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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   

Interview: Michael Emerson

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Mit der sechsten Staffel endete das Serienphänomen der letzten Jahre und erscheint bald auf DVD bzw. BD. Eine der beliebtesten und gleichzeitig bemerkenswertesten Figuren der Kultreihe war Benjamin Linus. Ein faszinierender, vielschichtiger Charakter. Gespielt wurde dieser Part von Michael Emerson, der für seine herausragende Leistung einen Emmy erhielt. Im Interview erinnert sich der Schauspieler an die mehrjährigen Arbeiten an LOST zurück und macht deutlich, wie gern er Benjamin Linus gespielt hat. Ein kleiner Hinweis: Manche Aussagen von Emerson könnten leichte Spoiler enthalten: Wer die sechste Staffel noch nicht gesehen hat, sollte das Interview also vielleicht mit Vorsicht genießen. 


Wenn sie zurückdenken: Was würden sie als ihren persönlichen LOST Lieblingsmoment bezeichnen?

Ich kann kein spezielles Highlight nennen, da ich so viele positive Erlebnisse hatte. Aber eine der besten Szenen, an der ich beteiligt war, war der Tag, an denen John Locke erdrosselt wurde. Dieses Ereignis war schockierend und wir drehten den ganzen Tag an dieser Szene. Trotzdem waren alle so fokussiert und ruhig am Set. Es war, als ob jeder Beteiligte wusste, dass wir da an einer der bemerkenswertesten Szenen von LOST arbeiteten. Terry brachte eine unglaubliche, dunkle Tiefe in diese Szene, die mir das Haar zu Berge stehen ließ. Egal ob Handwerker oder Schauspieler: Niemand wird diesen Tag vergessen, ich auch nicht. Wir machten da etwas magisches.
 
Wie sehr werden sie die Show vermissen?
Ich werde sie fürchterlich vermissen. Kann es eine bessere, herrlichere Rolle als die des Benjamin Linus geben? Es gab Szenen gefährlicher Intensität ebenso wie Szenen voller Action. – ich durfte mit Waffen spielen, Pferde reiten und in Bodenlöcher fallen. Es war eine unglaubliche Erfahrung und sicherlich etwas, das ich nie vergessen werde. Ich bin traurig, dass es vorbei ist, aber wir können auf eine wundervolle Arbeit zurück blicken.
 
Wie fühlte es sich an, für die sechste Staffel nach Hawaii zurück zu kehren, nachdem sie für die fünfte Staffel mit dem Emmy ausgezeichnet wurden? Hat sich durch diesen Preis irgend etwas verändert?
Nein, es änderte sich gar nichts. Um ehrlich zu sein, versuchst du irgendwelche Awards oder Publicity zu vergessen. Das hilft dir bei der Arbeit alles nicht. Jeder war sehr nett, freute sich für mich und gratulierte mir, nachdem ich aus Los Angeles zurück kehrte, aber das war schnell vergessen. Ich fand das auch gut so.

Hatten sie irgendeine Idee wie die Serie ausgehen würde, als sie mit der Arbeit zu Staffel 6 begannen?
Ich hatte keinen Schimmer. Ich dachte wirklich, dass ich es kommen sehen würde. Ich dachte, dass die Hinweise zum Finale klarer werden, wenn wir erst einmal anfangen zu drehen – aber das Gegenteil war der Fall. Das Ende war in Staffel 6 unklarer als in Staffel 5.
 
Was war ihre Vorstellung vom Finale? Wie sollte LOST enden und was sollte ihrer Meinung nach mit Benjamin Linus passieren?
Ich hatte keinen wirklichen Wunsch wie die Geschichte enden sollte – mit einer Ausnahme: Ich wollte bis zum Finale überleben. Das war alles, was ich wollte. Ich wollte die Möglichkeit bekommen, die finale Episode mit dem Rest der Darsteller zu drehen – und ich bin dankbar, dass mir das ermöglicht wurde.
 
Was denken sie über Benjamin Linus?
Benjamin Linus ist ein Fragezeichen. Ich denke, dass die Autoren ihn moralisch doppelbödig, aber gleichzeitig interessant gestalten wollten. So irritierte und interessierte er die Leute gleichzeitig. Die Autoren gingen sehr clever mit der Figur um. Es war schwierig, diese Balance über vier oder fünf Jahre zu halten. Das ist eine lange Zeit für Zuschauer, die nicht wissen, was eigentlich passiert. Ich fand ihn immer faszinierend.

Wie ähnlich sind sie ihrem Charakter, den sie über sechs Jahre lang spielten?
Ich bin im wirklichen Leben nicht sonderlich manipulativ und kann auch nicht gut lügen. Es machte also Spaß, einen Typen zu spielen, der so etwas dauernd tut. Er kann die unerhörtesten Dinge sagen und zuckt mit keiner Wimper. Ich könnte das niemals.
 
Was war das schlimmste, das Benjamin Linus je in LOST tat?
Die schockierenste Szene die ich spielen musste, war das Massaker der Dharma Initiative. Die Produzenten machten es in der Post Production sogar noch schlimmer, als wir es gedreht hatten. Ich habe nicht persönlich einen Kanister mit Giftgas in dem Van geöffnet und meinem Vater mit eigenen Augen beim sterben zugesehen. Als ich es sah, dachte ich: Wow, das ist heftig. Es schockte mich ein wenig.
 
Sind sie jemals mit Autoren Entscheidungen bzgl. ihres Charakters nicht einverstanden gewesen?
Ich würde nie zu den Autoren gehen und mich beschweren.  Ich war überzeugt davon, dass alles seinen Grund hatte. Ich weiß, es klingt ein wenig verrückt, aber Ben hat ein paar sehr kühle und abstoßende Sachen gesagt. Ich hätte eigentlich denken sollen: „Wie kann er nach so einem Satz wieder zurück kommen?“ Aber Ben kam wieder und unterhielt genauso wie vorher. Es mag sein, dass es wichtiger war, atemberaubende Momente zu integrieren, als die logische Charakterentwicklung im Auge zu behalten.

Haben sie jemals gewusst, was mit ihrem Charakter passieren würde?
Ich war ja schon glücklich, wenn ich ein Drehbuch in Händen hielt, bevor die Kameras anfingen zu laufen. Es war nicht so, dass wir jede Woche ein Meeting hatten, und über die Storyline sprachen. Wir wussten nie, was als nächstes in der Show passiert.
 
Hatten die Schauspieler Theorien oder sprach man darüber, auf welche Art und Weise das Ende gestaltet werden sollte?
Jeder tat das. Jeder, der an der Show beteiligt war, hatte seine eigenen Ideen, aber keine hatte einen Schimmer, ob man auf dem richtigen Dampfer war, oder nicht. Unsere Theorien waren natürlich niemals so gut, wie die Theorien, die die Fans online stellten. Ich hörte auf, neue Theorien zu entwickeln, als das Ende näher kam, weil ich nie richtig lag. Wie auch immer: Wenn du mit Jorge Garcia zusammen sitzt, bleibt dir gar nichts anderes übrig, als dir über so etwas Gedanken zu machen, da er es liebt, über solche Sachen zu sprechen. Er hat mehr als jeder andere der Schauspieler sehr darauf geachtet, was die Fans online schreiben. Wenn ich wissen wollte, welche Theorien gerade aktuell waren, brauchte ich nur ihn zu fragen.
 
Wie intensiv war die Arbeit an der letzten Staffel von LOST ?
Die Arbeit an LOST war immer eher fragmentisch. Ich hatte 10 Tage wahnsinnig viel Arbeit, hatte dann aber zwei bis drei Wochen Pause. Ich nutzte diese Zeit, kehrte nach Hause zurück und verbrachte die Zeit mit meiner Frau. Dann kehrte ich wieder nach Hawaii zurück wo wieder viel Arbeit auf mich wartete, von der ich nicht wusste, wie sie aussieht.
 
Fanden sie es frustrierend, drei Wochen nicht zu wissen wie es weiter ging, wenn sie nicht am Set waren?
Das fiel mir nicht sonderlich schwer, da ich mich mit anderen Dingen beschäftigte. Ich kehrte zu meinem Leben zurück, was ich vor LOST lebte. Ich habe niemals in Hawaii angerufen, um zu erfahren, was gerade vor sich ging. Ich konzentrierte mich auf mein Privatleben.

Was war die größte Herausforderung bei der Arbeit an der Serie?
Die physischen Anforderungen waren der härteste Aspekt während der Dreharbeiten. Nachts durch den Dschungel zu laufen kann ganz schön hart sein. Es ist schlimm genug, wenn es trocken ist, aber sie fanden immer einen Grund, warum es regnete. Es ist Mitternacht undd du rennst durch nasses Laub und über nasse Wurzeln usw. Ich dachte, ich hätte ein Alter erreicht, in dem ich so etwas nicht mehr machen sollte, aber dann lande ich bei LOST und die Hälfte der Zeit macht Benjamin nichts anderes. Ich mochte es trotzdem. Es machte mir Spaß auf Pferden zu reiten, zu kämpfen und mit Waffen zu schießen. Du hast dazu ja nicht jeden Tag die Möglichkeit.
 
Welcher Stunt war am schwierigsten?
Das Reiten war recht schwierig für mich. In einer Episode wird Ben in der Wüste wach und wird von Beduinen mit genommen. Die saßen arabischen Pferden, doch diese Tiere sind recht schreckhaft und nervös. Da wurden Waffen abgefeuert und die Tiere drehten fast durch, und mir wurde gesagt, dass ich einen Kerl umbringen und sein Pferd mit einer Hand halten sollte, während ich in der anderen Hand eine Schusswaffe hielt. Es war unmöglich. Ich bekam meinen alten, müden Körper nicht auf dieses Pferd. dazu kam, dass der Gaul nicht ruhig stehen bleiben wollte. Immer wenn die Waffen losgingen, rannte das Pferd weg, so dass jemand sie einfangen und zurück zum Set bringen musste. Das war ein verdammt langer Tag.
 
Das klingt, als ob ihre Rolle zu diesem Zeitpunkt recht schwierig war.
Jeder Tag war physisch sehr anstrengend, weil man die Szenen so häufig wiederholte. Selbst wenn du nur auf einem Stuhl gesessen hast, musstest du deine Anspannung hoch halten. An besonders harten tagen musstest du renne, kämpfen und schießen – das für mich extrem herausfordernd. Ich werde ja auch nicht jünger, und egal, wie vorsichtig ich auch war: Am Ende des Tages fühlte ich mich völlig erschlagen.

Wurden sie während der Dreharbeiten verletzt?
Ja, aber das war nichts gravierendes. Du verdrehst dir den Knöchel oder brichst dir den Zeh. Oder Haut wird dir bei einer Actionszene von einer Sprengladung abgerissen. Vielleicht verletzt du dich an den rippen oder stößt dir den Kopf. Es ist halt durch das Gelände bedingt. Aber es lief alles gut.
 
Was machen sie als nächstes?
ich schaue mir die Angebote an, habe bislang aber für nichts unterschrieben. Ich werde mir aber alle LOST Folgen noch mal anschauen. Ich wollte ursprünglich alle Folgen sehen, bevor Staffel 6 ausgestrahlt wurde, aber das schaffte ich zeitlich nicht. So werde ich also zu den Wurzeln zurück kehren und mir bald alle Folgen hinter einander anschauen. Es wird großartig sein, die ganze Serie mit anderen Augen zu sehen. Es wird Spaß machen, das alles noch einmal zu erleben und Revue passieren zu lassen.


Anmerkung: Bei dem hier veröffentlichten Interview handelt es sich nicht um ein Exklusiv Interview von bereitsgetestet.de. Für die freundliche Zusammenarbeit bedanken wir uns bei Touchstone Home Entertainment.


   

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