irgendwann mal helfen wird, dass Zeitalter, in dem ich lebe, verstehen zu können, einen Teil der Leute und der Ereignisse aufgreift, die meine persönliche Geschichte formten. Die Aufzeichnungen sind auf meiner Website, damit andere Leute, die nach Los Angeles kommen, die Sorgen und Erfolge eines Filmemachers, der es in Hollywood schaffen will, nachvollziehen können. Ich versuche, zu niemandem zu hart zu sein und ich hatte einige Produzenten, die paranoid reagierten und befürchteten, ich erzähle zu viel, über das, wa sie taten, und wie ärgerlich das war. Aber grundsätzlich kann ich über die Jungs von Asylum nur Gutes sagen, und sollte es da irgendetwas negatives geben, bin ich mir sicher, dass sie es zuerst sagten. Die Asylum-Produzenten wissen, welche Art von Film sie machen, und sie kennen die Probleme des Budgets, der Zeit und der fehlenden Unterstützung. Aber sie geben Leuten wie mir eine Chance, Filme zu machen, und ich mache lieber das, als auf ein nicht exitierendes, größeres Projekt zu warten.
 
Welche Asylum-Filme mögen sie auch privat ganz besonders?
Ich fange mal mit meinen eigenen Asylum-Filmen an. Ich mag SEXPOT und MEGA PIRANHA am liebsten, weil sie genau das liefern, was sie versprechen. Ich mag generell die ganze Mega-Serie, weil sie einfach Spaß macht. WAR OF WORLDS von David Latt war seinerzeit beeindruckend, ich mag auch seine frühe Comedy JANE WHITE IS SICK AND TWISTED. Ich mag auch NIGHT OF THE DEAD sehr gerne. Das war ein Ghoul-Horror-Film, den ich an Asylum verkaufte, der jedoch an einen Partner fiel, als das Unternehmen aufgeteilt wurde. Er ist aber hin und wieder auf Chiller zu sehen. Ich denke, dass ALIEN ABDUCTION das Zeug zu einem großartigen Film hatte, wenn er mit dem Original Sound und mit ein paar mehr SFX-Shoots veröffentlicht worden wäre. Natürlich würde ich es lieben, ein Millionen-Dollar-Remake von ALIEN ABDUCTION zu machen, da es in meinen Augen das beste Asylum-Skript war, an dem ich ja auch fast ein Jahr arbeitete. JOLLY ROGER ist auch lustig, und natürlich mag ich SNAKES ON A TRAIN. Ich muss abwarten, wie gut THOR ist, für den ich das Drehbuch schrieb.
 
Wie würden sie es beurteilen: Kann ihre Arbeit für Asylum ein Sprungbrett sein, oder ist es eher hinerlich, da sie nun einen gewissen Ruf inne haben?
Beides, so leid es mir auch tut. Ich habe ein Dutzend Filme gemacht, seitdem ich bei Asylum anfing, aber jetzt, nach MEGA PIRANHA, bin ich eben der Typ, der diese Monster-Fisch-Filme macht. Das ist eine hohe Hürde, die ich zu nehmen habe.
 
Sehen sie ihre Zukunft auch weiterhin bei Asylum?
Ich bin ein Junge aus Chicago, und in Chicago steht man loyal zu seiner Produktionsfirma, Daher werde ich immer zu Asylum zurück kehren. Aber ich arbeite hart daran, auch Aufträge für größere Produktionen bei größeren Studios zu bekommen.

Wenn sie keinerlei Beschränkungen hätten: Was wäre ihr absolutes Traumprojekt?
Das kann ich dir nicht sagen, weil ich nicht will, dass vor mir einer auf die Idee kommt. Aber ich kann sagen – auch wenn das nicht mein absolutes Traum-Projekt ist – das ich versuche, die Rechte an einigen alten Horrorfilmen aus den 60er und 70er Jahren zu bekommen, damit ich diese remaken kann. Was jedoch so ziemlich in die Richtung Traumprojekt ginge: Ich bin ein riesiger Fan der großen Action-Komödien. Ich würde auch gerne reinrassige Komödien drehen.

 

   

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