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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   

Interview: Mark. L. Lester (BGT-Exklusiv)

Details

Mark L. Lester ist in der Filmbranche seit annähernd 40 Jahren eine feste Konstante. Seinen Durchbruch feierte er mit dem seinerzeit kontrovers aufgenommenen DIE KLASSE VON 1984. Kurz darauf folgte die Stephen-King-Adaption FEUERKIND und dem Schwarzenegger-Kultstreifen COMMANDO. Er stieg aus den Studioproduktionen aus und gründete seine eigene Produktionsfirma American World Pictures. BGT-Redakteur Tobias Hohmann sprach mit Mark L. Lester über seine Karriere, aber auch kommende Projekte.

 

 

 

Sie sind seit 40 Jahren in diesem Geschäft und können auf eine beeindruckende Karriere zurück blicken. Doch wie waren die Anfänge? Wie landeten sie im Filmbusiness?

Ich fing als Dokumentarfilmer an und machte Ankriegs-Dokus gegen den Vietnam Krieg. Die erste Dokumentation die ich produzierte war TWILIGHT OF THE MAYAS (1971), der in Mexiko beim letzten Stamm der Mayas gedreht wurde. Der erfolgreiche Kurzfilm TRICIA´S WEDDING entwickelte sich dann zu einem Kultfilm. Das war eine Komödie über die Hochzeit des damaligen Präsidenten Richard Nixon.
 

Sie arbeiteten sowohl für große Studioproduktionen, als auch im Low Budget Bereich. Aus der Sicht des Regisseurs: Wo liegen die größten Unterschiede und wie arbeiten sie lieber?

Ich liebe beides. Ich gehe jeden Film gleich an, egal ob groß oder klein, nur die Anzahl der Drehtage unterscheiden sich. Die finanziellen Unterschiede sind auch gar nicht so groß, wie man denken könnte: Die gewerkschaftlich ausgehandelten Verträge und falsche Budgetplanungen fressen die eingesparten Kosten eines großen Studios schnell wieder auf. Der größte finanzielle Unterschied liegt bei den Gagen der Stars. Low-Budget-Produktionen machen jedoch Spaß, weil es da keine Bosse gibt und man nur das Geld für die Investoren wieder herein holen muss. Aus kreativer Sicht kann man machen, was man will.
 

Aus der Sicht eines Produzenten: Wo liegen die Unterschiede des Filmgeschäfts in den 70er/80er Jahren und heute?

In den 70er und 80er Jahren kosteten die Filme bei weitem nicht so viel wie heute, man hatte viel mehr Freiheiten. Viele Sachen, z.B. groß angelegte Action-Filme, hatte man noch nicht gemacht, CGI gab es noch nicht. Man hatte viel mehr Möglichkeiten, etwas Neues zu machen.
 

Sie arbeiteten seit Anfang der 70er Jahre als Regisseur und Produzent in verschiedenen Genres. 1979 war jedoch ein wichtiges Jahr. So inszenierten sie fürs TV GOLD OF THE AMAZON WOMEN mit einer illusteren Besetzung, u.a. Donald Pleasence. Wie war die Arbeit mit einem Veteranen wie Pleasence? 

Donald Pleasence war ein wirklich wilder Typ am Set und besonders in den Clubs in der Nacht. Aber was für ein großartiger Schauspieler er war! Energiegeladen, das war Donald Pleasence.
 
 
1982 feierten sie mit CLASS OF 1984 ihren Durchbruch. Der Film gilt mittlerweile als Kult. das Drehbruch schrieben sie zusammen mit Tom Holland. Woher kam die Idee zu dem Stoff?
Auf die Story kam ich, als ich meiner alten High School einen Besuch abstattete. Die Dinge dort hatten sich verändert, und es war ein gefährlicher Ort. Diesen Wandel nahm ich und führte es eben ein wenig weiter.
 
Hatten sie Probleme, einen Verleih für den kontroversen Film zu finden?
Es dauerte eine Weile bis ich den Film veröffentlichen konnte – besonders in den USA, wo der Film kontrovers diskutiert wurde. Schlussendlich buchte ich selbst die Kinosäle und es bildeten sich lange Schlangen.
 
Glauben sie, dass ein recht rabiater Film wie CLASS OF 1984 heute noch in dieser Form umsetzbar wäre?
In einer Zeit, in der so etwas wie der Amoklauf in Columbine geschieht, ist der Film nicht mehr zeitgemäß. Damals wurde es für unmöglich erklärt, dass wir die Waffen Detektoren an den Schulen zeigten. Heute ist das alltäglich.
 
Nach dem Erfolg von CLASS OF 1984 standen ihnen die Türen zu den großen Studios offen. Ihr nächstes Projekt war die Stephen King Adaption FIRESTARTER, der von Produzenten Mogul Dino de Laurentiis produziert wurde. Was reizte sie an diesem Film und wie empfanden sie den Wechsel aus dem Independent Bereich hin zu einer de Laurentiis Produktion?
DeLaurentiis kontaktierte mich nach DIE KLASSE VON 1984 und bot mir die Regie bei FEUERKIND an. Es war sehr aufregend. Der Film wurde wie eine Independent-Produktion angegangen und am Ende zeigte ich Dino, wie man ohne die Gewerkschaft in North Carolina einen Film dreht. Ich liebte das Buch von Stephen King, das ja diese Anti-CIA-Story erzählt, und die politischen Untertöne waren es auch, die mich am meisten reizten.
 
Ursprünglich war John Carpenter für den Regieposten vorgesehen, der sehr enttäuscht war, dass er nach dem Misserfolg von THE THING ersetzt wurde. Kennen sie die Gründe?
Das Budget war viel zu hoch. Er wollte 15 Millionen Dollar und ich sagte Universal, dass ich es für 10 Millionen Dollar machen konnte, was für mich ein absoluter Glücksfall war, nachdem DIE KLASSE VON 1984 nur 5 Millionen Dollar gekostet hatte. Zudem folgte das Carpenter-Skript nicht der Romanhandlung, was sie ebenfalls nicht mochten. Daher richtete ich mein Skript völlig nach dem Roman aus.
 
Danach erhielten sie den Zuschlag für den Schwarzenegger Film COMMANDO, der ein großer Erfolg wurde. Wie haben sie die Dreharbeiten in Erinnerung und wie war die Zusammenarbeit mit dem späteren Superstar Schwarzenegger? COMMANDO war der erste Erfolg von Schwarzenegger als Hauptdarsteller in einem klassischen Actionfilm. Fühlen sie sich ein wenig als Wegbereiter für Schwarzeneggers spätere, einmalige Karriere?
Die Zusammenarbeit mit Schwarzenegger war sehr aufregend. Ich glaube nicht, dass er ohne diesen Film der Star geworden wäre, der er jetzt ist. Ich nutzte durch die One-Liner sein Comedy-Talent. Der Film machte aus ihm mehr als als einen reinen Action-Star. 
 

Danach folgte die John Candy Komödie ARMED AND DANNGEROUS, die von Brian Grazer und Harold Ramis geschrieben wurde. Suchten sie sich nach COMMANDO absichtlich ein anderes Genre, oder war das eher blanker Zufall. Wie verlief die Zusammenarbeit mit den Comedyspezialisten Ramis und Candy?

Ich wurde verpflichtet, weil ich bei COMMANDO Action mit Comedy verband. John Candy war ungemein witzig, ein toller Kerl.
 
Anschließend folgte eine längere Pause, bevor CLASS OF 1999 veröffentlicht wurde. Warum die Pause und warum nach dieser langen Zeit das Sequel? Wie stehen sie generell zu dem Film und dem später folgenden CLASS OF 1999 Part 2 von Spiro Razatos, mit dem sie aber zumindest offiziell nichts zu tun haben?
Ich wolte schon immer ein Sequel machen und nach Filmen wie TERMINATOR machten Roboter-Lehrer Sinn. Mit DIE KLSSE VON 1999 Part 2 habe ich nichts zu tun. Vestron, die die Rechte an dem Original besaßen waren mittlerweile pleite gegangen und eine andere Firma kaufte diese Rechte eben auf. Sie produzierten ihn eigenständig. Das Endergebnis war dann ja scheinbar nicht so gelungen.
 
SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO sollte der große Durchbruch von Dolph Lundgren werden. Doch der Film wurde zusammen geschnitten und erhielt nur einen limiterten Kinorelease. Was lief da schief?
Der Film wurde sehr gut aufgenommen. Warner Bros. War fest entschlossen, den Film flächendeckend zu releasen.
 
Anm.d.Verf.: Taten sie aber nicht. Der Film spielte gerade einmal ~3 Mio. Dollar in den USA ein und wurde nur in 140 Kinos gezeigt. Die Tatsache, dass Lester da auch auf Rückfrage – wie bei einigen anderen Dingen auch - nicht weiter darauf eingehen wollte/konnte, spricht Bände.

Sie arbeiteten mit verschiedenen Action-Stars wie Schwarzenegger und später Dacascos zusammen. Wie empfanden sie die Zusammenarbeit mit Dolph Lundgren?
Da kann ich nur positives berichten. Ein toller Actiondarsteller und netter Typ.
 
Würden sie rückblickend betrachtet SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO als das Ende ihrer größeren Studioproduktionen ansehen? Kurz darauf gründeten sie American World Pictures. Ein bewusster Schritt zu mehr Eigenständigkeit?
Ich tat dies, weil ich somit quasi selbstständig arbeiten konnte, alleine Regie führen und produzieren konnte. Das bedeutet, dass die Budgets schmaler wurden. Als VHS und DVD auf den Markt kamen wurde das ein großes Geschäft und ich drehte mehr Filme in kürzerer Zeit. Das machte Spaß und ich war in der Lage, meine Karriere damit fort zu setzen, was ich am liebsten mache: Bücher kaufen und in Filme umwandeln.
 
Wie positioniert sich American World Pictures am internationalen Markt? Würden sie AWP als klassisches Independent Label bezeichnen?
Wir versuchen derzeit, AWP dahin zu bringen, auch höher budgetierte Projekte umsetzen zu können, gleichzeitig aber, unsere Wurzeln nicht zu vergessen und weiter Thriller, Horror und Sci-Fi-Produktionen zu stemmen. Wir sind keine typische Firma, da wir Filmemacher in unseren Reihen haben, die AWP in allen Bereichen durchlaufen.
 

In letzter Zeit produzierten und schrieben sie Filme wie YETI oder PTERODACTYL, oder demnächst JABBERWOCKY und SINBAD AND THE MINOTAUR für SyFy, bei denen sie teilweise auch Regie führten. Wie ordnen und bewerten sie Produktionen wie diese in ihrer Filmographie?

Ich liebe es, Filme zu machen und der SyFy-Channel und Universal geben mir die Möglichkeit dazu. Außerdem liebe ich Genrefilme, daher macht es sehr viel Spaß, diese Filme zu drehen.
 
2003 wurden sie für WHITE RUSH auf dem New York International Independent Film und Video Festival ausgezeichnet. Was bedeutet ihnen eine Auszeichnung wie diese und schätzen sie einen Film wie WHITE RUSH mehr als z.B. PTERODACTYL?
Ich liebe wirklich alle Filme, die ich mache. Aber es war wirklich sehr erfreulich, diese Auszeichnung überreicht zu bekommen. WHITE RUSH ist ein echt lustiger Thriller, den ich in der Sierra Madre drehte.
 
Ihr neuester Film als Regisseur trägt den Titel GROUPIE. Was können sie uns zu diesem Film erzählen?
Da bislang niemand einen Film über einen Killer-Groupie drehte, hielt ich es für eine gute Idee.
  
Wenn sie zurückblicken: Gibt es Filme, die sie lieber nicht gemacht hätten? Und haben sie Angebote ausgeschlagen, was sie später bedauerten?
Ich habe nur einen wirklichen Fehler gemacht: WHITE HOUSE MADNESS (1975). Es war eine Comedy rund um Richard Nixon. Doch als der Film raus kam, lag er schon am Boden und niemand wollte sich mehr über ihn lustig machen. Ich hätte Filme drehen sollen, die ich ablehnte,w eil ich zu beschäftigt war, oder die ich aus anderen Gründen ablehnte, z.B. POLICE ACADEMY oder RED SONJA. Nicht nur, dass es bestimmt lustig gewesen wäre, sie zu drehen, sondern auch, weil es erfolgreiche Filme waren.
 
Was darf man ihn Zukunft von Mark L. Lester erwarten? Welche Projekte stehen an?
Ich werde vermutlich bald ein paar Projekte ankündigen, bei denen ich Regie führe, und als Produzent wird sich zeigen, ob ich etwas aus dem Boden stampfen kann. Im derzeitigen Klima ist die Finanzierung sehr schwierig geworden.
  

Ohne Rücksicht auf Geld oder andere Faktoren: Was wäre ihr absolutes Wunschprojekt?
Ich würde gerne jedes bislang unverfilmte Buch von Phillip Dick umsetzen.

 

   

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