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[REC]²
Originaltitel: [REC]²
Herstellungsland: Spanien
Erscheinungsjahr: 2009
Genres: Horror
Freigabe: FSK-16
Regie: Jaume Balagueró, Paco Plaza
Darsteller: Ferran Terraza, Javier Botet, Pablo Rosso u.a.
Review: T.Hohmann
Prüfungsmedium: Presse-DVD
mit freundlicher Unterstützung von Universum
Inhalt:
In einem betagten innerstädtischen Miethaus ist ein scheußliches Tollwutvirus ausgebrochen. Draußen hat die Polizei alles abgeriegelt, während drinnen Gottweißwas geschieht. Ein aus Elitekriegern und Geistlichen rekrutiertes Expertenteam sieht nach dem rechten und erhält unversehens Verstärkung durch abenteuerlustige Kids, die durch den Keller vom Nachbarhaus einstiegen. Jetzt ist man konfrontiert mit rasenden Zombies und ihrer dämonischen Ursache, während Scharfschützen allen den Garaus machen, die sich zu nah an Fenster und Türen wagen.
Kritik:
Der Name Balagueró geniesst bei Horror Fans einen hohen Stellenwert. Konnte er doch durch stilistisch zurückhaltene Filme wie Darkness oder Fragile Akzente im Horrorgenre setzen, das nicht erst seit Hostel und Saw sein Glück eher im überschreiten von Grenzen und Tabus sucht. Trotzdem war sein Name dem Mainstream Zuschauer eher unbekannt. Das änderte sich mit dem Überraschungserfolg [REC] aus dem Jahr 2007, den er gemeinsam mit Paco Plaza umsetzte. Der Film mauserte sich zu einem Hit, zog irritierend schnell das Remake Quarantäne nach sich und veranlasste das umtriebige Studio Filmax dazu, auf die möglichst rasche Umsetzung des unausweichlichen Sequels [REC]² zu pochen, welches wiederum gemeinsam von Balgueró und Plaza umgesetzt wurde. Auch dieser Film erwies sich international als großer Erfolg, so dass mittlerweile auch das Prequel [REC] - Genesis und der abschließende [REC] - Apocalypse angekündigt wurden, die jedoch von Plaza bzw. Balagueró einzeln umgesetzt werden. Nach Ansicht von [REC]² kann man nur hoffen, dass man sich für diese weiteren Franchiseausflüge wirklich etwas einfallen lässt, denn im Vergleich zum exzellenten Original, ist das Sequel eine kleine Enttäuschung.
Die Prämisse von [REC] war denkbar einfach: Ein gefakter Dokumentationsstil und ein Haus, welches von einem Virus heimgesucht wurde, der Menschen zu tollwütigen Bestien werden lässt, wobei sich dieser Virus durch Blut oder Speichel überträgt. Prinzipiell hat die Geschichte nicht mehr zu bieten und braucht es auch gar nicht, weil die beiden Regisseure aus dieser denkbar simplen Storyline das absolute Maximum heraus holen und den Zuschauer auf eine intensive Achterbahnfahrt mitnehmen, die weder Pausen noch einen Ausweg bietet. Man kann nun Plaza und Balagueró, die auch erneut für das Drehbuch verantwortlich zeichneten, nun anrechnen, dass sie scheinbar keine simple Wiederholung dieses Szenarios im Sinn hatten, sondern wirklich etwas neues bieten wollten - unglücklicherweise liegen aber genau in diesen Neuerungen die Probleme von [REC]².
Stilistisch gesehen machen sie in erster Instanz alles richtig. So greifen sie fast erwartungsgemäß nicht mehr auf eine Kamera zurück, sondern lassen den Zuschauer quasi Teil einer Soldaten-Einheit, die in das verseuchte Haus geschickt werden und aus Dokumentationsgründen alle mit Kameras ausgerüstet sind. Zusätzlich arbeiten sie mit "Bild-im-Bild" Aufnahmen, die das Geschehen mitunter von mehreren Seiten oder sogar an verschiedenen Schauplätzen zeigen. Nicht selten erinnert das an einen Ego Shooter, in dem der Zuschauer zum Spieler gemacht wird. Das ist gut gelöst, macht Sinn und treibt den Stil des Originals auf eine Spitze, der wohl nicht mehr getoppt werden kann. Im Gegensatz zu US Regisseuren haben sie aber durchaus ein feines Gespür dafür, wann und wie diese Handkamera einzusetzen ist, so dass es trotz des Einsatzes von verschiedenen Kameras nicht zum gefürchteten "Gewackel" kommt. Wer mit dem Original in dieser Hinsicht zurecht kommt, wird auch bei der Fortsetzung keine Probleme haben. Eine Vorgplänkel gibt es kaum, man ist mitten im Geschehen und sehr schnell im besagten Haus, wo es ebenfalls rasch zur Sache geht. Die Angriffe und Infizierten sind nach wie vor gut in Szene gesetzt, erreichen jedoch nicht mehr die Intensität des ersten Films. Das hat zwei Gründe: Einerseits weiß man mittlerweile, auf was man sich einstellen muss, so dass der Überraschungseffekt des Vorgängers nicht mehr gegeben ist, andererseits wollen die beiden Autoren/Regisseure ihr so simples Ausgangswerk scheinbar zu einem epischen Franchise-Epos ausbauen und entfernen sich von der simplen Ausgangslage ihres ersten Streifens. Das kann funktionieren, muss aber nicht, und unglücklicherweise tut es das auch nicht.
Der Virus will erklärt werden, der Ursprung bekommt ein nahezu biblisches Gesicht. Um den "Überraschungseffekt" nicht zu verderben, soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden, doch in dieser Form schießen sich Plaza und Balagueró mit ihren Erklärungen selbst ins Bein, da sie sich der Stärken ihres Formats berauben. Es geht in [REC]² nur noch bedingt darum, was passiert, sondern vielmehr warum es passiert - und das nimmt dem geschehen sehr viel Dramatik, Tempo und Wucht. Zudem ist auch die Story neben dieser unnötigen Entmystifizierung ebenfalls schwach und wirkt gestreckt. Einige Protagonisten sind schlicht unnötig, einzelne Storynebenarme aus der Luft gegriffen, um den Film auf Länge zu bringen. Das Ende präsentiert dann noch fast erwartungsgemäß einen alten Bekannten und bietet Platz für [REC] - Apokalypse, was interessant sein kann, hier jedoch eher notgedrungen wirkt. In den schlechtesten Momenten wirkt [REC]² wie ein Überleitungsfilm, der zwar irgendwie zur Erklärung da sein muss, jedoch nur als Vorbereitung für den Abschluss dient.
Die harten Worte und die genannten Schwächen sollen jedoch nicht darüber hinweg sehen lassen, dass [REC]² kein durch und durch missratener Film ist. Er hat ohne Zweifel seine Momente, erreicht in Ansätzen sogar die atmosphärische Dichte des Originals und ist ohne Frage spannend. Im Vergleich zu der üblichen Horrorkost alleine schon deshalb klar über Durchschnitt, doch die Schwächen lassen die positiven Dinge verblassen, so dass am Ende - nicht zuletzt Dank des sehr guten ersten Films - eher die Enttäuschung überwiegt.
Fazit:
Nein, ein schlechter Film ist [REC]² nicht. Gemessen am Original, der im Vergleich 8/10 erhielt, jedoch eine mittlere Enttäuschung. Plaza und Balagueró verlassen die simple Ausgangslage und wollen scheinbar einen Epos aufbauen, in dem sie den Virus erklären und damit leider auch entmystifizieren. So geht es nicht mehr um das was, sondern nur noch um das warum. Somit hat das Sequel Längen und erreicht nur in Ansätzen die Dramatik und Dichte von [REC]. Akzeptabel und sehenswert durchaus, doch von einem guten Sequel kann man beim besten Willen nicht sprechen.
Wertung: 6| 10
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