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Okt06

Robert Domes: Nebel im August

Robert Domes: Nebel im August

Buchtitel: Nebel im August
Autor: Robert Domes
Gebundene Ausgabe:
352 Seiten

Verlag: cbj Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3570403280
Größe: 12,8 x 3,4 x 18,4 cm

Preis zum Test: 9,99.- EUR


 

Mit NEBEL IM AUGUST startete vergangenen Donnerstag ein weiterer deutscher Film, der sich mit der NS-Thematik auseinandersetzt. Das Repertoire an solchen Filmen scheint hierzulande schon lange ausgeschöpft zu sein und doch wirft der Film bei allem Überangebot den Blick auf ein bislang noch sträflich ignoriertes Thema aus dieser Zeit. Robert Domes begab sich in seinem gleichnamigen Buch auf die Spurensuche nach der Biografie von Ernst Lossa. Ein eigentlich kerngesunder Junge, der im wahrsten Sinne des Wortes ein Opfer seiner Zeit wurde. Er war ein Jenisch, eine eher unbekannte Minderheit Europas aus dieser Zeit, und landete aus diversen Gründen in verschiedenen Heimen und Anstalten ohne je geistig oder körperlich behindert zu sein. Sein Fall gilt als Beispiel für die Morde der Nationalsozialisten im Zuge ihrer Euthanasie-Programme. Wir stellen die Buchvorlage heute vor.

 


 

 


 

Ernst Lossa und seine Familie rückten damals in den Fokus der Nationalsozialisten, da sie als reisende Hausierer in Süddeutschland unterwegs waren und somit immer wieder ohne festen Wohnsitz und Geld dastanden. So entzog das Land 1933 den Eltern ihrer Kinder und Ernst Reise von Heim zu Heim begann. Denn der Vater hatte nicht nur weiter Geldprobleme, sondern geriet auch immer wieder mit der NS-Diktatur in den Streit und die Mutter verstarb schon bald. Obwohl Ernst weder behindert noch psychisch krank war, wurde er 1942 schließlich in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren/Irsee im Allgäu abgeschoben. Zwei Jahre später, im Alter von 14 Jahren, wurde er mittels einer Überdosis Morphium-Scopolamin umgebracht. So wurde er zu einem der vermutlich über 200000 Opfer der Euthanasie zu Zeiten des Nationalsozialismus. Die Absurdität eines oder diesen Krieges aus Kinderaugen zu zeigen ist vielleicht neu und doch mag das Buch einen Beitrag zu leisten für die Vorstellung der Gräueltaten aus der Sicht eines Jungen, der nichts von den politischen Hintergrund verstand, aber trotz allem auch ein Zeugnis dafür ablegt wie schnell man Teil von dieser Welle werden kann - für ihn wird die Hitlerjugend eine willkommene, sportliche Abwechslung ohne irgendwelche negativen Hintegründe - aber gleichzeitig es auch nie schaffen kann seine Vergangenheit oder Herkunft wirklich zu verbergen. Ernst Lossa ist sich selbst und wird dafür bestraft. Auch wenn Autor Robert Domes vor dem Schreiben einer intensiven Recherche nachging, werden im Film die Figuren teilweise andere Namen tragen. Schon im Buch wurden zumindest bei den Kindern die Namen teilweise geändert aus Rücksichtsnahme, was so im Buch aber auch immer gekennzeichnet ist.

Als "Jugendbuch" konzipiert gibt auch die Figur des Ernst Lossa die Erzählperspektive des Buches vor. Robert Domes, der Autor, betont, dass viele der Szenen aufgrund von bestimmten Dokumenten oder Berichten als authentisch einzuordnen sind, nur die daraus resultierenden Dialoge fikitv seien. Anders als beispielsweise im Fall von Anne Frank gibt es keine Tagebuchaufzeichnungen oder sonstige Notizen von Ernst Lossa selbst. Doch dem Buch geht einige intensive und profunde Recherche hinaus, so das man sich als Leser sicher sein kann, dass sich das Geschehen in dieser Form abgespielt haben könne. Das Buch richtet seine Kapitel nach den jeweiligen Aufenthaltsorten von Ernst. Vereinzelt bekommt der Leser, wenn es sich um Informationen über Lossas Verwandte handelt auch mal Hinweise, die der Protagonist nicht oder noch nicht weiß. So ist man ihm als Leser auch mal einen Schritt voraus. Es ist auch zu diskutieren inwiefern der Prolog, welcher von der Chronologie her fast an das Ende des Buches gehört, den Leser sinnvoll auf das Buch einstimmt. Wobei auch schon der Buchrücken kein Geheimnis aus dem tragischen Schicksal von Ernst Lossa macht. Das Buch liest sich relativ flüssig, auch wenn es zuweilen voraussehbar scheint und trotz seiner Kurzweiligkeit auch etwas oberflächlich in seiner Etablierung von Schauplätzen oder Nebenfiguren scheint, was im Endeffekt aber auch dazu beiträgt in Lossas kurzes Leben und sein Lebensgefühl einzutauchen. Ein Glossar am Ende des Buches erklärt nochmals die wichtigsten Begriffe und da es sich um ein Jugendbuch handelt eben auch teilweise Begriffe, die einem vielleicht überflüssig erscheinen, vom jungen Leser aber dankbar als weiterführende Informationen studiert werden.

Autor Robert Domes arbeitete lange Zeit in mehreren Redaktionen der Allgäuer Zeitung als Lokalredakteur. 1988 begann er schließlich als Redakteur der AZ in Kaufbeuren und übernahm 2001 die Leitung der Lokalredaktionen Kaufbeuren und Buchloe. Zum 1. Juli 2002 machte er sich als Autor und Journalist selbständig und begann mit seinen Recherchen zu Ernst Lossa. Nebenher ist er weiterhin als Medien-Journalist und Reporter für verschiedene Tageszeitungen und Zeitschriften tätig. Darüberinaus gibt er Fortbildungen für Journalisten und ist Referent und Teamleiter, unter anderem im Lokaljournalistenprogramm der Bundeszentrale für politische Bildung, in der journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung und für private Auftraggeber.

Neben den üblichen Verkaufsstellen kann man das Buch auch direkt beim Verlag bestellen: cbt Verlag

Manuel Föhl

Manuel Föhl

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