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Feb22

Der Fall Texas Chainsaw Massacre - Eine Zensurgeschichte

Der Fall Texas Chainsaw Massacre - Eine Zensurgeschichte

Das Münsteraner Label Turbine Medien GmbH hat sich in den letzten Jahren durch ihre gelungenen Veröffentlichungen einen guten Namen gemacht.  Statt auf Quantität und den schnellen Euro zu schielen, setzt das Label auf Qualität und will insbesondere die Fans zufrieden stellen. Ein gutes Beispiel für dieses Prinzip ist die Veröffentlichung der Dieter-Hallervorden-Filme, für die man auf neue Interviews und andere Bonusmaterialien produzierte. Der Kultfilm THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE wirkt im Turbine-Programm etwas deplatziert, da man ansonsten eher auf Familienfreundliche Unterhaltung setzt. Doch auch und besonders bei der Veröffentlichung dieses Streifens bewiesen die Verantwortlichen rund um Phil Friederichs und Christian Bartsch, wie hochwertig ein Produkt sein kann – wenn man denn nur will. Doch Turbine setzte mit diesem Coup noch einen ganz anderen Meilenstein, der in die unrühmliche Historie der deutschen Zensurgeschichte eingehen wird, und den sehr viele für nicht möglich gehalten haben: Man boxte erstmals einen beschlagnahmten Titel frei und sorgte somit für eine kleine Sensation.

Ohne nun zu tief in die juristischen Details eintauchen zu wollen, muss man die Zensurgeschichte rund um THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE zumindest grob anreißen. Der unter schwierigen Produktionsbedingungen entstandene Film erschien 1974, schaffte es jedoch erst 1978 gekürzt unter dem Titel BLUTGERICHT IN TEXAS auf die deutschen Leinwände und wurde später auch unter dem Originaltitel auf Video veröffentlicht. Die gekürzte Fassung wurde 1982 indiziert und 1985 vom Landgericht München 1 in Bezug auf §131 StGB zum ersten Mal beschlagnahmt. Im Rückblick unverständlich und in der Begründung nicht nachvollziehbar – aber das gilt für einige Beschlagnahmungen dieser Zeit. Es folgten weitere Beschlagnahmungen, die letzte am 11. August 2010. Gegen diese Beschlagnahmung legte Turbine, die seit 2008 Inhaber der Nutzungsrechte waren, und den Film in komplett deutscher Sprache und ungekürzt bereits 2009 in Kooperation mit NSM Records in Österreich veröffentlichten, Beschwerde ein. Die Strafkammer des Landgerichts Frankfurt am Main gab dieser Beschwerde Recht,  ließ die Beschlagnahme offiziell aufheben und sprach den Klassiker nach 26 Jahren vom Vorwurf der Gewaltverherrlichung und der menschenunwürdigen Darstellung frei. Ein riesiger Erfolg, doch Turbine wollte – sicherlich auch aus unternehmerischem Kalkül – mehr, da THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE trotz der Aufhebung der Beschlagnahmung immer noch auf dem Index stand. Man strebte eine FSK-Freigabe an und dafür musste der Film vom Index der Bundesprüfstelle gestrichen worden.

Also legte Turbine gegen die Indizierung Einspruch ein und konnte den nächsten Erfolg feiern: Am  1. Dezember 2011 wurde der Streifen von der Bundesprüfstelle von der Index-Liste gestrichen. Damit war endlich der Weg für die Vorlage bei der FSK frei, wo es erwartungsgemäß auch keine Probleme mehr gab: Am 20.12.2011 vergab man der ungeschnittenen Fassung  die Kennzeichnung "keine Jugendfreigabe", so dass man den einst als grausam und menschenverachtend abgestempelten Film nun ganz legal bei jedem Händler kaufen kann.  Wenn das kein eindrücklicher Beweis für die Unsinnigkeit von der deutschen Zensurpraxis ist, was dann? Turbine hat ein enormes wirtschaftliches Risiko in Kauf genommen, als sie um die Freigabe und die Reputation des Streifens kämpften. In der heutigen Zeit alles andere als üblich und schon alleine deswegen aller Ehren wert.

Doch abseits von dieser bemerkenswerten Zensurgeschichte überzeugt auch das fertige Produkt, sprich die Veröffentlichung. Klar: Film und das grundsätzliche Bonusmaterial unterscheiden sich nicht von der Österreich-Auswertung. Doch statt nun diese Veröffentlichung nochmal auf den deutschen Markt zu werfen, produzierte man eine weitere Bonus-Disc, in der es um den langjährigen Rechtsstreit und die generelle Zensurproblematik in Deutschland geht. Zusätzlich legte man ein 60-seitiges Booklet bei, das die Geschichte des Films thematisiert und zahlreiche Gutachten, Gerichtsbeschlüsse u.ä.  abbildet. Für Fans und Filminteressierte generell ein absolutes Highlight.


Hier die Übersicht zur Veröffentlichung, die am 16. März erfolgt.

  • Film-Blu-ray-Disc + Film-DVD + zwei Bonus-DVDs
  • HD-Abtastung vom 16mm ECO Kamera-Orginal
  • Multi-Angle Introtext in Englisch und Deutsch
  • Audiokommentar mit Regisseur Tobe Hooper, Kameramann Daniel Pearl und Gunnar Hansen
  • Audiokommentar mit den Darstellern Marilyn Burns, Paul A. Partain, Allen Danziger und Art Director Robert A. Burns
  • Dokumentationen "The Shocking Truth", "Flesh Wounds" und "Off the Hook"
  • Eine Führung durch das TCM-Haus mit Gunnar Hansen
  • Entfernte Szenen, Outtakes und Bloopers
  • Kino Trailer (USA, D), US-TV- & Radio Spots, Fotogalerie
  • "The Shocking Truth"-Outtakes
  • Exklusive Bonus-DVD mit der Dokumentation "TCM - A Family Portrait"
  • Interview/Expertenrunde zur Zensurgeschichte des Films in Deutschland
  • Exklusives Booklet zur Zensurgeschichte mit Gutachten, Beschlüssen und mehr

Und um mal einen Eindruck davon zu bekommen, wie das gute Stück aussehen wird, hier jeweils ein Bild zu den Discs und dem Bonus-Booklet.

 

Uns liegt die Veröffentlichung bereits vor und man kann nur sagen: Gratulation, Turbine! Das kann man nicht besser machen. Ein ausführliches Review erfolgt zum Kaufstart am 16.03. Für Fans ein Pflichttermin und ein Pflichtkauf.

Autor

Tobias Hohmann

Tobias Hohmann

Kommentare (2)

  • T. Hohmann

    T. Hohmann

    01 April 2012 um 08:42 |
    Limitiert nur im Hinblick darauf, dass es diese Edition inkl. des Buches nur relativ begrenzt geben wird. Turbine kündigte schon an, den Film auch anders auswerten zu wollen. und ja: Natürlich uncut.
  • 9live

    9live

    29 März 2012 um 13:13 |
    ist die auflage limitiert und ist der film ungeschnitten?

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Kommentare  

Philipp

Philipp

01. Dezember, 2012 |

Klasse Kritik und dazu noch sehr Ausführlich. Macht Lust auf mehr. Werde mir den Film heute mal aus der Videothek ausleihen.
Kevin

Kevin

01. Dezember, 2012 |

100 % Zustimmung. Klasse Film der zeigt, das auch europäische Produktionen durchaus fesseln können.
Philipp

Philipp

25. November, 2012 |

Knüpft der den ansatzweise an den ersten an? Die Fortsetzungen darauf waren ja alle eher durchschnittlich bis grausam. Bin ehrlich...
   

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